Hannover: AfD wählt Meuthen und Gauland zur Doppelspitze

Hannover : AfD wählt Meuthen und Gauland zur Doppelspitze

Die AfD hat auf ihrem Parteitag in Hannover den Europaabgeordneten Jörg Meuthen und Bundestags-Fraktionschef Alexander Gauland zu ihren Vorsitzenden gewählt - und ist damit noch ein Stück weiter nach rechts gerückt.

Dem Spitzenduo gehört jetzt kein Vertreter des realpolitischen Kurses mehr an, für den einst die inzwischen ausgetretene Parteichefin Frauke Petry stand.

Doris von Sayn-Wittgenstein zog ihre Kandidatur zurück. Foto: Julian Stratenschulte

In einem turbulenten Macht- und Richtungskampf scheiterte am Samstag der als vergleichsweise gemäßigt geltende Berliner Landeschef Georg Pazderski bei der Kandidatur für den Vorsitz. Er wurde später zum ersten Stellvertreter gewählt.

Auch Georg Pazderski zog seine Bewerbung zurück. Foto: Hauke-Christian Dittrich

Gauland war im dritten Wahlgang für den Co-Vorsitz neben Meuthen als einziger Kandidat angetreten. Er erhielt 68 Prozent der Stimmen. Zuvor waren zwei Wahlgänge ohne Ergebnis geblieben, weil weder Pazderski noch seine überraschend angetretene Gegenkandidatin, die schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein, eine ausreichende Mehrheit bekamen.

Polizisten lösen beim AfD-Parteitag in Hannover Blockaden von Gegendemonstranten auf. Foto: Peter Steffen

Der Parteitag wurde daraufhin für weitere Beratungen unterbrochen. Sayn-Wittgenstein und dann auch Pazderski zogen ihre Kandidatur zurück - und Gauland trat an. „Ich habe mich in die Pflicht nehmen lassen”, sagte der 76-Jährige später. Er habe die Wahl nicht angestrebt. Die Partei sei aber wegen des Patts bei den vorangegangenen Abstimmungen in einer gefährlichen Situation gewesen.

Polizeischutz für den Bundesparteitag der AfD in Hannover. Foto: Peter Steffen

Gauland und Meuthen kündigten an, die AfD zusammenhalten zu wollen. Meuthen sagte, der Ausgang der Wahl sei so nicht erwartet worden; es sei aber ein „gutes und ehrliches Ergebnis”. Die AfD sei nicht gespalten. Es sei völlig normal, dass es unterschiedliche Flügel gebe.

Jörg Meuthen, AfD-Bundesvorsitzender, bei seiner Rede im HCC Hannover Congress Centrum in Hannover. Foto: Julian Stratenschulte

Zuvor hatte Meuthen ohne Gegenkandidaten 72 Prozent der Stimmen erhalten. 24 Prozent stimmten gegen ihn. Der 56-Jährige ist bereits seit 2015 einer der Vorsitzenden der AfD, zunächst amtierte er zusammen mit Petry, die nach der Bundestagswahl die Partei verlassen hat. Er hat trotz seines wirtschaftsliberalen Hintergrundes viele Unterstützer aus dem rechtsnationalen Flügel um den Thüringer Landeschef Björn Höcke.

AfD-Kraktionschef Alexander Gauland beim Bundesparteitag im leichten Dunst einer Nebelmaschine hinter die Bühne. Foto: Julian Stratenschulte

Die Neuwahl der Führung steht im Mittelpunkt des zweitägigen Delegiertenparteitages, der von Demonstrationen und Protesten begleitet wurde. Rund 6500 AfD-Gegner demonstrierten nach Polizeiangaben im Stadtzentrum. Ihre Kundgebung stand unter dem Motto „Unser Hannover - bunt und solidarisch! - Protest gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus”.

Mit Wasserwerfern räumt die Polizei in Hannover eine von Anti-AfD-Demonstranten besetzte Straße. In der niedersächsischen Landeshauptstadt findet der Bundesparteitag der Alternative für Deutschland statt. Foto: Peter Steffen

Zuvor waren bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei mehrere Polizisten und mindestens ein Demonstrant verletzt worden. Auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk sagte, er sei von Demonstranten an der Hand verletzt worden. Um Blockaden aufzulösen, setzte die Polizei einen Wasserwerfer ein.

Demonstranten und Polizeibeamte rangeln in Hannover vor Beginn des AfD-Bundesparteitags. Foto: Peter Steffen

Zum Auftakt des Parteitags rief Meuthen die Delegierten zu einer „patriotischen Politik für Deutschland” auf. „Wir sind die einzigen in diesem Land, die das tun”, sagte er und warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) „politisches Zentralversagen” vor. Nach dem Einzug der AfD in den Bundestag als drittstärkste Kraft gehe es der Partei jetzt „nicht um die Futtertöpfe, sondern um unser Land”.

AfD-Gegner demonstrieren in Hannover gegen den Bundesparteitag. Foto: Peter Steffen
(dpa)
Mehr von Aachener Nachrichten