Bundeswehreinsatz: Hauptfeldwebel Sabine Kutz aus Würselen war mit der Bundeswehr in Mali

Bundeswehreinsatz : Hauptfeldwebel Sabine Kutz aus Würselen war mit der Bundeswehr in Mali

Für Sicherheit sorgen in einem Staat, der zu zerfallen droht: Die Bundesregierung will, dass deutsche Soldaten ihren Einsatz fortsetzen. Sabine Kutz aus Würselen beschreibt die Lage.

Schwere Ausrüstung, glühende Hitze und eine äußerst angespannte Sicherheitslage: Unter diesen Umständen hat Sabine Kutz aus Würselen mit ihren Kameraden der Kampfmittel­abwehrtruppe der Bundeswehr ein halbes Jahr in Mali verbracht. Dort gehörte sie der Trainingsmission der Europäischen Union (EUTM) an, die nicht nur Malis Sicherheitskräfte ausbildet, sondern auch für die Sicherheit der UN-Blauhelme Sorge trägt. Seit November hat Deutschland den Vorsitz dieser Mission übernommen. Ihr Ziel: Die Quadratur des Kreises – für Sicherheit sorgen in einem Staat, der zu zerfallen droht.

Auch an der 15.000 Mann starken Multidimensionalen Integrierten Stabilisierungsmission (Minusma) der UN beteiligt sich die Bundeswehr mit 900 Soldaten. Es ist ihr größter und zugleich gefährlichster Einsatz.191 tote Blauhelme sind seit Missionsbeginn 2013 zu beklagen. Eigentlich sollen sie die Einhaltung des Friedensvertrags von 2015 überwachen (siehe Infobox). Stattdessen werden sie immer wieder selbst Ziel von Angriffen.

Angriff auf das Camp in Koulikoro

Auch das EU-Camp in Koulikoro, rund 60 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernt, wurde im Februar Ziel eines Angriffs, zwei malische Soldaten wurden verletzt. Dass das Camp nach Angriffen wieder möglichst sicher ist, war auch Aufgabe von Hauptfeldwebel Sabine Kutz. Die gelernte Kfz-Mechanikerin war als eine von nur drei Frauen unter insgesamt 400 Kampfmittelabwehrfeldwebeln in Koulikoro stationiert. Ihre schnelle Eingreiftruppe soll das Lager sichern und Fundmunition und Blindgänger vernichten. Was nach einem eindeutigen Aufgabenbereich klingt, ist in der Praxis eine Herausforderung. „Man muss körperlich wie auch psychisch stark belastbar sein, immer bereit sein, sich die Hände schmutzig zu machen. Dann ist da noch die hohe Gefahr, in die man sich immer wieder begibt, und die Verantwortung, die man übernimmt“, sagt Kutz.

Seit 2007 ist sie bei der Bundeswehr. Dort wollte sie eigentlich Kampfpanzer reparieren, wurde dann aber von der Kampfmittelabwehr abgeworben, um die Feuerwerker der Bundeswehr in Munitionstechnik zu unterrichten. Doch ein Auslandseinsatz ist noch mal eine ganz andere Herausforderung.

„Dass sich die Bedrohung in einer Region, die bisher als relativ sicher galt, schnell ändern kann, mussten wir ja nun selbst erleben“, sagt sie mit Blick auf den Anschlag auf ihr Camp. „Wir arbeiten stark daran, die Lagersicherheit weiter zu verbessern“, sagt die Soldatin. Doch der Anschlag ging auch an ihr nicht spurlos vorbei. „Es war für mich das erste Mal, dass ich mein Wissen aus der Ausbildung in einer realen Bedrohungslage anwenden musste. Es ist beruhigend zu wissen, dass man selbst funktioniert und das gelernte abrufen kann.“ Um mit der Gefahr vor Ort umgehen zu können, helfe besonders der Zusammenhalt in der Truppe. „Jeder achtet hier auf den anderen, wir kümmern uns umeinander.“

Vorfreude und Wehmut

Der Einsatz hat sie verändert. Die Vorfreude auf ihre Rückkehr mischt sich mit Wehmut. „Als ich im September herkam, war die größte Herausforderung das französische Essen und das heiße Klima in Verbindung mit der schweren Ausrüstung. Jetzt mache ich mir Gedanken, wie man nach langer Zeit in Mali wieder in den Alltag zu Hause kommt. Ich lasse gute Kameraden zurück. Wir sind eng zusammengewachsen.“

Hauptfeldwebel Sabine Kutz durchsucht ein Fahrzeug. Die Bundeswehrsoldatin war bei der Mission der Europäischen Union in Mali bei der Kampfmittelabwehr tätig. Foto: Simon Hofmann

Fakt ist: Die Sicherheitslage vor Ort spitzt sich zu, obwohl UN und EU seit sechs Jahren vor Ort sind. Islamistische Terroristen in der Sahelzone und ethnische Konflikte in Zentralmali bedrohen die Stabilität des Landes und die Einhaltung des Friedensabkommens. Bewaffnete Gruppen verüben Massaker in Dörfern, Anschläge in Städten und greifen immer wieder einheimische und internationale Streitkräfte an. Die Zahl der Binnenvertriebenen hat sich seit 2018 auf 120.000 verdreifacht, die ethnischen Konflikte im vergangenen Jahr verstärkt. Mehr als drei Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, aber die Gewaltausbrüche erschweren den Helfern den Zugang zu großen Gebieten im Norden und Zentrum des Landes.

Entmutigen ließ sich Sabine Kutz davon nicht. „Ich konzentriere mich darauf, meinen Job so gut wie möglich zu machen. Die Lebensfreude der Menschen hier beeindruckt mich sehr. Was die Malier mir zurückgeben, ist unglaublich schön.“ Es gebe auch Entwicklungen, die ihr Hoffnung machen, dass Kinder in einigen Orten inzwischen wieder Zugang zu Schulbildung hätten, beispielsweise.

Trotzdem mahnt Außenminister Maas bei seinem Besuch vor Ort, die UN und Deutschland müssten einen „langen Atem“ haben. „Der Weg zu Frieden und Aussöhnung ist weit“, sagte er im März vor den Vereinten Nationen.

Antrag auf Verlängerung

Einen guten Monat später haben Sabine Kutz und ihre Kameraden wieder deutschen Boden unter den Füßen. „Nach einem halben Jahr in Afrika freue ich mich auf eine Woche an der Nordsee. Mit Partner und Hund steht dann erstmal Erholung an erster Stelle“, sagt sie.

Sabine Kutz aus Würselen (Mitte) mit ihren Kameraden im Austausch mit mit der Bevölkerung im malischen Koulikoro. Foto: Simon Hofmann

An ihre Stelle sind andere Soldaten getreten. Das Bundeskabinett hat die Verlängerung der EUTM-Mission bis Mai 2020 beschlossen, der Bundestag stimmt am 9. Mai namentlich darüber ab.

Die Bundesregierung will Mali möglichst schnell stabilisieren und damit auch Fluchtursachen bekämpfen, heißt es in dem Antrag der Regierung auf Verlängerung des deutschen Einsatzes. Denn zerfallende Staaten sind Rückzugsräume für Terroristen, begünstigen organisierte Kriminalität und Schleuseraktivitäten. Daher müsse die Bundeswehr die malischen Sicherheitskräfte weiter unterstützen.

Sabine Kutz wird bald in Aachen wieder im Hörsaal stehen und sich um die Grundlagenausbildung junger Soldaten kümmern. „Als Öcher Mädchen ist es für mich natürlich toll, in meiner Heimatstadt Aachen das tun zu können, was ich gerne mache – ausbilden.“

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