Kunstgeschichte(n): Plastische Perspektiven (nicht nur) für Musiker

Kunstgeschichte(n) : Plastische Perspektiven (nicht nur) für Musiker

Im Rahmen unserer regelmäßigen Kulturtour erzählen wir heute unter anderem die besondere Geschichte eines Theaterstuhls und von einem Kranich, der zum Botschafter der Schöpfung wird.

In der Musikhochschule am Theaterplatz 16 hat mit Bildern und Objekten des 85-jährigen Künstlers Franz Buchholz aus Aachen ein Pionier der Moderne, bekannt für seine technischen Objekte, Einzug gehalten. Bis Ende September und danach in den Semesterferien sind seine Werke sowie eine Skulptur im Foyer zu sehen. Bilder und Objekte von Tochter Susanne Jägersberg bieten den Blick auf die nächste Generation.

Treibende Kraft ist Professor Hans-Werner Huppertz, Geschäftsführender Direktor der Hochschule. „Es ist mehr als Dekoration, unsere Studierenden erhalten Anregungen, vielleicht neue Perspektiven durch diese Kunst“, betont Huppertz. In Bildern durchläuft man sämtliche Entwicklungsphasen des Künstlers seit Ende der 60er Jahre mit Prismascheiben, die sich drehen lassen, kunstvoll zusammengesetzten Technikelementen, die einst in Geräten verborgen waren, aber nun wie Wellen über die Bilder tanzen, und mehr.

Abgerundet wird die Schau durch Werke von Susanne Jägersberg – abstrakte Fotoarbeiten und liebevoll-mystisch gestaltete kleine Skulpturen. Ein Highlight im Eingangsbereich wird in Zukunft ein besonderes Objekt sein: der Theaterstuhl Nr. 25, rotes Polster, etwas abgewetzt – vor allem aber eine Erinnerung an Cornell Buchholz. Der Vater des Künstlers, im Zweiten Weltkrieg verschollen, hat von 1924 bis 1944 als Bibliothekar im Stadttheater gearbeitet und hinterließ als großer Verehrer der Oper zahlreiche Fotos mit Widmungen prominenter Sängerinnen und Sänger. Der Stuhl, den Sohn Franz einst erwarb, wurde zum lebendigen Erinnerungsstück, denn Franz Buchholz hat darin mit modernster Technik Fotografien und Tonaufnahmen zu einem klingenden Spektrum verbunden, das jeder „aufleben“ lassen kann.

 Kunst und Technik im spannenden Wechselspiel: Der Aachener Künstler Franz Buchholz (rechts) präsentiert seine Werke auf Einladung von Hans-Werner Huppertz, Direktor der Musikhochschule, im Haus an der Theaterstraße.
Kunst und Technik im spannenden Wechselspiel: Der Aachener Künstler Franz Buchholz (rechts) präsentiert seine Werke auf Einladung von Hans-Werner Huppertz, Direktor der Musikhochschule, im Haus an der Theaterstraße. Foto: dmp Press/Ralf Roeger

Mit Blick durch die Fensterfront auf das Theater wird der klingende Theaterstuhl bald im Foyer der Hochschule stehen. Geöffnet ist die Schau bis Mitte September während des Semesters montags bis freitags 8 bis 21.30 Uhr, während der Semesterfeien bis 19.30 Uhr. www.franz-buchholz.de.

Wenn Inge Loisch (75) ihre bunt gesprenkelte Malschürze über die flotte Garderobe zieht, wissen selbst die kleinsten Besucher: Jetzt wird es spannend. Die ehemalige Schulpsychologin zeigt noch bis 14. August im lichtdurchfluteten Kreuzgang der Genezareth-Kirche, Vaalser Straße 349, ihre Ausstellung zum Thema „Schöpfung bewahren“.

„Als wir planten, habe ich die Bibel zur Hand genommen und die Schöpfungsgeschichte gelesen“, erinnert sie sich. „Da wurde mir klar, dass meine Bilder schon immer davon erzählen.“ In den Motiv-Gruppen gibt es kleine Text-Anregungen zu den Schöpfungstagen, zum Geheimnis und zur Vielfalt der Schöpfung, wie sie selbst betont. „Kunst und Musik führen bei uns die Menschen zusammen, sorgen für ungezwungene Kommunikation“, erläutert Ulrike Overs, die zusammen mit Pfarrer Mario Meyer das Kulturprogramm gestaltet.

So kann es sein, dass Senioren im Foyer einen Kaffee trinken, während Inge Loisch eine brennend interessierte Kindergruppe um sich versammelt: Was bedroht die Schöpfung, was gehört dazu, wo leidet die Natur und welche Rolle spielt der Mensch? Das hat sie alles malerisch umgesetzt. Gleichzeitig lädt die Malerin zum Ausflug ins All, legt eine warme Sonne in die wirbelnde Bahn der Gestirne, fliegt mit dem Kranich über makellos blauen Himmel und bietet Eindrücke, die den Blick unter Wasser ziehen. Eine lebendige Hommage für die Schöpfung. www.inge-loisch.de, www.evangelisch-in-aachen.de/

Ergebnisse einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit zeigen Susanne Patzke (Aachen) und Nadja Jander (Bonn) im Kulturraum Raststätte, Lothringerstraße 23, am 8. Juli (Vernissage 19 Uhr), 9. Juli (13 bis 18 Uhr), und 10. Juli (11 bis 18 Uhr). Im Rahmen eines NRW-Stipendiums haben sie seit November 2020 an jedem ersten Tag eines Monats einen für sie wichtigen Satz aus einem Buch oder aus der Zeitung ausgetauscht. Während des Monats wurden dann daraus zwei Bilder, die Worte und Sätze ohne Anspruch auf Literaturhinweise und Autorenschaft aufsteigen lassen. Zur Ausstellung gibt es einen Katalog. www.getrenntzusammen.eu.