Aachen: Der lange Streit um Donum Vitae soll begraben werden

Aachen : Der lange Streit um Donum Vitae soll begraben werden

Dieser Streit hat einen Keil in die deutsche katholische Kirche getrieben, eine Wunde geschlagen, die geschmerzt hat und immer noch schmerzt. Aber nun ist dieser Streit „wesentlich gemildert, wenn nicht sogar gelöst“, sagt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. Es geht um Donum Vitae (Geschenk des Lebens), jenen Verein, der Menschen in Schwangerschaftskonflikten berät, und 1999/2000 maßgeblich von katholischen Laien gegründet wurde, weil ihre Kirche sich aus der staatlich geregelten Beratung zurückzog.

Ende der 90er Jahre wurden die deutschen Bischöfe vom damaligen Papst Johannes Paul II. — auf maßgebliches Betreiben der Kardinäle Joseph Ratzinger (Glaubenskongregation) und Joachim Meisner (Köln) — gezwungen, die Mitwirkung in der gesetzlich vorgeschriebenen Schwangerschaftskonfliktberatung einzustellen.

Denn die schriftliche Beratungsbestätigung ist bis heute die Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung. Die Bischofskonferenz war damals in dieser Frage gespalten; 13 von 27 Oberhirten plädierten 1999 gegenüber dem Papst in Rom gegen einen Ausstieg. Trotzdem mussten sich alle schließlich dem Willen des Pontifex‘ beugen.

Donum Vitae hingegen will seit seiner Gründung jede Chance nutzen, ungeborenes Leben zu retten, tut deshalb das, was der Kirche offiziell verboten wurde, und musste sich darum heftigste Vorwürfe aus dem Vatikan und von einzelnen Bischöfen anhören. Das führte 2006 sogar dazu, dass die Bischöfe im sogenannten Ausgrenzungsbeschluss kirchlichen Mitarbeitern ein Engagement bei Donum Vitae verboten, weil der Verein außerhalb der Kirche stehe. Kirchliche Beratungsstellen durften demnach auch keine Mitarbeiter einstellen, die zuvor bei Donum Vitae gearbeitet hatten.

Konkret diese Bestimmung hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, nun in einem Brief an ZdK-Präsident Sternberg zurückgenommen sowie die Arbeit und die Erfolge von Donum Vitae ausdrücklich gewürdigt. Das Schreiben von Marx, das er nach einer Sitzung des Ständigen Rats aller Diözesanbischöfe Anfang der Woche geschrieben hat, stellt eine Kehrtwende dar.

Aachens Bischof Helmut Dieser unterstütze ausdrücklich die Position der Deutschen Bischofskonferenz im Umgang mit Donum Vitae, erklärte sein Sprecher, Stefan Wieland, gestern. Laut Dieser besteht kein Zweifel, dass das Ziel von Donum Vitae der Schutz des ungeborenen Lebens ist. In diesem Sinne betont der Bischof, dass frühere Donum-Vitae-Mitarbeiter in bischöflichen Beratungsstellen beschäftigt werden können und dort willkommen sind.

Maier, Waschbüsch, Glück

Die stellvertretende Vorsitzende von Donum Vitae für die Städteregion Aachen, Marianne Genenger-Stricker, sagte unserer Zeitung, sie sei froh über den Brief von Marx. „Wir freuen uns, dass die Arbeit von Donum Vitae nun so deutlich anerkannt wird.“ Donum Vitae habe Bischof Dieser schon kurz nach dessen Amtsantritt 2016 zum Gespräch eingeladen. „Wir hoffen, dass er das Angebot annimmt, zumal unser Verhältnis zum Bistum bisher wertschätzend und entspannt ist.“

Er sei über den Brief von Marx „natürlich nicht überrascht gewesen“, sagte Sternberg gestern unserer Zeitung. „Das kam nicht aus heiterem Himmel.“ Seit seinem Amtsantritt 2015 bemüht sich der ZdK-Präsident um Entspannung in diesem Konflikt. „Die katholischen Bischöfe und die Laien haben in der Frage des Lebensschutzes immer zusammengestanden; nur durch die Interpretation des Beratungsscheins kam es zu Misstönen“, sagt er.

Sternberg setzt nach der Stellungnahme der Bischofskonferenz auf ein neues Miteinander, ohne dass alte Wunden wieder aufreißen. Donum Vitae, in dem auch evangelische Christen engagiert sind, sei „kein katholischer Verein und wird es auch nicht“. Ausdrücklich würdigt Sternberg das Engagement seiner Amtsvorgänger Rita Waschbüsch und Alois Glück für Donum Vitae.

Hans Maier, früherer bayerischer Kultusminister und Waschbüschs Vorgänger als ZdK-Präsident, durfte 2011 seine Autobiografie nicht in kirchlichen Räumen im Bistum Regensburg vorstellen; der damalige Bischof Gerhard Ludwig Müller begründete das mit Maiers Einsatz für Donum Vitae. Die Äußerungen von Marx nannte Maier gestern einen Meilenstein.

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