Hückelhoven: Peter-Jordan-Schule bald mit sozialpädagogischer Tagesgruppe

Hückelhoven: Peter-Jordan-Schule bald mit sozialpädagogischer Tagesgruppe

Die Schullandschaft in der Bundesrepublik ist in den vergangenen Monaten in Bewegung geraten wie in Jahrzehnten zuvor nicht; auch in den Kommunen im Kreis Heinsberg ist der Abschied vom starren dreigliedrigen System eingeläutet worden.

In Hückelhoven hat eine Gesamtschule die Arbeit aufgenommen, was nach außen hin natürlich ganz offiziell gefeiert wurde, eine neue Schulform braucht auch Darstellung.

Leiser, ohne Getöse, aber möglicherweise mit sehr viel mehr Tiefenwirkung wird in Hückelhoven unter dem Etikett „Inklusion” eine weitere Reform des Schulsystems in die Tat umgesetzt. „Jedes Kind ist besonders” ist ein Motto dieses pädagogischen Ansatzes, der auf der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung fußt.

Als ein neuer Baustein im Gesamtgefüge der „Inklusions-Pädagogik” wurde jetzt in den Anfang des Monats bezogenen, also nagelneuen Räumen der Peter-Jordan-Schule In der Schlee eine Sozialpädagogische Tagesgruppe eingerichtet. Sechs Kinder, bei denen die Erziehungsschwierigkeiten so stark ausgeprägt sind, dass sogar ein Verbleib in der Familie in Frage steht und damit die Einweisung in ein „Erziehungsheim” droht, werden künftig ein integrierter Teil des Kompetenzzentrums Förderschule sein.

„Die Sozialpädagogische Tagesgruppe ist ein letztes teilpädagogisches Angebot, um an einer Heimanweisung vorbeizukommen”, sagt Hans Hilgers, stellvertretender Leiter der Peter-Jordan-Schule. Anlaufstelle für die sechs Kinder, die künftig von 10 bis 17 Uhr speziell für sie und ihre „Bedürfnisse” eingerichtete Räume an seiner Schule beziehen und am Unterricht der Förderschule teilnehmen, oder aber der benachbarten Hauptschule den Unterricht besuchen, war bisher die Tagesstätten-Einrichtung der Caritas in Hilfarth.

Gottfried Küppers, Geschäftsführer des Caritasverbandes für den Kreis Heinsberg, hob bei der Unterzeichnung des Vertrages über die Kooperation mit der Peter-Jordan-Schule hervor, mit dem Projekt werde „weit über die heimische Region hinaus Neuland betreten”. Das sieht auch Hans-Leo Lowis, Leiter der Peter-Jordan-Schule so: „Die konzeptionelle Vereinigung oder bei uns hier in Hückelhoven sogar die Andockung einer Tagesgruppe als einer Einrichtung der Jugendhilfe an die Hauptschule und die Förderschule gibt es bisher noch so gut wie gar nicht.” Ziel ist die Umsetzung eines gemeinsamen pädagogischen Konzeptes am Lern- und Lebensort der Kinder - an der Schule.

Natürlich, sagt Hans Hilgers, müsse man das „konzeptionell erst noch erproben”. Was auch beinhaltet, dass man „kreativ neue Wege” ausprobieren müsse. Aber, und darauf legen beide Pädagogen großen Wert, „da öffnet sich auch für uns als Förderschule eine neue Tür mit neuen Aussichten”. Die Zusammenarbeit des Lehrerkollegiums mit den beiden Sozialpädagogen Christina Heinrichs und Alfons Waldhausen, die für die sechs Kinder der Tagesgruppe auch am neuen Standort die primären Bezugspersonen bleiben, wird kein Problem sein: „Im Gegenteil: Die Wege, die wir im Interesse der Kinder gehen müssen, werden für beide Seiten kürzer werden”, glaubt Hans Hilgers. Das gilt auch für die Arbeit mit den Eltern, die bei den besonders verhaltensauffälligen Kindern enorm wichtig ist. „Da werden die Lehrer oft allein gelassen”, sagt Hilgers. Deshalb ist es für ihn auch selbstverständlich, dass „die beiden Sozialpädagogen mit in den Unterricht reingehen, gar keine Frage”.

Und Gottfried Küppers bläst ins gleiche Horn, wenn er feststellt: „Unsere Partner sind uns aus langjähriger Zusammenarbeit dahingehend bekannt, dass sie immer wieder bereit sind, neue Wege zu gehen und sich den Herausforderungen einer Gesellschaft zu stellen, die Kindern und Jugendlichen nicht immer nur gute Startchancen bereitstellt.”

Aus Sicht von Helmut Holländer ist wichtig, dass „in Hückelhoven Schule, Jugendhilfe, Rat und Verwaltung die Bildungslandschaft gemeinsam gestalten”. Holländer ist Schuldezernent. In dieser Eigenschaft wird es ihn freuen, wenn Hans-Leo Lowis lobt: „Man muss sagen, dass die Stadt Hückelhoven mit der Einbeziehung der Sozialpädagogischen Tagesgruppe in die neue Peter-Jordan-Schule einen sehr innovativen Weg gegangen ist und uns einen Vertrauensvorschuss gegeben hat.” Holländer ist auch Kämmerer der Stadt. Und in dieser Eigenschaft wird er kühl gerechnet haben, dass die erfolgreiche Eingliederung von Problemkindern deren Einweisung ins Heim erspart. Denn das kostet die Stadt richtig Geld: Zwischen 1,7 und 1,8 Millionen Euro im Jahr.

Ralf Schwarzenberg, Leiter des städtischen Jugendamtes, sieht die Ankopplung der Sozialpädagogischen Tagesstätte in die Förderschule nur positiv: „Gemeinsame Sternstunden von Pädagogik und Finanzwirtschaft sind selten. Aber dieses Zusammenkommen ist eine.” Einen weiteren großen Schritt in Richtung Inklusion hat man in Hückelhoven also getan. Aber natürlich denken die Sonderpädagogen Lowis und Hilgers schon weiter: „Wir wollen irgendwann die verschiedenen Fachrichtungen, die in der Jugendhilfe arbeiten, in die Schule holen”, sagt Hilgers, „Also Ergotherapeuten, Psychologen, Logopäden oder Heilpädagogen.” In anderen Ländern funktionieren diese „Ressource-Zentren für die Vielfalt” bereits sehr erfolgreich.

Wenn alle Seiten bei der Vereinbarung eines neuen, gemeinsamen Projektes das Empfinden haben, Positives für ihr Anliegen herausholen zu können, spricht man von einer Win-Win-Situation. Die Zusammenarbeit von Caritasverband als Träger der Sozialpädagogischen Tagesgruppe mit der Peter-Jordan-Förderschule und der Hauptschule In der Schlee in Trägerschaft der Stadt Hückelhoven scheint eine solche Win-Win-Situation zu werden. Am meisten aber sollten die Kinder davon profitieren.