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Köln: Versagensängste am Muttertag: Was schenkt man ihr nur?

Köln : Versagensängste am Muttertag: Was schenkt man ihr nur?

Noch schnell was kaufen, Sonntag ist Muttertag. Das ist diese Woche die immer aufs Neue wiederholte Botschaft aller Blumenhändler, Parfümverkäufer und Pralinenfabrikanten. Doch viele schieben die Entscheidung vor sich her, bis sie sich am Samstagnachmittag im Blumengeschäft an der Ecke einen Strauß aus welken Restbeständen zusammenbinden lassen.

Zurück bleiben ein schlechtes Gewissen und ein Gefühl der Unzulänglichkeit. Es ist ein Paradoxon, dass viele Menschen gerade bei der Auswahl von Geschenken für die eigene Mutter zutiefst unschlüssig sind. Das Problem ist nicht neu: „In deiner selig süßen, trauten Nähe ergreift mich oft ein demutvolles Zagen”, gestand schon Heinrich Heine der Frau Mutter.

Wirft man einen Blick in die rund ein Dutzend Illustrierten, die in diesen Tagen unter der Überschrift „Da lacht das Mutterherz” Geschenktipps geben, so scheint sich seit den 50er Jahren nicht viel verändert zu haben. Empfohlen werden Herztorten mit Marzipanblüten, Bastelherzen aus Schmelzgranulat, Heinzelmännchen-Gutscheine etwa für drei Mal Staubsaugen oder selbstverfasste Gedichte. Kostprobe aus der „Glücksrevue”: „In kühler Erde ruhst du nun, kannst nichts mehr für die Lieben tun.”

Auch für Promis gerät das Schenken am Muttertag bisweilen zum Fiasko: Wenn auch eine Paris Hilton beispielsweise selbstverständlich keine selbst gestrickten Ofenhandschuhe verschenkt. Das Trend-Girl kaufte im letzten Jahr für Mutter Kathy Schuhe, Tassen und eine Sonnenbrille im Wert von umgerechnet 8000 Euro. Am Ende aber stand sie doch mit leeren Händen da. Als die Aufmerksamkeiten bei der Lieferung kurz vor der Haustür abgestellt wurden, bediente sich ein Dieb.

Mehr Glück hatte Victoria Beckham: Sie wurde von ihrem zweijährigen Sohn zum Muttertag mit einem Geländewagen mit Vierradantrieb überrascht.

Für Otto Normalverbraucher gilt: Allzu Bewährtes gilt als einfallslos, Gewagtes wiederum kann schnell ins Fiasko führen. Heike Kempkes (37) aus Mülheim an der Ruhr wollte vor Jahren einmal originell sein und entschied sich für einen aufwendig gearbeiteten Kartoffelschäler italienischen Fabrikats: „Gedacht war das als ironische Anspielung auf die Haushaltsarbeit”, erläutert die Sonderschullehrerin. Sie ist dann schnell wieder zu Blumensträußen übergegangen.

Nicht erst seit diesem Jahr wird der Sinn von Muttertagsgeschenken grundsätzlich in Frage gestellt. „Wenn wir feststellen, dass uns ein bestimmter Aspekt in unserem Leben so wichtig ist, dass wir ihn würdigen wollen, dann beziehen wir immer gleich den Markt mit ein”, kritisiert Prof. Ralph Fevre in einem BBC-Interview. Manche gehen so weit, die Abschaffung des Muttertags zu fordern. In Wales verbot eine Schuldirektorin in diesem Jahr das Basteln von Muttertagkarten, um Kinder, die beim Vater aufwachsen, nicht zu verletzen. In einer New Yorker Grundschule wurde der Muttertag gestrichen, nachdem sich ein Vater diskriminiert fühlte, der sein Kind zusammen mit seinem schwulen Freund adoptiert hatte.

So ist am Muttertag letztlich jeder auf sich selbst angewiesen. Nur die ganz Jungen hatten noch nie Probleme damit. Wenn Joshua (5) aus Köln seine selbst gefertigten Präsente aufzählt, mischt sich nicht die Spur eines Zweifels in seine Stimme: „Ich habe vier Geschenke: Eine Blume, eine Sonne, ein Herz und einen Tyrannosaurus Rex.”