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Düsseldorf: Auch NRW stellt „Turbo-Abitur” auf den Prüfstand

Düsseldorf : Auch NRW stellt „Turbo-Abitur” auf den Prüfstand

Jetzt stellt auch die nordrhein-westfälische Landesregierung das „Turbo-Abitur” noch einmal auf den Prüfstand. Angesichts der Entwicklungen in anderen Bundesländern will sie sich vergewissern, ob die Verkürzung auf acht Jahre Gymnasium (G8) noch gesellschaftlicher Konsens ist.

Zur Klärung lade Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) Vertreter aus Schule, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu einem Runden Tisch ein, kündigte die Staatskanzlei am Freitag in Düsseldorf an.

In NRW war die Schulzeitverkürzung von neun auf acht Jahre bis zum Abitur 2005 eingeführt worden. Dafür sollte Unterrichtsstoff gestrafft werden. Ob und wie das umgesetzt wurde, wird jetzt geprüft.

Bislang haben die Lehrer- und Elternverbände in NRW Einigkeit mit der Schulministerin gezeigt, dass G8 verbessert statt abgeschafft werden sollte. Auch der Vizevorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Klaus Kaiser, bekräftigte am Freitag, das Schulsystem brauche nun „Ruhe und keine neuen Reformen”. Damit steht auch die größte Oppositionsfraktion weiter zur Schulzeitverkürzung. „Jetzt zu G9 zurückzukehren, würde wieder mehrere Jahre der Umstellung und Neuorganisation an unseren Gymnasien bedeuten”, warnte Kaiser.

Das Gesetz zum „Turbo-Abitur” war Anfang 2005 im Landtag mit rot-grüner Mehrheit verabschiedet worden. Umgesetzt wurde die Schulzeitverkürzung nach dem Regierungswechsel im Mai 2010 dann aber mit einem Konzept von CDU und FDP. Anders als von Rot-Grün geplant, verdichteten sie den Unterricht nicht in der Oberstufe, sondern in der Sekundarstufe I. Viele sehen die Schüler in dieser Phase überfordert.

Laut einer Freitag veröffentlichten Umfrage im Auftrag des WDR sprechen sich 63 Prozent der Bürger in NRW für G9 aus. 28 Prozent sind der Meinung, dass es bei acht Jahren bleiben soll. Neun Prozent äußerten sich nicht oder erklärten, das Thema sei ihnen egal. Der Sender hatte das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap mit der repräsentativen Umfrage beauftragt.

(dpa)