AKK und Spahn: Ein Machtkampf – aber nur für den Moment

AKK und Spahn : Ein Machtkampf – aber nur für den Moment

Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn stehen vor einem Duell um die Kanzlerkandidatur. Beim Deutschlandtag am Wochenende könnte es zur Kraftprobe in der Union kommen.

Beim Deutschlandtag der Jungen Union am Wochenende in Saarbrücken werden sie alle auflaufen: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, CSU-Parteichef Markus Söder, Gesundheitsminister Jens Spahn, auch Friedrich Merz will nicht zurückstecken und hat jetzt seine Teilnahme angekündigt. Selbstverständlich wird die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ebenfalls eine Rede halten. Es könnte bei dem Treffen zur Kraftprobe in der Union kommen. Wer hat das Zeug für höhere Weihen?

Im Moment richten sich die Blicke vor allem auf zwei der fünf Pro­tagonisten – auf Kramp-Karrenbauer und Spahn. Hinter den Kulissen ist von einem Duell die Rede. Es heißt, Spahn sei augenblicklich derjenige, der in Sachen K-Frage wohl die besten Karten habe, falls AKK weiter schwächele und sich aus dem Umfragetief und von der anhaltenden Skepsis in den eigenen Reihen nicht befreien könne. „Auch wenn ihm noch nicht die Herzen zufliegen“, wie ein Christdemokrat einschränkt.

Dem Vernehmen nach hat der Gesundheitsminister einen mächtigen Unterstützer. Er soll sich des Öfteren mit Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble austauschen. Dass AKK in dem 39-Jährigen gegenwärtig ihren stärksten Widersacher sieht, dafür gibt es keine klaren Belege. Aber hartnäckig hält sich in Berlin das Gerücht, die Saarländerin habe auch deshalb nach dem Verteidigungsministerium gegriffen, um Spahn zu verhindern.

Andererseits heißt es, die Kanzlerin habe nicht vorgehabt, Spahn das Amt anzutragen. Wie dem auch sei, als einen weiteren Anhaltspunkt für den Zweikampf wird nun angeführt, dass AKK den Gesundheitsminister während seiner Afrika-Reise einen Besuch der deutschen Soldaten in Mali verwehrt haben soll. Kramp-Karrenbauer wollte demnach nicht, dass Spahn vor ihrem Antrittsbesuch bei der Truppe dort vorstellig wird – was manch einer in Berlin für „verständlich“ hält.

Spahn scheint derzeit vieles richtig zu machen. Er konzentriert sich auf seinen Geschäftsbereich, über ein Dutzend Gesetze hat der Minister auf den Weg gebracht. Er bewahrt Ruhe, selbst bei einem Thema, mit dem er früher noch forsch die Hoheit über den Stammtischen suchte: Migration und Flüchtlinge. Seine Zurückhaltung in dieser Frage hat ihm bei den Konservativen nicht geschadet, nach wie vor gilt der Münsterländer als einer der ihren. Seine Stärke ist, dass er die Mühen der Ebene nicht scheut. Er diskutiert gerne. Das unterscheidet ihn von anderen in der Union, die Debatten lieber vermeiden wollen.

Es gibt sogar Unionsleute, die glauben, Spahn werde in einem Wahlkampf gegen Grünen-Chef Robert Habeck eine bessere Ausgangsposition haben als AKK – wegen der dann klaren Polarisierung. Vielen ist er jedoch noch zu jung. Das ist sein Problem. Kramp-Karrenbauer hat ihm einiges voraus. Sie war Ministerin und Ministerpräsidentin an der Saar; die 57-Jährige weiß, wie Wahlkampf geht – bürgernah ist sie allemal. AKK stoppte 2017 im Saarland den „Schulz-Zug“ der SPD und legte damit auch den Grundstein für den späteren Wahlsieg von Armin Laschet in NRW.

Wenn AKK wieder zu ihren Stärken zurückfinde, so ein Unionsmann, dann werde es besser für sie laufen. Gleichwohl ist sie anders als ihr Konkurrent wenig präzise, zugleich hängen ihr viele Pannen nach, weil sie das Berliner Parkett offenbar unterschätzt hat. Das ist ihr Problem. Eine Urwahl des Kanzlerkandidaten komme für sie nicht infrage, meinte sie jetzt. Die Union sei bisher „aus guten Gründen“ diesen Weg nicht gegangen. Doch genau darüber will der Parteinachwuchs beim Deutschlandtag abstimmen lassen. Ein Risiko für die Chefin.

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