Städteregion: Pflege: Der Bedarf an professioneller Hilfe steigt

Städteregion: Pflege: Der Bedarf an professioneller Hilfe steigt

Alle zwei Jahre muss die Städteregion ihre kommunale Pflegeplanung auf den neuesten Stand bringen und berechnen, wie sich der Bedarf an Heimplätzen für Pflegebedürftige, Tages- und Kurzzeitpflegeplätze zwischen Aachen und Monschau in den kommenden Jahren entwickeln wird. Kein einfaches Unterfangen.

Denn es ist schwierig vorherzusehen, wie sich rechtliche, medizinische und auch gesellschaftliche Veränderungen auf den Pflegebereich auswirken werden.

Bei ihren Prognosen stützen sich die Fachleute deshalb vor allem auf vorhandene Daten — bei der aktuellen Planung sind dies die Zahlen der Pflegestatistik vom Jahresende 2015 — und schreiben diese fort. Wobei Antje Rüter vom städteregionalen Amt für Inklusion und Sozialplanung bereits absehbare Änderungen in ihre Analyse einbezieht. Beispielsweise hat sie berücksichtigt, dass die Heime ab Juli 2018 eine Einzelzimmerquote von 80 Prozent aufweisen müssen.

Antje Rüter weist in ihrer gut 100 Seiten starken Pflegeplanung auch darauf hin, dass sich beispielsweise ein rechnerisch ermittelter Bedarf an vollstationären Heimplätzen als falsch erweisen kann — etwa weil ein deutlich ausgeweitetes Angebot an Tagespflegeplätzen in einer Kommune Familien darin bestärkt, ihre pflegebedürftigen Angehörigen doch weiter zu Hause zu versorgen. In Würselen etwa ist das Tagespflegeangebot deutlich ausgeweitet worden, weshalb die Städteregion dort trotz rechnerisch fehlender Heimplätze erst einmal keinen Handlungsbedarf sieht (siehe Info-Box). Insgesamt wird es in der Städteregion Mitte des Jahres voraussichtlich 601 Tagespflegeplätze in 41 Einrichtungen geben — Ende 2015 waren es nur 322 Plätze in 24 Einrichtungen.

Die meisten leben zu Hause

Tatsächlich leben die weitaus meisten Pflegebedürftigen in der Städteregion nach wie vor in ihrer häuslichen Umgebung. Ende 2015 waren laut Pflegestatistik insgesamt 22.641 Frauen und Männer pflegebedürftig. 17 277 von ihnen — das entspricht 76,3 Prozent — wurden zu Hause versorgt, bei 4812 Personen waren ambulante Pflegedienste unterstützend im Einsatz. 5364 pflegebedürftige Menschen lebten Ende 2015 in einer stationären Einrichtung. „Deutlich erkennbar ist der Zusammenhang zwischen Grad der Pflegebedürftigkeit und Wahl der Versorgungsform“, schreibt Rüter in ihrem Bericht.

Das heißt: Je mehr Pflege ein Mensch braucht, desto häufiger wird professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Auch das Alter der Pflegebedürftigen spielt dabei eine Rolle. „Je älter die pflegebedürftige Person ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit der professionellen Versorgung“, schreibt Rüter. Solche statistischen Ergebnisse berücksichtigt sie so gut es geht bei der Berechnung künftiger Bedarfe.

Dazu gehört auch, die Demenzkranken im Blick zu haben, die zwar in ihrer Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt sind, aber noch keiner Pflegestufe zugeordnet sind. 1080 Männer und Frauen waren dies Ende 2015. Insgesamt waren damals geschätzt 10.100 Frauen und Männer in der Städteregion demenzkrank. Im Jahr 2020 werden es den Hochrechnungen zufolge 1000 Kranke mehr sein. Für das Jahr 2035 rechnet Rüter mit 13.900 Demenzkranken in der Städteregion, sofern es bis dahin nicht einen Durchbruch bei Therapie und Prävention gibt.

Gesellschaftliche Veränderungen

Rüter geht davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen, die zu Hause versorgt werden, bis Ende 2020 im Vergleich zu Ende 2015 um acht Prozent auf dann etwa 18.700 steigen wird und die Zahl derjenigen, die im Heim leben werden, um 10,6 Prozent auf bis zu 6000. Dass die Zuwachsrate im stationären Bereich über denen der häuslichen Versorgung liegt, hängt laut Rüter insbesondere mit gesellschaftlichen Veränderungen zusammen. Veränderte Familienformen, die steigende Frauenerwerbsquote, die zunehmende Zahl von Einpersonenhaushalten und die zunehmende berufliche Mobilität sind Faktoren, die es Angehörigen schwerer machen zu pflegen.

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