Cabarete: Von Aachen in die Karibik: Aussteigerin hat sich Traum erfüllt

Cabarete: Von Aachen in die Karibik: Aussteigerin hat sich Traum erfüllt

Auswandern in warme Palmenländer ist „in”. Manche segeln in die Pleite, andere auf Erfolgskurs. Claudia Schwarz (44) aus Aachen und Frank Schwarz (46) aus Lintorf haben in der Karibik beides geschafft. Nach der kurzen Pleite im krisengeplagten Haiti geht es in der Dominikanischen Republik nun steil nach oben.

„Mit 500 Dollar und sechs gebrauchten Surfbrettern haben wir hier in Cabarete an der Nordküste neu angefangen”, erzählt die Dunkelblonde mit dem lockigen Haar. Das war vor gut 20 Jahren.

Die beiden Rheinländer haben ein schmuckes Hotel aufgebaut und sich gegen große All-Inclusive-Anlagen behauptet. In dem bei Wind- und Kitesurfern aus aller Welt beliebten Dorf mit weitem Strand leben etliche Deutsche, auch aus Gelsenkirchen, Hessen und Bayern.

An diesem - natürlich sonnigen - Tag gleiten Dutzende von Surfern auf ihren Brettern über das Meer, andere klammern sich zwischen Gischt und Himmel an ihre Kites. Surfschulen und Hotels machen gute Geschäfte. Vor 20 Jahren war Cabarete noch ein stiller Ort. „Wir waren fasziniert”, betont Claudia Schwarz und lässt sich von Barkeeper Miguel im Restaurant ihrer „Villa Taina” einen frischen Mangosaft zubereiten.

Der Beginn war schwer. Denn kurz zuvor, Anfang 1988, mussten Frank und Claudia ihren kühnen Plan aufgeben, in Haiti, dem westlichen Nachbarn der „Dom Rep” auf der Insel Hispaniola, eine Surfschule aufzubauen. Er war die Vorhut. Sie besuchte ihn einige Male in dem bitterarmen Land, wollte nachziehen. Doch es gab zu viel Chaos, zu wenig Touristen, zu wenig Surfer. „Wir geben unseren Traum aber nicht auf”, sagte Frank Schwarz damals. Gesagt, getan.

In Cabarete traf sich das Ehepaar wenige Wochen später. Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann aus Ratingen-Lintorf kam im Herbst 1988 aus Haiti mit ein paar Surfbrettern und fast leerer Geldbörse an. Sie flog von Düsseldorf in die „Dom Rep”. Freunde und Verwandte in Aachen hatten die damals erst 23-Jährige für extrem leichtsinnig oder gar verrückt erklärt.

Nur wenig später landete eine der ersten Condor-Maschinen im nahen Puerto Plata. „Und die hat uns Glück gebracht”, erzählt die Deutsche, die in Aachen Industriekaufmann lernte und in Bochum an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie ihren Betriebswirt machte.

An Bord waren Experten mit viel Surfgerät zur Erkundung von Cabarete. Die Bretter zum Windsurfen blieben sehr preiswert bei dem Paar aus NRW. „Im April 1989 hatten wir eine kleine Surfstation. Dann ging es geschäftlich nach oben”, erzählt Claudia.

Das Paar konnte es sich später leisten, nicht im Massenmarkt mitzumischen und Angebote von Billiganbietern abzulehnen. Heute sind Claudia und Frank Schwarz, die zwei Kinder haben, geschieden, aber weiter befreundet und geschäftlich durch das gemeinsame Hotel mit 35 Mitarbeitern, Restaurant und Bar vereint. Die meisten Gäste der 57 Zimmer und Suiten sind Wassersportler.

Das Cabarete-Team hat für Auswanderer ein paar wichtige Tipps: Erst mal ein paar Wochen Urlaub im gelobten Land verbringen, dabei Markt, Angebote sowie Vorlieben von Einheimischen und Gästen genau unter die Lupe nehmen. Verständnis für Land und Leute sowie Sprachkenntnisse sind unerlässlich. Und Schuster, bleib bei Deinen Leisten! Denn schon mancher deutsche Taxifahrer, der die „Dom Rep” mit einer kleinen Bratwurstkneipe erobern wollte, rutschte schnell in die Pleite.

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