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Berlin: Vor 25 Jahren: Achter Achter Achtundachtzig

Berlin : Vor 25 Jahren: Achter Achter Achtundachtzig

Was für ein Datum: der 8.8.88. Die Zahl Acht steht oft für Glück, Harmonie, Fruchtbarkeit oder auch ein langes Leben. Liegend symbolisiert sie den Begriff der Unendlichkeit.

Kein Wunder, dass sich viele Menschen für den 8. August 1988 etwas Besonderes ausgedacht hatten. Wer sich damals traute und auch heute noch verheiratet ist, kann nun Silberhochzeit feiern.

Wer an dem Schnapszahl-Datum 12.12.2012 heiraten will, kann sich ab sofort beim Standesamt anmelden.
Wer an dem Schnapszahl-Datum 12.12.2012 heiraten will, kann sich ab sofort beim Standesamt anmelden. Foto: Imago

Ein Schmankerl zum Schnapszahltag vor 25 Jahren bot beispielsweise der Urlaubsort Oberstdorf im Allgäu in Bayern: In 888 Metern Höhe sollten sich um 8.08 Uhr alle Singles unter den Feriengästen an der Kapelle St. Wendelin im Stillachtal treffen und einer Münz-Schauprägung beiwohnen. Hunderte kamen.

Doch damit nicht genug: In ganz Deutschland war damals der Teufel los. Unzählige Paare zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen, zwischen Helgoland und Passau, hatten das Aufgebot bestellt - sei es, weil sie tatsächlich an die Glückszahl glaubten oder aber weil auf diese Weise das Datum und der Hochzeitstag „unvergesslich” wurden.

Der Jawort-Boom schlug bis dato alle vorherigen Schnapszahl-Daten und setzte schon in der Nacht ein. In vielen Städten wie zum Beispiel dem unterfränkischen Bad Brückenau waren Trauungen von 0.00 Uhr bis kurz vor Mitternacht angesetzt.

Wie viele Ehen an dem Tag, einem Montag, geschlossen wurden, ist deutschlandweit nicht erfasst, wie beim Statistischen Bundesamt in Wiesbaden zu erfahren ist. Allein im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wurden jedoch etwa 4000 Paare standesamtlich getraut. Zum Vergleich: am 9.9.1999 waren es etwa genau so viele, am 11.11.2011 gut 2480 und am 12.12.2012 immerhin 2539.

Im Ausland hatte mancher für den Heiratswillen der Deutschen am 8.8.1988 nur Spott übrig. Zwar meldeten auch in Frankreich einige Standesämter eine höhere Zahl von Vermählungen als üblich. Doch angesichts der Ferienzeit herrschte bei den meisten Standesämtern eher Leere. Zahlenmystik? Sehr deutsch!

Hierzulande bekamen vor 25 Jahren nicht nur die Frischvermählten viel Aufmerksamkeit, sondern auch diejenigen, die am 8.8.1988 88 Jahre alt wurden. Allein in West-Berlin gab es laut Mitteilung des Statistischen Landesamtes 18 Jubilare (darunter vier Männer). In Hamburg wurden neun Menschen 88, in Stuttgart vier, in Karlsruhe oder Mannheim jeweils drei, wie die Deutsche Presse-Agentur damals zusammentrug.

Gute Erinnerungen an den 8. August 1988 hat auch Oliver Lehmann, der heute stellvertretender Empfangsleiter in einem Frankfurter Hotel ist: Er wurde damals acht Jahre alt und wird demzufolge an diesem Donnerstag 33. „Neulich habe ich beim Aufräumen die Mappe mit all den Zeitungsartikeln von damals über mich gefunden - Wahnsinn, was die damals alles mit mir gemacht haben”, erzählt er augenzwinkernd.

Lehmann war demnach „Glücksbringer” für die Hochzeitspaare im Standesamt seiner Heimatstadt Neu-Isenburg, bekam von einer Zeitung 88 D-Mark geschenkt, um sie in einem Spielwarenladen auszugeben und durfte am Abend zu einer Gartenparty - wen wunderts? - 88 Gäste einladen. Es kamen jedoch - es war Ferienzeit - nur etwa 40.

Übrigens: Nicht nur in der Bundesrepublik ging es vor zweieinhalb Jahrzehnten achtmäßig rund. Der 8.8.1988 machte auch in der DDR Furore, wie die Nachrichtenagentur ADN berichtete. Standesämter meldeten einen Hochzeitsboom. Besonders viel Andrang Heiratswilliger gab es in Zittau - die Postleitzahl der Stadt lautete damals 8800.

Viel Beachtung fand auch die Gemeinde Blindheim im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben, die damals noch die schöne 8888 führte (heute 89434). Ein Ortsteil im Schweizer Kanton St. Gallen-Heiligkreuz (Mels) - hat übrigens bis heute die Postleitzahl 8888. Das Örtchen vergab am damaligen Montag einen „Jahrhundert-Poststempel”. Da ihn Zehntausende wollten, bekam das sonst nur mit drei Leuten besetzte Postamt rund um den Schnapszahltag viele Helfer aus der ganzen Schweiz.

Und was passierte vor 125 Jahren, also am 8.8.1888? Die Zeitungen waren trotz acht-reicheren Datums weit weniger aufgeregt als 1988. Das Wetter war kühl, wie ein Blick ins Archiv verrät. In München herrschten nur elf Grad, wie die „Frankfurter Nachrichten” schrieben. An dem Tag verabschiedete sich außerdem Reichskanzler Otto von Bismarck in seinen Urlaub.

Das mit Abstand wichtigste Thema für die Deutschen war im „Drei-Kaiser-Jahr” 1888 aber auch im August noch der Tod von Kaiser Friedrich III. - Er war am 15. Juni gestorben, und zwar nach einer Schnapszahl-Regentschaft: nach 99 Tagen.

(dpa)