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Regensburg/Karlsruhe: Welchen Einfluss hat der Mond?

Regensburg/Karlsruhe : Welchen Einfluss hat der Mond?

Liebespaare schätzen sein romantisches Licht, Dichter und Schriftsteller haben ihm unzählige Werke gewidmet: Der Mond fasziniert die Menschen seit jeher. Auch in Bezug auf die Gesundheit werden dem Erdtrabanten geheimnisvolle Kräfte zugesprochen. Vor allem vom Vollmond wird behauptet, dass er den Schlaf stört und Geburten beschleunigt, ja sogar Diäten oder Operationen beeinflusst. Wissenschaftler sind jedoch skeptisch: Ein direkter Einfluss des Mondes sei bislang nicht bewiesen.

Vor allem Schlafprobleme werden oft dem Mond zugeschrieben - meist zu Unrecht, wie der Schlafforscher Jürgen Zulley aus Regensburg meint: „Es ist wissenschaftlich gut belegt, dass die Mondphasen keinen Einfluss auf die Schlafqualität haben.” Allenfalls könnte das der Fall sein, wenn der Vollmond direkt in das Schlafzimmerfenster scheint, aber auch dann sei seine Helligkeit mit etwa 0,2 Lux zu niedrig, um einen normalen Schlaf ernsthaft zu stören.

Schwerer wiegt laut Prof. Zulley daher das psychologische Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung: „Ich gehe davon aus, dass ich bei Vollmond schlechter schlafe - also bin ich angespannt und schlafe tatsächlich schlechter”, sagt der Experte. Eine gewisse Ausnahme stellten Schlafwandler dar: Die Betroffenen wurden früher als „mondsüchtig” bezeichnet, da sie beim Herumgehen tatsächlich auf den Mond zuzulaufen schienen und sogar auf Dächer kletterten. „Ein Schlafwandler geht unbewusst auf die hellste Lichtquelle zu”, sagt Zulley. In vergangenen Jahrhunderten war das in der Regel der Mond. „Heute können das auch Straßenlaternen oder Leuchtreklamen sein.”

Ein anderes häufig berichtetes „Mondphänomen” ist die angebliche Zunahme von Geburten in Vollmondnächten. „Es gibt immer wieder Hebammen, die sagen: Ja, das ist so”, bestätigt Edith Wolber vom Bund Deutscher Hebammen in Karlsruhe. Das beruhe jedoch auf subjektivem Empfinden - die Statistiken ließen einen entsprechenden Schluss jedenfalls nicht zu.

Das Phänomen lässt sich laut Edgar Wunder ebenfalls psychologisch erklären. Der Soziologe an der Universität Heidelberg hat zahlreiche Studien zusammengetragen, die etwa den Zusammenhang der Mondphasen mit Geburten oder Verkehrsunfällen untersuchen - fast alle fallen negativ aus. „Unser Gehirn ist kein Computer”, sagt der Forscher. Das Zusammentreffen von zwei außergewöhnlichen Ereignissen wie „Vollmond” und „viele Geburten” oder „viele Unfälle” bleibe einfach länger im Gedächtnis. „Wenn auf einer Geburtsstation viel Betrieb herrscht und kein Vollmond ist, dann fällt das oft gar nicht auf.”

Dennoch gibt es seit Jahren einen boomenden Markt für Mondkalender und vergleichbare Ratgeber. „Die Kräfte der Mondrhythmen sind seit Jahrtausenden ein bewährtes Mittel”, behaupten beispielsweise Johanna Paungger und Thomas Poppe. Das Autorenpaar aus Klosterneuburg bei Wien hat in den vergangenen Jahren ein halbes Dutzend Bücher zum Einfluss des Mondes auf den Alltag geschrieben. Ob in Haushalt, Gartenarbeit, Ernährung oder Gesundheit: Es gelte, den richtigen Zeitpunkt zu treffen, der sich nach dem Mond richte: „Man muss sich immer die Zusammenhänge vor Augen führen”, sagt Thomas Poppe.

Beispiel Diäten: „Bei zunehmendem Mond sollte man kürzer treten und „Dinner-Cancelling” betreiben”, rät Poppe. Die aufgenommene Nahrung verwandele sich in dieser Zeit leichter in Übergewicht als bei abnehmendem Mond. Der Vollmond dagegen sei Anlass für einen Fasttag, weil der Körper viel stärker Fett ansetze als sonst. Bei abnehmendem Mond schließlich „nimmt der Körper nicht so leicht zu”. Wichtig sei der Mondstand auch für Operationen: „Legen Sie den Termin, wenn es irgend geht, auf den abnehmenden Mond”, rät Poppe - die Blutung sei nicht so stark und die Heilung verlaufe schneller.

Gerade zu diesem Thema hat der Soziologe Wunder jedoch vor einigen Jahren eine eigene Studie vorgenommen. Daran nahmen 228 Patienten in einem Krankenhaus in Oberösterreich teil, denen eine Knie- oder Hüftprothese eingesetzt wurde. Untersucht wurden etwa auftretende Komplikationen und der Verbrauch von Blutkonserven in Beziehung zur Mondstellung. Auch Alter und Geschlecht der Patienten wurden berücksichtigt. Das Ergebnis: „Während es einige Effekte des Lebensalters, des Geschlechts sowie des Operationstypus gibt, scheint die Mondphase oder die Stellung des Mondes in den Tierkreiszeichen kein Einflussfaktor zu sein.”

Wie der Mond seinen Einfluss ausüben soll, wissen auch die Befürworter der Mondkräfte nicht genau zu sagen. „Fragen Sie mich nicht nach dem Warum - ich habe nicht den Hauch einer Ahnung”, gesteht Poppe. Er verweist auf Erfahrungen, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Laut Wunder handelt es sich bei der „Mondgläubigkeit” um eine Art Selbstberuhigung: „Sie steigert die subjektive Sicherheit.” Verbreitet sei der moderne Mondglaube interessanterweise vor allem im Süden Deutschlands und im Alpenraum: „In Norddeutschland oder gar in Ostdeutschland findet sich das kaum.”

Internet: www.poppe-paungger.com; www.anomalistik.de/mond.pdf. dpa/gms tk cr ah

2007-04-18 09:11:03