Radfahraktion: Pedalritter machen Kilometer beim Radwandertag

Radfahraktion : Pedalritter machen Kilometer beim Radwandertag

Auch im Kreis Heinsberg haben am Sonntag zahlreiche Radfahrer die Region erkundet. Was es dabei zu entdecken gab und welche Strecken besonders beliebt waren.

Pünktlich um 10 Uhr fielen am Sonntagmorgen bei strahlendem Sommerwetter auch im Kreis Heinsberg die Startschüsse zum 29. Niederrheinischen Radwandertag. Auf dem Rathausplatz in Übach-Palenberg gab Bürgermeister Oliver Walther den „Startschuss“. Statt zur Pistole griff der Bürgermeister lieber zur Signalhupe. Einmal „Tröööt“ und schon setzte sich die Gruppe der gut gelaunten Radfahrer gemächlich in Bewegung.

Wo es lang gehen sollte, hatten die Radler kurz zuvor am Infostand bei Lea Krifft, die für die Stadtverwaltung die Organisation des Radwandertags übernommen hatte, erkundet, oder sie hatten sich schon zuvor für eine der beiden Routen entschieden, die von Übach-Palenberg aus angesteuert werden konnten. „Stadt.Land.Genuss.“ hatte die Niederrhein Tourismus GmbH als Motto für den ersten „Niederrheinischen Radwandertag“ seit 2019 ausgegeben, zu dem insgesamt rund 30.000 Teilnehmer erwartet wurden. 63 Städte und Gemeinden am Niederrhein und den benachbarten Niederlanden boten 82 unterschiedlich lange Fahrradrouten zur freien Auswahl an.

Mit ein paar Varianten und speziellen Themenrouten wie der Spielplatzroute in Erkelenz oder der Handicaproute in Heinsberg kam man sogar auf 115 Möglichkeiten einen netten Sonntag auf dem Rad zu verbringen. Beatrix und Horst Bock hatten sich für die Route 115 entschieden, die den wohlklingenden Namen „Parks und Herrenhäuser entlang der Wurm“ trug. Das Ehepaar aus Übach war getreu dem Motto „Alles Schlechte hat auch sein Gutes“ durch Corona zum Fahrradfahren gekommen und die Begeisterung ist bis heute ungebrochen.

 Bürgermeister Oliver Walther gab den „Startschuss“ zum 29. Niederrheinischen Radwandertag auf dem Rathaus in Übach-Palenberg.
Bürgermeister Oliver Walther gab den „Startschuss“ zum 29. Niederrheinischen Radwandertag auf dem Rathaus in Übach-Palenberg. Foto: Dettmar Fischer

37,7 Kilometer durch die schöne Natur in frischer Luft standen dem Ehepaar bevor, nachdem sie mit dem Hupzeichen des Bürgermeisters den Rathausplatz verlassen hatten. Nachdem sich die Bocks E-Bikes angeschafft hatten, fahren sie 2000 bis 3000 Kilometer im Jahr mit ihren Rädern. „Das macht richtig Spaß“, meinte Horst Bock vor dem „Startschuss“. Durch Wald und Wiesen führte die Route abseits der vielbefahrenen Straßen zu den Sehenswürdigkeiten des Wurmtals. „Mit dem Rad sieht man viel mehr, als wenn man mit dem Auto unterwegs ist“, betonte Horst Bock, der gemeinsam mit seiner Frau die Heimat per Rad neu entdeckt hat.

Das Naherholungsgebiet Lago Laprello in Heinsberg war in diesem Jahr erstmalig der Startpunkt für die Heinsberger Routen. Nach dem Marktplatz und dem Museum Begas Haus hatte sich die Stadt dieses Mal für einen Startplatz in der Natur entschieden. Vom schönen See ausgehend ließen sich die Ziele ansteuern, über die Bettina Walde, Zukunftsmanagerin der Stadt Heinsberg, und Michael Dahmen, Amtsleiter Wirtschaftsförderung, gerne Auskunft gaben. Sie hatten wie ihre Kollegen an den übrigen Startpunkten reichlich Infomaterial bereit liegen, um den Radlern die Tour zu erleichtern. Das persönliche Gespräch kam aber auch nicht zu kurz.

 Thomas Johnen will nach der Teilnahme am Radwandertag mit dem Fahrrad zum Nordcap.
Thomas Johnen will nach der Teilnahme am Radwandertag mit dem Fahrrad zum Nordcap. Foto: Dettmar Fischer

„Haben Sie Vorschläge“, meinte ein Radfahrer, der in einer Vierergruppe aus Oberbruch unterwegs war. Natürlich hatten Bettina Walde und Michael Dahmen Vorschläge, doch wo es lang gehen sollte, musste die Gruppe natürlich selbst entscheiden. Man entschied sich schnell und zwar für die schöne Route Richtung Gangelt. Die Route 106 war 45 Kilometer lang und machte noch einen Abstecher über Waldfeucht.

Wer noch unentschieden war, wo es hingehen sollte, konnte sich die Zeit zum Nachdenken bei einem leckeren Cocktail mit Blick auf den Lago am „Glühtaxi“ versüßen. Alternativ bot sich ein Gespräch mit den „Radprofis“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs an, die mit einem Infostand am Lago Präsenz zeigten und auch mal weniger „sonnige“ Themen ansprachen, wie den schlechten Zustand vieler Fahrradwege und die schlechte Kennzeichnung der Verkehrsflächen, auf denen sich Rad- und Autofahrer begegnen.

In Wassenberg besuchte Thomas Johnen den Roßtorplatz, wo Sabrina Martin für die Stadt Wassenberg den Infostand zum Radwandertag betreute und viele Gespräche mit Radfahrern führte. Thomas Johnen hatte 2006 durch einen „riesen Zufall“ das Radfahren für sich entdeckt. Der Marathonläufer plante damals nach Budapest zu laufen. Ein Freund wollte mit, doch nur per Rad. Am nächsten Tag kaufte sich der passionierte Läufer also erstmal ein Fahrrad, danach war es um ihn geschehen.

14.300 Kilometer hat Thomas Johnen in den letzten zwölf Monaten mit dem Rad zurückgelegt, auf dem Weg zur Arbeit oder bei Urlaubsreisen auf zwei Rädern nach Prag oder Rom oder zuletzt an den Bodensee. Demnächst soll es per Rad ans Nordcap gehen, ohne Elektroantrieb, denn da oben sind E-Tankstellen wohl eher rar.

Auch Tatjana und Heiko Wystub aus Porselen legten überdurchschnittlich viele Kilometer auf dem Rad zurück, insgesamt 1105 waren es in drei Wochen im Team der DJK-Wassenberg. Dafür erhielten sie beim Stadtradeln eine Auszeichnung. Die Anzahl der gefahrenen Kilometer dürfte aber nachrangig sein, denn die Freude beim Fahrradfahren stellt sich schon nach wenigen Kilometern ein; dies durften die Teilnehmer des 29. Niederrheinischen Radwandertags auch dieses Mal wieder feststellen.