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Heilbronn/Heppenheim: Zahlenmuster ohne Gesicht: Keine Erklärung für mysteriöse DNA-Spur

Heilbronn/Heppenheim : Zahlenmuster ohne Gesicht: Keine Erklärung für mysteriöse DNA-Spur

Für die Heilbronner Soko „Parkplatz” ist die DNA-Spur einer unbekannten Frau seit Monaten die einzige Hoffnung, den Fall des Mordes an einer 22-jährigen Polizistin aufzuklären.

Doch die Hinterlassenschaft stellt die Ermittler vor eine bislang nicht gekannte kriminalistische Herausforderung, zumal der Gen-Code nun auch noch im Zusammenhang mit dem Mord an drei Autohändlern aus Georgien entdeckt wurde. An mehr als 20 Tatorten hat die namen- und gesichtslose Verdächtige inzwischen ihre Spur hinterlassen - bei vier Tötungsverbrechen, aber auch bei vergleichsweise harmlosen Einbrüchen. „Da passt nichts zusammen”, bilanziert Polizeisprecher Peter Lechner.

„Warum sollte jemand eine Polizistin umbringen, wenn er vorher ein Gartenhaus aufgebrochen und dort eine Flasche Bier geklaut hat?” Mit dieser Frage fasst Lechner für sich selbst die verworrene Spurenlage im Mordfall Michèle K. zusammen, die im April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese im Dienst erschossen wurde. Von der - rein theoretischen - Möglichkeit, dass da jemand gezielt falsche DNA-Spuren legen könnte, um die Polizei in die Irre zu führen, halten die Ermittler allerdings nichts. Dies sei angesichts der Menge der Tatorte im In- und Ausland „unvorstellbar”.

Damit steht zumindest fest, dass die ominöse Unbekannte tatsächlich an den einzelnen Tatorten zugegen war, wenn dies auch nicht unbedingt zur jeweiligen Tatzeit der Fall gewesen sein muss. Denn bei der Zuordnung einer DNA-Spur zu einer bestimmten Person sind Verwechslungen so gut wie ausgeschlossen. Nach Angaben von Werner Pflug, Chef der Abteilung DNA-Analyse im Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg, ist es „äußerst unwahrscheinlich”, dass ein und dasselbe DNA-Muster zwei Mal auf der Welt vorkommt. „Da bewegen wir uns im Milliardstel- oder Billionstelbereich”, betont Pflug.

Zehn Jahre nach Einführung der DNA-Analyse wenden die Spezialisten inzwischen so präzise Methoden an, dass jedenfalls Pflug keinen solchen Fall kennt. Untersucht werden dem LKA-Experten zufolge 8 bis 15 Abschnitte des „nichtkodierenden” Bereichs des menschlichen Genoms. Durch die sich daraus ergebenden Zahlenmuster lassen sich Menschen voneinander unterscheiden und auch einem Geschlecht zuordnen.

Andere molekulargenetische Verfahren, die auch auf Persönlichkeitsmerkmale wie Augen- und Haarfarbe oder ethnologische Herkunft schließen lassen, sind dagegen in Deutschland verboten. Generell gewinnt bei der Spurensuche der sogenannte Hautabrieb immer mehr an Bedeutung, denn kaum ein Täter verlässt einen Tatort, ohne dort nicht winzige Hautteilchen hinterlassen zu haben. „Die Frage ist, ob man die mikroskopisch kleinen Partikel auch findet”, sagt Pflug. Vor allem mögliche Kontaktstellen zwischen Opfer und Täter würden hierfür unter die Lupe genommen. Um solche Hautpartikel von Schmutz und anderen Ansammlungen unterscheiden zu können, sei jedoch viel Erfahrung notwendig. Fest steht für Pflug, dass sich solche Spuren nicht gezielt legen lassen. Im Heilbronner Mordfall war die DNA der Unbekannten am Dienstwagen der getöteten Polizistin gefunden worden.

Im Fall des Dreifachmordes an den Georgiern Ende Januar bei Heppenheim wurde die Spur im Auto eines tatverdächtigen ehemaligen V-Manns des LKA Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Im zweiten Fall gehen die Ermittler davon aus, dass der genetische Fingerabdruck schon zu einem früheren Zeitpunkt in das Fahrzeug gelangte, also kein unmittelbarer Zusammenhang mit dem Verbrechen besteht. Beim Polizistenmord gilt dies als unwahrscheinlich. Aber das Alter der Spur lässt sich auch hier nicht bestimmen.

Was die Ermittler aber am meisten umtreibt, ist ein fehlender Erklärungsansatz für den Tod der jungen Polizistin: „Die Motivlage ist völlig offen”, sagt Lechner. Seine Kollegen arbeiten inzwischen mit der Polizei in Rheinland-Pfalz zusammen, um mögliche Verbindungen zwischen dem Polizistenmord und der Tat von Heppenheim zu prüfen. „Es ist unsere einzige Spur”, fügt er mit Blick auf den DNA-Code hinzu. Die Spur sage allerdings nichts darüber aus, ob die Spurenlegerin auch die Täterin war.