Alles nur ein Marketing-Gag: „Yolo“ bleibt Scrabble

Alles nur ein Marketing-Gag : „Yolo“ bleibt Scrabble

Trauer, Wut, Empörung: Die volle Palette an negativen Stimmungen kochte vor zwei Tagen durch die Sozialen Netzwerke. Der Spielekonzern Mattel hatte verkündet, seinen Klötzchenklassiker Scrabble nach 70 Jahren umzubenennen. In „Buchstaben-Yolo“.

Am Donnerstag wurde dann offiziell, was mancher gleich vermutet hatte: alles Fake News, ein Werbe-Gag. Scrabble bleibt Scrabble, Yolo bleibt Jugendwort des Jahres 2012 (die Älteren unter uns werden sich erinnern). Oder, um es mit den Worten der Verantwortlichen aus der Mattelschen Marketingabteilung zu sagen: „Die nicht ganz ernst gemeinte und überspitzte Kampagne zum 70-jährigen Jubiläum des Kultspiels zeigt, dass Scrabble-Fans nicht nur raffiniert im Umgang mit Wörtern sind, sondern auch leidenschaftliche Verfechter des Spiels.“

Dass die Aktion als Verkaufsbörderungsblase platzte, sieht denn auch im Rückblick wenig überraschend aus. „Yolo“ war schließlich schon vor stolzen sechs Jahren offizielles Jugendsprech für „You only live once“, du lebst nur einmal. Und höchstwahrscheinlich schon damals veraltet. Warum sollte man heute den Namen eines Spiels, bei dem Wortschatz und Bildung dem Teilnehmer doppelte bis dreifache Punktzahlen verschaffen können, ins Debil-Denglisch teleportieren?

Doch die Verkaufsgenies des Spielemachers können sich auf die Schultern klopfen: Fast alle hatten den Unsinn geglaubt, die Reaktionen auf Facebook und Twitter reichten von Spott und Hohn bis zu Hass und Häme.

Aber: Es hat gefunzt, um ein Jugendwort - gefühlt aus dem Jahr 1994 - zu benutzen. Man sprach mal wieder über das Spiel mit den ganzen Qs, Üs und Ys am Ende. Das gute alte Scrabble war auf einmal wieder in aller Munde - was im Zeitalter von Spielekonsolen und Multiplayer-3d-Shootern zuletzt etwas seltener vorgekommen war. Womit bewiesen wäre, dass der Spruch „You only live once“ auch inhaltlich verfehlt war - vielleicht lebt man ja auch zweimal. Der gute alte Name Scrabble hat angesichts seiner unzähligen Fans jedenfalls bewiesen: Er hat doppelten Wortwert. Mindestens.

(heck)
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