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Rom: Tragödie in Genua: Schuldzuweisungen und steigende Opferzahl

Rom : Tragödie in Genua: Schuldzuweisungen und steigende Opferzahl

Italienische Regierungsmitglieder machen den privaten Autobahnbetreiber für den Einsturz der Brücke in Genua verantwortlich, der Dutzenden Menschen das Leben gekostet hat.

Gegen Autostrade per lItalia seien Schritte eingeleitet worden, um die Lizenz für die Straße zu entziehen und eine Strafe von bis zu 150 Millionen Euro zu verhängen, erklärte Verkehrsminister Danilo Toninelli am Mittwoch auf Facebook. Zuallererst müsse aber das Management zurücktreten.

In letzter Sekunde angehalten: Ein Lastwagen steht kurz vor der Abbruchkante auf der Brücke. Foto: Antonio Calanni/AP

Sterne-Chef und Vize-Ministerpräsident Luigi Di Maio machte ebenfalls das Unternehmen für die Tragödie verantwortlich. „Autostrade muss für die Instandhaltung sorgen und hat dies nicht gemacht”, sagte er dem Radiosender Radicale. Auch Innenminister Matteo Salvini sprach sich für einen Entzug der Lizenz aus. Das sei das Mindeste, was man erwarten könne.

Das von der Feuerwehr zur Verfügung gestellte Foto zeigt Rettungsarbeiten an der teilweise eingestürzten Autobahnbrücke. Foto: Vigili Del Fuoco/AP

Der Einsturz der Autobahnbrücke im italienischen Genua hat mindestens 42 Menschen das Leben gekostet. Das sagte der Staatsanwalt Francesco Cozzi dem Fernsehsender RaiNews24. Der Präfektur zufolge gibt es 16 Verletzte, der Zustand von 12 ist kritisch. Die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle gingen unvermindert weiter. Unter den Opfern sind mindestens auch drei Minderjährige im Alter von acht, zwölf und dreizehn Jahren.

Feuerwehrleute bergen einen Verletzten aus den Trümmern der teilweise eingestürzten Autobahnbrücke Ponte Morandi. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP

Am Dienstagmittag war während eines schweren Unwetters der Polcevera-Viadukt - auch Morandi-Brücke genannt - auf der Autobahn A10 in mehr als 40 Metern Höhe auf einem etwa 100 Meter langen Stück eingestürzt. Um die 30 Fahrzeuge waren zu der Zeit auf der Brücke unterwegs: Autos wurden in die Tiefe gerissen, Lastwagen stürzten in den Fluss Polcevera.

Der Einsturz hat eine gewaltige Lücke in die Brücke gerissen. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP

Die A10 ist nicht nur die berühmte Urlaubsverbindung „Autostrada dei Fiori”, sondern auch eine wichtige Verbindungsstraße nach Südfrankreich, in den Piemont und die Lombardei.

Rettungsarbeiten unter den Trümmern der eingestürzten Morandi-Autobahnbrücke. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP

Innenminister Matteo Salvini machte am Dienstagabend die mangelnde Instandhaltung der Brücke für das Unglück verantwortlich. Die Verantwortlichen müssten für das Desaster bezahlen, „alles bezahlen, teuer bezahlen”, erklärte er.

In der Nähe der Brücke wurden nach dem Einsturz vorsichtshalber Gebäude geräumt. Foto: Polizia di Stato

Der frühere Verkehrsminister Graziano Delrio sagte laut Nachrichtenagentur Ansa, es sei respektlos gegenüber den Opfern, politische Spekulationen aufzuwerfen.

Die Brücke war auf einer Länge von etwa 100 Metern eingestürzt. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP

Die Brücken-Katastrophe lässt in Italien die Alarmglocken schrillen. Laut der Tageszeitung „La Repubblica” sind um die 300 Brücken und Tunnel marode. Grund dafür seien die veraltete Infrastruktur und die lückenhafte Instandhaltung.

Nach Angaben aus dem Verkehrsministerium muss die Brücke nun komplett abgerissen werden. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP

Kritik gab es an dem nun eingestürzten Polcevera-Viadukt wegen hoher Baukosten schon seit seiner Erbauung. Doch auch kostspielige Renovierungen sorgten immer wieder für Diskussionen. Die Brücke, die im Westen von Genua unter anderem über Gleisanlagen und ein Gewerbegebiet führt, hat eine Gesamtlänge von 1182 Metern. Zum Zeitpunkt der Tragödie waren laut Betreibergesellschaft Autostrade per Italia Bauarbeiten im Gange.

Nach dem Einsturz der Autobahnbrücke haben Rettungskräfte mindestens zwei Überlebende aus den Trümmern gezogen. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP

Nach dem Unglück waren mehr als 300 Rettungskräfte im Einsatz. In der Nähe der Brücke wurden nach dem Einsturz vorsichtshalber Gebäude geräumt. Mehr als 400 Menschen seien obdachlos, erklärte der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Edoardo Rixi. Ihm zufolge wird der Einsturz weitreichende Konsequenzen haben, da die Brücke komplett abgerissen werden müsse. Das werde „schwerwiegende Auswirkungen” auf den Verkehr haben und so Probleme für Bürger und Unternehmen bringen.

(dpa)