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Bottrop: Viel Lob für Bergleute am 1. Mai: Hilfe fürs Ruhrgebiet gefordert

Bottrop : Viel Lob für Bergleute am 1. Mai: Hilfe fürs Ruhrgebiet gefordert

Im letzten Jahr der deutschen Steinkohleförderung haben Gewerkschaftsvertreter und Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am 1. Mai die Leistungen der deutschen Bergleute gewürdigt. „Ohne die Bergleute und Stahlarbeiter wäre Deutschland nie eine der erfolgreichsten Industrienationen der Welt geworden”, sagte der Chef der Energie-Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, bei der zentralen Mai-Kundgebung in der Bergbaustadt Bottrop.

NRW-weit beteiligten sich laut DGB mehr als 73.000 Menschen an den verschiedenen Veranstaltungen zum Maifeiertag. In Wuppertal kam es zu Auseinandersetzungen zwischen mutmaßlichen Linksautonomen und der Polizei.

Deutschland schulde den Bergleuten Dank, sagte die NRW-Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Anja Weber. Deshalb dürfe der Strukturwandel in den Bergbauregionen auch nicht als Privatproblem einiger Bürgermeister angesehen werden. Der Staat und das Land Nordrhein-Westfalen müssten deutlich mehr investieren. Kritik gab es an der Ruhrkonferenz, mit der die schwarz-gelbe Landesregierung Ideen für den Strukturwandel in den Kohleabbauregionen sammeln will.

„Der Zusammenhalt, der das Ruhrgebiet und unser Land geprägt hat, bleibt. Und wir müssen ihn bewahren, auch wenn die letzte Schicht gefahren ist”, sagte Laschet bei der Kundgebung in Bottrop. Der Ministerpräsident war zuvor mit Zechenmitarbeitern und Gewerkschaftsmitgliedern durch die Stadt gezogen. „Die Kohle geht, der Kumpel bleibt”, stand in weißen Lettern auf einem schwarzen Transparent. An der Bottroper Kundgebung unter dem Motto „Vielfalt, Gerechtigkeit, Solidarität” nahmen laut Veranstalter rund 1500 Menschen teil.

Praktisch überall verliefen die Kundgebungen friedlich. In Wuppertal wurden 25 Teilnehmer einer nicht angemeldeten Kundgebung mutmaßlich linksautonomer Demonstranten zum 1. Mai für kurze Zeit festgenommen. Sie hatten versucht, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Eine Teilnehmerin und ein Polizist wurden leicht verletzt.

In Essen wurde der AfD-Politiker Guido Reil kurzzeitig in Gewahrsam genommen, wie die Polizei bestätigte. Reil habe eine DGB-Maikundgebung besucht und sei von Polizisten kontrolliert worden. Bei einem seiner Sicherheitsleute fanden die Beamten nach dem Versammlungsgesetz verbotene Gegenstände, unter anderem Pfefferspray. Daraufhin sei gegen den Politiker ein Platzverweis ausgesprochen worden. Als er der Anordnung nicht nachgekommen sei, habe man ihn in Gewahrsam genommen. Reil kündigte per Twitter rechtliche Schritte dagegen an.

In Bottrop schließt zum Jahresende nach 162 Jahren Steinkohlebergbau die letzte deutsche Steinkohlezeche im Ruhrgebiet. Gleichzeitig endet der Abbau in Ibbenbüren im Münsterland. Damit ist der Steinkohleabbau in Deutschland nach rund 200 Jahren Geschichte.

Noch vor 60 Jahren habe die Steinkohle im Ruhrgebiet rund 500.000 gut bezahlte Jobs gesichert, sagte Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler (SPD). Nun blieben nur einige Hundert zur Abwicklung der Industrieanlagen. Die Region brauche Unterstützung auf dem Weg der Veränderung. Dazu könnten zum Beispiel Behördenstandorte und Forschungseinrichtungen im Ruhrgebiet angesiedelt werden.

Die schwarz-gelbe NRW-Landesregierung hatte vor wenigen Tagen im Landtag ihr Konzept einer „Ruhrkonferenz” vorgestellt, in der Fachleute und Regierungsvertreter langfristig neue Ideen für die Region erarbeiten sollen. Die Konferenz sei eine „gute Idee”, sagte die DGB-Chefin Weber in Bottrop. Leuchtturmprojekte in Wissenschaft und Bildung allein nützten aber Alleinerziehenden und Langzeitarbeitslosen wenig.

Unzufrieden zeigte sich auch der Gelsenkirchener Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD). Neben langfristigen Foren sei auch eine zentrale Veranstaltung nötig, bei der Entscheidungen getroffen werden müssten, sagte Baranowski der „WAZ”. „Wir haben nicht ewig Zeit, um die Probleme im Ruhrgebiet zu lösen.” Außerdem müssten EU-Vertreter mit an den Tisch, weil eine mögliche Kürzung von EU-Fördermitteln das Ruhrgebiet besonders hart treffen würde.

(dpa)