1. Panorama

Hamburg: Udo-Jürgens-Musical als rasante „Traumschiff”-Kreuzfahrt

Hamburg : Udo-Jürgens-Musical als rasante „Traumschiff”-Kreuzfahrt

„Vielen Dank für die Blumen” umschwärmen die Assistenten ihre erfolgreiche Moderatorin Lisa Wartberg. Und das Publikum ist gleich zu Anfang hingerissen. Udo Jürgens hätte den Hit von einst nach der gefeierten Uraufführung seines Musicals „Ich war noch niemals in New York” am Sonntagabend sicher oft singen können.

Denn für ihn ging im Hamburger Operettenhaus ein Traum in Erfüllung, wie er gestand. Von den mehr als 900 Songs, die der österreichische Komponist und Sänger bisher in seinem Leben schrieb, hat er nun die bekanntesten und schönsten auf die Hamburger Bühne gebracht.

„Ich war noch niemals in New York” nimmt den Besucher mit auf eine rasante „Traumschiff”-Kreuzfahrt. Betont temporeich inszeniert, setzt es den Besucher einem Wechselbad der Gefühle aus zwischen Sehnsucht, Angst vor Einsamkeit, unerfüllten Träumen, Abenteuer, Spaß und großen Gefühlen. Und das in jeder Lebenslage der Figuren begleitet von einem Ohrwurm.

Die eher einfache Geschichte dient vor allem dazu, die Evergreens zu tragen. Und das gelingt, wie die Reaktionen des spontan mitklatschenden Publikums beweisen. Viele kommen nicht umhin, einfach lauthals mitzusingen. Und honorieren zudem die augenzwinkernde Anlehnung an den bekannten ZDF-Dauerbrenner „Das Traumschiff”: Auch auf der Hamburger Bühne heißt der Kreuzfahrer keck MS „Deutschland”.

Ehe dort an Bord jedoch die Komödie im Happyend mündet, haben die Protagonisten manch Lebensklippe zu umschiffen: Die erfolgreiche Fernsehmoderatorin Lisa Wartberg (Kerstin Marie Mäkelburg mit starkem komödiantischen Einsatz) hat egoistisch nur ihre Karriere im Blick und keinen Sinn für ihre ins Seniorenheim abgeschobene Mutter Maria (Ingeborg Krabbe in einem beeindruckenden Comeback).

Jene aber möchte sich mit ihrem Lebenspartner Otto (Horst Schultheis) einen Lebenstraum erfüllen: Einmal nach Amerika und unter der Freiheitsstatue heiraten. Kurzerhand fliehen beide aus dem tristen Heim und machen sich auf zu einer Kreuzfahrt. Lisa sieht ihre Karrierepläne in Gefahr, folgt ihrer Mutter und trifft dabei auf Ottos Sohn Axel (Jerry Marwig) und dessen vierzehnjährigen Sprössling Florian (Robert Köhler). Das unfreiwillige Team muss sich notgedrungen zusammenraufen. Und auf hoher See kommt es zu einem turbulenten Treffen der drei Generationen.

Die beiden Regisseure Christian Struppeck, der laut Produktionsfirma Stage Entertainment wenige Wochen vor der Premiere aus gesundheitlichen Gründen ausfiel, und der eilends eingesetzte Glenn Casale haben erfolgreich auf eine Mischung aus lauten und leisen Tönen und - zumindest ansatzweise - manchen ernsten Zwischenklang gesetzt. Herablassend moderiert Lisa eingangs eine Sendung zum Thema „Deutschland - deine Alten”, während die Senioren im Altenheim gegängelt werden. Dazu Seitenhiebe aufs Medienmilieu mit seinem Kampf um Einschaltquoten: „Ich brauche kein Profil, er soll mich von vorn filmen”, sagt Lisa an einer Stelle.

Dementsprechend hat Jürgens auch seine Lieder ausgewählt. Denn das Publikum giert förmlich nach den Songs, die es nur zu gut kennt. Und die Palette reicht vom Titelsong und „Heute beginnt der Rest deines Lebens” über „Was wichtig ist” bis „Wie könnt ich von dir gehen”. Kraftvoll und mitreißend dazwischen dann Hits wie „Griechischer Wein”, das bissige „Aber bitte mit Sahne”, „Ein ehrenwertes Haus” sowie die rasanten Ohrwürmer „Siebzehn Jahr, blondes Haar” oder „Schöne Grüße aus der Hölle”. Ein gelungener Clou: Ausgerechnet der erst 14-jährige Florian singt „Mit 66 Jahren” als Hommage an seinen Großvater.

„Ich war noch niemals in New York” begeistert aber nicht nur durch seine Musik. Kim Duddy hat eine beeindruckende Choreographie auf die Beine gestellt. Und geradezu opulent sind die Kostüme (Yan Tax) und die reichhaltige Bühnenausstattung (David Gallo) mit ihrer raffinierten Technik.

Dennoch entgeht dem aufmerksamen Zuschauer auch manch Markenzeichen auf der Bühne nicht, etwa das der Deutschen Post auf Frachtkisten, die originalen McDonalds-Tüten für die allabendlich frisch in die Kulissen gelieferten Hamburger oder das Tui-Reisebüro. Schließlich hatte die Produktionsfirma im Vorfeld das Theater per Vertrag mit dem Reiseveranstalter in Tui Operettenhaus umbenannt.