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Madrid: Vogelschützer: EU-Vorschrift treibt Geier in den Hungertod

Madrid : Vogelschützer: EU-Vorschrift treibt Geier in den Hungertod

Nach der „Flucht” von rund 100 hungrigen spanischen Gänsegeiern ins mehr als 1000 Kilometer entfernte Belgien haben Naturschützer Alarm geschlagen. Spaniens Vogelschutzbund (SEO) forderte die EU-Kommission am Donnerstag auf, eine Richtlinie zu lockern, die es den Bauern seit 2003 aus Angst vor Seuchen wie dem Rinderwahnsinn verbietet, totes Vieh auf den Weiden liegen zu lassen.

Damit werde den Aas fressenden Vögeln die Nahrungsgrundlage entzogen. „Wenn nichts unternommen wird, droht eine der schlimmsten Naturkatastrophen der vergangenen 50 Jahre”, sagte SEO-Fachmann Juan Carlos Atienza in Madrid. Bis zu 80 Prozent der Aas fressenden Vögel Europas drohe der Hungertod, warnte er. Betroffen seien neben dem Gänsegeier auch der Mönchs-, der Schwarz- und der Bartgeier, der Rot- und der Schwarzmilan oder der Stein- und der spanische Kaiseradler. Ein Großteil dieser Vögel niste in Spanien.

Zwar gebe es für dieses Land von der EU eine Ausnahmeregelung, wonach künstliche Futterplätze eingerichtet werden dürften. Dies sei angesichts der großen Zahl der Aasfresser aber nicht umsetzbar: „Es müssten landesweit rund 5000 Futterstationen eingerichtet und täglich 100 Tonnen Fleisch bereitgestellt werden”, beklagte Atienza. Wegen des Nahrungsmangels hätten Geier vereinzelt lebende Tiere angegriffen. Dies wiederum führe dazu, dass Landwirte aus Angst um ihr Vieh Giftfallen aufstellten.