1. Panorama

Apollo 8: Weihnachtsgrüße aus dem All vor 50 Jahren

Apollo 8 : Weihnachtsgrüße aus dem All vor 50 Jahren

Erstmals in der Geschichte des Fernsehens wurde am 22. Dezember 1968 eine Sendung direkt aus dem Weltraum übertragen. Danach meldeten sich die drei Astronauten noch fünf weitere Mal live von Bord.

Spektakulärer Höhepunkt: Weihnachtsgrüße aus der Mondumlaufbahn – mehr als 370.000 Kilometer von der Erde entfernt.

Zur Mannschaft von Apollo 8 gehörten Frank Borman, William Anders und James Lovell. Ziel der Mission war es, detaillierte Informationen über den Erdtrabanten zu erhalten Auf der Suche nach möglichen Landeplätzen flogen sie über das „Meer der Ruhe“, fotografierten die Mondoberfläche, entdeckten Felsen, Krater und Staubwüsten. Sie waren die ersten, die unsere Erde als Kugel und die Rückseite des Mondes sahen. Ihr Auftrag: Vorbereitung der Mondlandung. Dabei waren ihre ersten Erkenntnisse ernüchternd – kein Mann im Mond, keine Farben. „Okay, Houston. Der Mond ist im Wesentlichen grau“, funkte Lovell.

Änderung im Missionsplan

In der ursprünglichen Planung stand dieser Apollo-Flug nicht einmal im Programm. Erst nachdem der US-Geheimdienst CIA vermutete, die Sowjets könnten kurz vor einer bemannten Mondumrundung stehen, wurde im August 1968 eine Änderung des Missionsplans beschlossen. Mit allen Risiken. Nasa-Direktor James Webb hegte große Sicherheitsbedenken und fragte seine Mitarbeiter: „Seid ihr verrückt?“ Borman gab später in einem Interview zu, die realistische Chance, wieder heil auf die Erde zurückzukehren, hätte maximal bei 50:50 gelegen.

Auf geht’s ins Weltall: der Start von Apollo 8 vom Kennedy Space Center in Florida. Foto: NASA/dpa

Die erste bemannte Mondfahrt der Geschichte, ein wichtiger Schritt zur Mondlandung von Apollo 11 sieben Monate später, begann am 21. Dezember 1968, 7.51 Uhr Ortszeit. Mit einer Schubkraft von 160 Millionen PS startete eine Saturn V-Rakete vom Kennedy Space Center in Florida. Bis zu 40.000 Stundenkilometer betrug das Tempo, das die Raumkapsel innerhalb von elf Minuten in die Erdumlaufbahn katapultierte. Nach zwei Umkreisungen wurden die Triebwerke erneut gezündet, und das Raumschiff schwenkte in Richtung Mond ein.

Der weitere Flug verlief unspektakulär, und die Crew erreichte am 24. Dezember die Umlaufbahn des Erdtrabanten. In den folgenden 20 Stunden umkreiste ihn das Apollo-Raumschiff zehn Mal. Bei jedem Umlauf verschwand die Kapsel für etwa 30 Minuten in dessen Schatten. Die Besatzung sah eindrucksvoll, wie sich der blaue Planet über den grauen Mond-Horizont erhob. Lovell war überwältigt: „Eine grandiose Oase in der weiten Wüste des Alls.“

Die Schöpfungsgeschichte

„Hier sendet Apollo 8 live vom Mond“, begann Kommandant Borman die Übertragung. Wir haben den Tag damit verbracht, Experimente durchzuführen, Fotos zu schießen und unsere Raumfähre zu manövrieren.“ Nach rund 20 Minuten ging die Sendung in eine surreal anmutende Bibelstunde über. In die Live-Bilder ihres neunten lunaren Sonnenaufgangs hinein verlasen die Mondfahrer in verteilten Rollen die biblische Schöpfungsgeschichte. Die Verse hatten sie auf feuerfestem Papier verewigt.

Die Crew der Apollo-8-Mission (von links): James A. Lovell, William A. Anders und Frank Borman. Sie schickten Weihnachtsgrüße aus dem All zur Erde. Foto: NASA/dpa

Schließlich waren ihre verzerrten Stimmen zu hören: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer ... und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht.“ Die Übertragung endete nach 29 Minuten mit den Worten: „Gute Nacht, viel Glück und fröhliche Weihnachten. Gott schütze euch alle auf der guten Erde.“ Die Bodenkontrolle in Houston antwortete zufrieden: „Vielen Dank für diese tolle Show.“

Mitten im Kalten Krieg hatten Millionen Amerikaner in Kneipen oder zu Hause neben dem Tannenbaum auf ein unscharfes Fernsehbild gestarrt, bei einigen waren vor Rührung sogar Tränen geflossen. Weltweit lauschten gebannt etwa anderthalb Milliarden Menschen in 64 Staaten den Worten im Fernsehen und im Radio, rund um die Uhr berichteten mehr als 1200 Journalisten. Die US-Pressestelle stellte voller Genugtuung fest, dass es durch die perfekte mediale Inszenierung selbst im kommunistischen Moskau und Havanna nur ein Thema gegeben hatte: die Weihnachtsrede aus dem All.

Daneben gelang den Astronauten der vermutlich berühmteste Schnappschuss aus dem Weltraum. Borman meinte bewundernd: „Hier geht die Erde auf. Wow, sieht das schön aus!“ Im Vordergrund war die karge Mondoberfläche zu sehen, im Hintergrund leuchtete – nur daumengroß – eine blaue Kugel. Die Erde war der einzige farbige Punkt im All. Mit allem hätten sie gerechnet, sagten die Astronauten später, doch nicht damit, ins All zu fliegen, um die Schönheit der Erde zu entdecken. Das Motiv „Earthrise“ der aufgehenden Erde avancierte schon bald zu einem der bekanntesten Fotos des 20. Jahrhunderts. Später setzten es Umweltschutzbewegungen und -organisationen als starkes Symbol für die Einzigartigkeit und Zerbrechlichkeit unseres Planeten ein.

Äußerst gefährlich

Um aus der Umlaufbahn des Mondes auszubrechen und das Raumschiff wieder auf Erdkurs zu bringen, zündeten die Astronauten nach 20 Stunden im Mond-Orbit ihre Triebwerke. Dieses als „Transearth Injection“ bezeichnete Manöver war äußerst gefährlich, zumal die Besatzung im Mondschatten keinen Funkkontakt zur Bodenkontrolle hatte. Wäre es misslungen, hätten die „Mondmänner“ ewig um den Erdtrabanten kreisen müssen. Doch dieses Schicksal blieb ihnen erspart.

Nach einem problemlosen Rückflug rasten die drei Astronauten mit einer Geschwindigkeit von elf Kilometern pro Sekunde auf die obersten Schichten der Erdatmosphäre zu. Dabei stieg die Temperatur an den Hitzeschildern auf bis zu 2800 Grad Celsius an. Während der Bremsverzögerung mussten die Männer eine maximale Beschleunigung von 6,8 g aushalten. Alles verlief reibungslos, nach sechs Tagen und drei Stunden landete Apollo 8 am 27. Dezember südlich von Hawaii im Pazifik. Lediglich 2,6 Kilometer vom anvisierten Zielpunkt entfernt schwebte die Raumkapsel an drei großen Fallschirmen ins Wasser.