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Jena: Weihnachten entfernt sich von christlichen Symbolen

Jena : Weihnachten entfernt sich von christlichen Symbolen

Die Weihnachtsbräuche entfernen sich nach Ansicht der Jenaer Volkskundlerin Christel Köhle-Hezinger zunehmend von den christlichen Symbolen. „Am Ende könnte es sein, dass nur noch ein Baum und die Farben rot und grün übrig bleiben”, sagte die Professorin an der Friedrich-Schiller-Universität in einem dpa- Gespräch.

Die Kirchen könnten auf diese Entwicklung wenig Einfluss nehmen, vor allem nicht mit Mahnungen. „Kulturpessimismus kommt nicht an.” Den Christen bliebe nichts anderes übrig, als ihr Fest weiterhin freudig und besinnlich zu begehen und auf die Ausstrahlungskraft zu hoffen.

Die religiöse Bedeutung von Weihnachten - die Geburt Christi als Erlöser der Menschheit - werde bereits seit Jahrzehnten ausgehöhlt. „Das religiöse Wissen nimmt ab und damit wird das Fest mehr und mehr profanisiert”, sagte die Volkskundlerin. „Nun verändert sich aber auch die Hülle, und damit wird es kritisch. Dann steht die Tradition selbst auf dem Prüfstand.” Die besinnliche Weihnacht werde von einer allgemeinen Partystimmung abgelöst. „Die Weihnachtsmärkte sind schon jetzt verwechselbar mit jeder anderen Art von Stadtfesten.”

Als sichtbares Zeichen für diese Entwicklung nannte Köhle-Hezinger die in dieser Saison allgegenwärtigen roten Weihnachtsmann-Mützen, die oft noch blinken. Die Mütze werde zum reinen modischen Accessoire und erinnere an Fasching.

Die wenigen unveränderten christlichen Symbole, etwa die Krippen auf den Weihnachtsmärkten, fänden dagegen kaum Beachtung. „Nach meinen Beobachtungen bleiben höchsten ein paar ältere Menschen davor stehen und erklärten ihren Enkeln, was es damit auf sich hat. Die große Mehrheit geht achtlos vorbei.”

Der Frust der christlichen Gemeinschaften über den Ausverkauf ihres Festes sei nachvollziehbar, sagte die Volkskundlerin. „Ich kann gut verstehen, wenn Pfarrer angesichts dieses Treibens spötteln oder bitter werden.” Dennoch hält sie das für eine falsche Reaktion. „Das sind Ermahnungen zur falschen Zeit am falschen Ort.” Stattdessen müsse sich die Kirche auf vielfältige Weise in der Weihnachtszeit zeigen - von Konzerten über Gottesdienste bis zu Angeboten der Einkehr. „Inzwischen gibt es doch immer mehr Familien, die sich aus dem Weihnachtstrubel ausklinken und alten Traditionen folgen.”