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Armin Laschet berät sich beim Corona-Gipfel mit der Kanzlerin

Coronavirus in NRW : Kein NRW-Sonderweg aus der Corona-Krise, aber Eile für Schulbetrieb

Wie geht es weiter in der Corona-Krise? In NRW stieg der Zahl der nachgewiesenen Infektionen auch am Mittwoch. Währenddessen ist NRW bei möglichen Corona-Lockerungen vorgeprescht. Am Mittwoch gab es eine bundesweite Einigung.

Innerhalb eines Tages sind 451 nachgewiesene Corona-Infektionen in Nordrhein-Westfalen hinzugekommen. Somit stieg die Zahl der durch das NRW-Gesundheitsministerium bestätigten Fälle am Mittwoch auf 27.657. Seit Dienstag kamen zudem 47 Todesfälle von Infizierten dazu, insgesamt sind damit im einwohnerstärksten Bundesland 708 Todesfälle seit Beginn der Corona-Pandemie verzeichnet worden. Derweil stieg auch die Zahl der Genesenen: Am Mittwoch kamen 819 dazu, in der Statistik gab es somit 14.686 Genesene.

Das NRW-Gesundheitsministerium listete neben den eigenen Zahlen auch die Daten der Infizierten auf, die das Robert Koch-Institut (RKI) bestätigte. Dieses zählte in NRW rund 1600 Infektionsfälle weniger als das Ministerium. Die Abweichung bestehe wegen der „unterschiedlich langen Meldewege“, hieß es. Um die Zahlen zwischen den Bundesländern korrekt vergleichen zu können, würden ab dem kommenden Montag nur noch die Zahlen des RKI veröffentlicht.

Zudem berichtete das NRW-Gesundheitsministerium, wie es um die Belegung der Intensivbetten steht. Insgesamt gab es in nordrhein-westfälischen Krankenhäusern am Mittwoch 7779 Intensivbetten, von diesen wurden 4875 genutzt. Auf Intensivstationen war den Angaben zufolge etwa einer von sieben Patienten mit dem Coronavirus infiziert. Insgesamt handelte es sich um 677 Patienten in intensiv-medizinischer Behandlung. Rund 80 Prozent dieser Fälle wurden beatmet.

Die für die Berechnung der Dynamik der Corona-Krise wichtige Verdoppelung der Infektionszahlen verlangsamt sich in NRW indes weiter. Stand Dienstag betrug der Zeitraum 16 Tage, wie das Gesundheitsministerium berichtete.

In den vollstationären Pflegeheimen waren 1177 Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Insgesamt starben bislang den Angaben zufolge 247 Bewohner, die sich infiziert hatten. „Ob die Corona-Infektion ursächlich für den Tod war, lässt sich insbesondere bei Menschen mit einer oder mehreren Vorerkrankungen in der Regel nicht eindeutig feststellen“, so das NRW-Gesundheitsministerium. Stand Mittwoch waren 918 Mitarbeiter in stationären Pflegeheimen mit dem Coronavirus infiziert.

Mit Spannung wurde am Mittwochnachmittag eine Erklärung von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nach den Gesprächen mit den Länderchefs und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern nach dem Willen des Bundes unter anderem mit Hygieneauflagen wieder öffnen sollen, die Kontaktbeschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie aber verlängert werden.

Großveranstaltungen sollen bis zum 31. August grundsätzlich untersagt werden - auch Fußballspiele wären davon betroffen. Darauf einigten sich die Ministerpräsidenten der Länder und Kanzlerin Merkel nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch bei der Schaltkonferenz. Konkrete Regelungen, etwa zur Größe der Veranstaltungen, sollen durch die Länder getroffen werden.

Unabhängig von der Verkaufsfläche sollen nach der Beschlussvorlage des Corona-Kabinetts Kfz-Händler, Fahrradhändler und Buchhandlungen wieder öffnen. Unter gleichen Auflagen sollten auch Kultureinrichtungen wie Bibliotheken und Archive sowie zoologische und botanische Gärten wieder öffnen können. Unter jenen Dienstleistungsbetrieben, bei denen körperliche Nähe unabdingbar sei, „sollen sich zunächst Friseurbetriebe darauf vorbereiten“, unter bestimmten Auflagen sowie „unter Nutzung von persönlicher Schutzausrüstung den Betrieb am 4. Mai wieder aufzunehmen“. Restaurants, Bars und Kneipen sollen wie bisher grundsätzlich geschlossen bleiben.

Vorher hatte NRW schon seine Absichten für Kitas und Schulen deutlich gemacht: Die Schulen in NRW sollen nach den Osterferien schrittweise wieder öffnen – zunächst für Schüler, die unmittelbar vor einem Abschluss stehen. Bei der Öffnung der Kitas wird es in Nordrhein-Westfalen keinen Sonderweg geben: Die Einrichtungen würden vorerst nicht geöffnet, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch nach einer Schaltkonferenz der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auf Volks- und Schützenfeste müssen die Menschen im Westen den Beschlüssen zufolge in diesem Sommer wohl weitgehend verzichten. Dafür will Laschet erreichen, dass bald wieder Gottesdienste gefeiert werden können.

Vor allem um die Öffnung der Schulen war in den vergangenen Tagen heftig gerungen worden. Geplant ist es nun so: „Nach einer Vorbereitungszeit für Schulleitungen, Lehrkräfte und anderes Personal ab dem 20. April 2020 sollen die Schulen wenige Tage später für die Schülerinnen und Schüler wieder öffnen, für die Abschlussprüfungen anstehen“, teilte das NRW-Schulministerium mit. Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) wolle an diesem Donnerstag den Schulausschuss des Landtags über Details informieren.

Bund und Länder hatten sich zuvor darauf geeinigt, dass es für die meisten Jahrgänge erst ab dem 4. Mai wieder Unterricht geben soll.

Ab dem 12. Mai sollen in NRW wie zuletzt geplant die Abiturprüfungen beginnen, bekräftigte Laschet. Zudem stehen demnächst die zentralen Prüfungen in Klasse 10 an. „Genau die Klassen sind es, die in der nächsten Woche wieder in den Unterricht gehen können“, sagte der Regierungschef. Zahlreiche Eltern- und Lehrerverbände sowie Gewerkschaften in NRW hatten zuletzt eine Absage der Abitur-Prüfungen gefordert.

Ab dem 4. Mai sollen dann auch Schüler, die im nächsten Jahr ihre Abschlussprüfungen haben, wieder in die Schulen gehen können. „Und die letzte Grundschulklasse ist nach dem gemeinem Text davon ebenfalls erfasst“, sagte Laschet. Die Wiederöffnung der Schulen in Deutschland im Mai soll „ganz behutsam“ vonstattengehen, hatte Merkel kurz zuvor gesagt.

Bei der Öffnung der Kitas geht Nordrhein-Westfalen nicht schneller voran als die anderen Bundesländer - sie werden vorerst nicht geöffnet. Die Notfallbetreuung werde aber auf weitere Berufsgruppen ausgedehnt. Welche das seien, werde nun analysiert, sagte Laschet. NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) hatte sich am Dienstag noch für eine schnellere Öffnung der Kitas im Land zumindest für die älteren Kinder ausgesprochen.

Durch ein Verbot von Großveranstaltungen bis mindestens 31. August werden viele Schützenfeste in NRW in diesem Sommer nicht stattfinden können. NRW habe auf eine entsprechende Regelung gedrungen, damit die Vereine Planungssicherheit hätten, sagte Laschet. In NRW sollte zum Beispiel ab dem 17. Juli die große Rheinkirmes der St. Sebastianus-Schützen starten, in Neuss ab dem 28. August das große Schützenfest. Die riesige Cranger Kirmes im Ruhrgebiet war bisher vom 6. bis 16. August geplant.

Laschet will sich aber dafür stark machen, dass Gottesdienste bald wieder stattfinden können. An diesem Donnerstag werde er mit Vertretern verschiedener Religionen aus NRW dazu besprechen, kündigte der Ministerpräsident an.

Aus Sicht der SPD-Opposition ist die schwarz-gelbe Landesregierung im Vorfeld mit ihrem Exit-Kurs zu weit und eigenmächtig vorgeprescht. Die Ergebnisse könnten „nur als Laschets Bauchlandung verstanden werden“, sagte SPD-Landeschef Sebastian Hartmann der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

(dpa)