1. Politik

Bei den Republikanern wächst der Widerstand gegen den US-Präsidenten

Das „Lincoln Projekt“ : Die „Niemals Trump“-Bewegung

Republikaner, die sich bei seiner Wahl gegen Trump stellten, spielten im Wahlkampf vor vier Jahren keine Rolle. Das hat sich geändert. Diesmal gehen sie mit TV-Werbung gegen ihn vor.

Das vor einem halben Jahr aus der Taufe gehobene „Lincoln Projekt“ versteht sich auf politischen Nahkampf. Zielsicher reserviert es bei Donald Trumps Haussender Fox regelmäßig Werbeblöcke zur besten Sendezeit.

Damit ist so gut wie garantiert, dass Trump auch die TV-Beiträge sieht, die ihn frontal, brutal und persönlich angehen. Der Durchbruch gelang dem „Lincoln Projekt“ mit dem 60 Sekunden langen Clip „Mourning in America“ („Trauern in Amerika“), der mit dem Versagen des Präsidenten in der Corona-Krise abrechnet.

„Es herrscht Trauer in Amerika“, sagt der Sprecher mit düsterer Stimme über Bildern zerfallener Fabriken und Menschen, die mit Masken auf Covid-19-Tests warten. Er listet die Toten auf, die Arbeitslosen und die Milliardenhilfen für die Wall Street. Zum Finale heißt es: „Wenn wir vier mehr Jahre wie diese haben, wird es dann noch ein Amerika geben?“

Anspielung auf Ronal Reagan

Der Clip nimmt direkten Bezug auf einen der berühmtesten Fernsehspots in der Geschichte der US-Wahlkämpfe. Ronald Reagan warb in „Morning in America“ mit idyllischen Aufnahmen vom Tagesanbruch für seine Wiederwahl.

Inhalt und Platzierung des Spots verraten, das die Macher Profis sind. Aber keine in den Diensten Joe Bidens oder der Demokraten, sondern Republikaner, die es für ihre Aufgabe halten, bei den Präsidentschaftswahlen im November die Zukunft ihres Landes vor den Erfolg ihrer Partei zu stellen.

„Wenn Trump unter die Gürtellinie geht, tritt das „Lincoln Projekt“ ihm zwischen die Beine“, beschreibt Kurt Bardella die Strategie des Netzwerks republikanischer Partei-Rebellen. Diesem haben sich renommierte Wahlkampfstrategen wie Rick Wilson, Steve Schmidt und Stuart Stevens angeschlossen, die der „Niemals-Trump“-Bewegung diesmal Muskeln verleihen wollen. „Was funktioniert, ist, was ihm direkt in den Kopf steigt“, sagt Bardella.

Ein Indikator dafür sind die Wutausbrüche, denen Trump auf Twitter nach dem ausgestrahlten Beitrag „Mourning in America“ freien Lauf lässt. Allein auf Youtube riefen Interessierte den Clip anschließend mehr als drei Millionen mal auf.

Dem „Lincoln Projekt“ fließen inzwischen Millionensummen an Spenden zu, die in den kommenden vier Monaten des Wahlkampfs eine Fülle von Trump-kritischen Spots aus dem eigenen Lager garantieren. Weniger kämpferisch, aber nicht minder effektiv arbeiten die „Republican Voters Against Trump“ („Republikanische Wähler gegen Trump“).

Die „Never-Trumpers“

Dabei handelt es sich um „Never-Trumpers“ (die „Niemals Trump“-Bewegung) wie Sara Longwell, Bill Bristol und Mike Murphy, die aus dem Umfeld des verstorbenen Senators John McCain stammen. Sie haben inzwischen mehr als 400 persönliche Videostatements von Republikanern gesammelt, die darin die Botschaft verbreiten, es sei „OK“, sich 2016 vertan zu haben.

Vergangene Woche hob zudem eine Gruppe ehemaliger Mitarbeiter der Regierung von George W. Bush ein politisches Aktionskomitee aus der Taufe, das direkt zur Wahl des wahrscheinlichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden aufruft.

Experten warnen derweil angesichts der anhaltend breiten Unterstützung Trumps in der eigenen Partei davor, die Wirkung dieser Gruppen zu überschätzen. Aber sie könnten dem Präsidenten ein paar entscheidende Punkte kosten.