Aachen: Anfang März werden in der Region wieder neue Betriebsräte gewählt

Aachen : Anfang März werden in der Region wieder neue Betriebsräte gewählt

Das überrascht dann doch. Weder die Bundestagswahl, noch die NRW-Landtagswahl und schon gar nicht die Europawahl verzeichneten in der jüngeren Vergangenheit die höchste Wahlbeteiligung. Den stärksten Zulauf hatten die Betriebsratswahl 2014. Rund 77 Prozent der stimmberechtigten Arbeitnehmer gaben damals ihr Votum ab.

Vom 1. März bis zum 31. Mai werden nun erneut in mehreren hundert Betrieben der Region die Beschäftigten an die Wahlurnen gerufen. Ralf Woelk, Geschäftsführer des DGB im Raum Aachen/Düren, hofft auf eine ähnlich hohe Beteiligung wie vor vier Jahren.

Für manche Arbeitgeber sind Betriebsräte immer noch ein rotes Tuch. Woelk kann das nicht nachvollziehen. „Die betriebliche Mitbestimmung ist eine Säule unserer Demokratie“, betont der Gewerkschafter. Beide Seiten — Arbeitnehmer und Arbeitgeber — würden davon profitieren. Woelk unterstreicht: „Studien haben ergeben, dass es in Betrieben mit einer starken Arbeitnehmervertretung nicht nur bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne gibt. Auch die Motivation der Beschäftigten ist dort größer. Die Unternehmen sind zudem innovativer und damit in Krisenzeiten widerstandsfähiger.“

Letzteres liege auch daran, dass sich Betriebsräte sehr stark beim Thema Weiterbildung engagierten. Gerade in diesem Bereich sei angesichts der anstehenden Digitalisierung vieler Arbeitsfelder ein produktives Zusammenspiel der Arbeitgeber und Arbeitnehmer von wachsender Bedeutung.

Ähnlich sieht es Stefan Roebrocks. Er ist Betriebsratsvorsitzender der ASEAG und vertritt die Interessen von rund 780 Kollegen, darunter knapp 500 Busfahrer. Derzeit klagt sein Unternehmen zwar über einen Fachkräftemangel im Fahrdienst. Doch das könnte sich bald ändern. „Das Thema autonomes Fahren ist für unser Unternehmen natürlich eine große Herausforderung“, sagt Roebrocks. Die ASEAG stehe vor den Fragen: Braucht es in der Zukunft noch Busfahrer? Wie viel Servicepersonal ist künftig notwendig und welche konkreten Aufgaben hat es? In welchen Bereichen kann das Unternehmen jungen Menschen eine Zukunftsperspektive bieten? Gemeinsam mit der Unternehmensführung suche der Betriebsrat darauf Antworten, bei denen die Belange der Beschäftigten nicht unter die Räder kommen.

„Viele trauen sich nicht“

Dass sich die Bedürfnisse gerade jüngerer Arbeitnehmer geändert haben, konnte Elisabeth Lange beobachten. Die freigestellte Betriebsrätin beim Ford Research and Innovation Center Aachen sagt: „Unsere Kollegen wollen weiterhin gutes Geld verdienen. Aber sie sind nicht mehr darauf fixiert Karriere zu machen, sondern wollen ein gutes Leben führen.“ Deshalb stehe neben der Weiterbildung vor allem das Thema Flexibilisierung der Arbeitszeit oben auf der Agenda ihres Betriebsrates. „Dabei achten wir natürlich darauf, dass neue Arbeitszeitmodelle die 250 Beschäftigten unseres Unternehmens nicht überfordern.“

Für David Monjau, seit November 2017 Sekretär der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten im Raum Aachen, geht es hingegen weiterhin in erster Linie um klassische Probleme der Arbeitnehmervertretungen. „Unsere Betriebsräte kümmern sich vor allem darum, dass Arbeits- und Pausenzeiten eingehalten werden.“ Doch Monjaus Branche ist stark von kleinen Betrieben dominiert. Viele von ihnen haben keinen Betriebsrat. Selbst in den großen Bäckereiketten mit Dutzenden Filialen fehlen laut Monjau überall Mitarbeitervertretungen. „Weil viele der Beschäftigten eng mit ihren Chefs zusammenarbeiten, trauen sie sich nicht den Mund aufzumachen“, sagt der Gewerkschafter. Umso wichtiger seien Betriebsräte.

Monjau betonte deshalb: „Schon ab fünf Mitarbeiter darf in einem Betrieb eine Arbeitnehmervertretung gegründet werden.“ Wer dabei Hilfe brauche, solle sich an die Gewerkschaft wenden. „Wir stehen den Kollegen mit Rat und Tat zur Seite“, verspricht Monjau.

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