Berufsbildungsbericht: Gute Zeiten für Schulabgänger

Berufsbildungsbericht : Gute Zeiten für Schulabgänger

Wer eine Lehrstelle sucht, kann sich freuen: Auch im Ausbildungsjahr 2017/18 überstieg die Zahl der Angebote wieder die der Bewerber. Allerdings bleiben auch immer mehr Lehrstellen unbesetzt. Das geht aus dem aktuellen Berufsbildungsbericht der Bundesregierung hervor. Nachfolgend die wichtigsten Erkenntnisse im Detail:

Wie ist die allgemeine Lage?

Die Lage sei „weiter gut“, kommentierte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) den Bericht. Demnach wurden 2018 rund 8.100 Ausbildungsverträge mehr abgeschlossen als 2017. Auch die Zahl der betrieblichen Lehrstellenangebote nahm zu. Insgesamt waren es 589.100 – knapp drei Prozent mehr als im Jahr davor. Rein rechnerisch standen 100 Ausbildungssuchenden 106 Ausbildungsangebote gegenüber. Allerdings ist auch die Zahl der unbesetzt gebliebenen Stellen auf 57.700 gestiegen – um fast 18 Prozent. 

Wo herrscht akuter Lehrlingsmangel?

Vor allem Fachverkäufer für Lebensmittel werden händeringend gesucht. Hier blieb 2018 nahezu jeder zweite Ausbildungsplatz (40,8 Prozent) unbesetzt. Ähnlich akut ist die Lage im Fleischer- und Klempnerhandwerk. Umgekehrt hat schlechte Karten, wer sich um eine Lehrstelle zum Beispiel als Tierpfleger oder Mediengestalter bewirbt. 46 beziehungsweise 44 Prozent der Interessenten gingen hier leer aus. Rund 24.500 junge Menschen konnten dann auch keinen Ausbildungsplatz finden.

Wie steht es um die schulische Vorbildung?

Viele Arbeitgeber klagen immer wieder über mangelnde Schulkenntnisse von Auszubildenden. Entsprechend gering sind offenbar auch ihre Erwartungen. So wurden bei mehr als der Hälfte der unbesetzten Lehrstellen lediglich ein Hauptschulabschluss vorausgesetzt und nur in zehn Prozent der Fälle ein Abitur. Tatsächlich hatten aber fast 28 Prozent der noch unversorgten Bewerber eine Studienberechtigung. Mehr als jeder Dritte verfügte über einen mittleren Schulabschluss. Und nur knapp 29 Prozent hatten lediglich einen Hauptschulabschluss in der Tasche. „Die schulischen Vorbildungen auf der Bewerberseite übertreffen die Mindesterwartungen der Betriebe demnach deutlich“, heißt es im Bericht.

Was sagt der Bericht über die Lage junger Flüchtlinge?

Insgesamt hat die Zahl der Menschen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss ein neues Rekordniveau erreicht. Ihre Zahl ist seit 2014 um etwa 240.000 auf 2,12 Millionen gestiegen. Ein „Großteil“ dieser Steigerung gehe auf junge Migranten zurück, erklärte Karliczek. Insgesamt hätten sie nach der Schule „seltener“ Interesse an der direkten Aufnahme einer Berufsausbildung. Die Quote der Ungelernten unter ihnen liegt bei 32 Prozent. Bei gleichaltrigen Deutschen ohne Migrationshintergrund sind es „nur“ 8,5 Prozent. Positiv wird vermerkt, dass ausländische Azubis, die in Deutschland um Asyl baten, überproportional häufig (50 Prozent) eine Lehre im Handwerk aufgenommen haben.

Was plant die Bildungsministerin?

Die wichtigste Herausforderung in den nächsten Jahren sieht Karliczek darin, Angebot und Nachfrage bei den Lehrstellen unter einen Hut zu bringen. Dazu beitragen soll die Einführung einer Mindestvergütung für Azubis. Gewerkschaften und Arbeitgeber hatten vorgeschlagen, im ersten Lehrjahr 515 Euro pro Monat zu zahlen, im zweiten 615 Euro und im dritten Lehrjahr 715 Euro. Karliczek will dieses Konzept übernehmen. Umstritten ist dagegen ihr Plan, akademische Grade wie den „Master“ künftig auch für normale Berufe zu verwenden, um die Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Ausbildung zu verdeutlichen. Kritiker sehen darin eine Verwechslungsgefahr und fürchten um den Verlust klassischer Berufsbezeichnungen.

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