Klimagipfel in New York: Merkel, AKK und der Zank ums Flugzeug

Klimagipfel in New York : Merkel, AKK und der Zank ums Flugzeug

Die Bundesregierung versuchte am Montag, die Angelegenheit mit den zwei Flugzeugen niedrig zu hängen. Jede Reise sei für sich so wichtig, dass die Termine nicht durch Umplanungen gefährdet werden dürften, betonte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer.

„Es hat also überhaupt nichts mit Platz oder irgendwelchen persönlichen Dingen zu tun, sondern ist rein organisatorisch.“ Tatsächlich?

Angela Merkel flog am Sonntag zum Klimagipfel nach New York – in einer Maschine mit angeblich noch ausreichend freien Sitzen. Annegret Kramp-Karrenbauer folgte eine halbe Stunde später zum Antrittsbesuch in Washington in einem fast leeren Flieger. Beide reisten also getrennt über den Atlantik und nicht zusammen in einem Flugzeug, wie es ursprünglich geplant gewesen sein soll. AKK und ihre Delegation seien kurzfristig wieder ausgeladen worden, angeblich aus Platzgründen. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) durfte aber mit in den Merkel-Flieger.

Auch das Verteidigungsministerium wiegelte ab: „Es sind unterschiedliche Delegationen, Termine, Orte. Entsprechend haben wir uns dafür entschlossen, dass die Ministerin separat in die USA reisen wird.“ Nichtsdestotrotz sorgte der Vorgang für erheblichen Wirbel in Berlin.

Denn die Regierung hatte 48 Stunden zuvor ihr Klimapaket vorgestellt, und nun benahmen sich auf den ersten Blick zwei Spitzenkräfte selbst wie Klimasünder. Demmer betonte freilich, die Bundesregierung gleiche schon seit 2014 die Klimawirkungen der notwendigen Dienstreisen aus. Ein Sprecher des Umweltministeriums erklärte, für den Ausgleich der Dienstreisen von Angehörigen der 121 Ministerien und Bundesbehörden im Jahr 2018 seien rund zwei Millionen Euro vorgesehen.

Der Umweltaspekt ist aber nur die eine Seite der Medaille. Denn zugleich entstand der Eindruck, AKK sei sozusagen von Merkel ausgeladen worden. Manch einer wertete den Vorgang als Zeichen einer offenkundig wachsenden Entfremdung zwischen der Kanzlerin und ihrer potentiellen Kronprinzessin. Dass beide inzwischen ein persönliches Klimaproblem haben, wird hinter vorgehaltener Hand nicht in Abrede gestellt. „Es hat auch schon in der Vergangenheit mal geknirscht. Das ist völlig normal und auch nicht anders geworden, seitdem ich Parteivorsitzende bin“, sagte Kramp-Karrenbauer unlängst in einem Interview.

Zwar ist die CDU-Chefin bei allen wichtigen Sitzungen im Kanzleramt dabei, man telefoniert auch regelmäßig. Doch seit AKK als Verteidigungsministerin ins Kabinett eingetreten ist, ist Merkel wieder ihre Chefin. Das macht es nicht gerade einfacher, die Machtbalance zwischen beiden auszutarieren. Das Misstrauen, das sich offenbar in die Beziehung eingeschlichen hat, hat jedenfalls einen Grund: Im Februar lud die CDU-Vorsitzende zum Werkstattgespräch über die Flüchtlingspolitik Merkels ein, um sich aus dem Schatten der Kanzlerin zu lösen.

Das hat Merkel ihr übel genommen. Außerdem soll Kramp-Karrenbauer anlässlich der Klausurtagung, die sie Anfang Juni nach der vergeigten Europawahl auf die Tagesordnung gesetzt hatte, versucht haben, einen raschen Wechsel im Kanzleramt herbeizuführen. Bekanntermaßen ohne Erfolg.