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Esslingen: Träume sind aus Eis: Iglu-Architekt in den Alpen

Esslingen : Träume sind aus Eis: Iglu-Architekt in den Alpen

Benno Reitbauers Träume sind aus Schnee und Eis, aus glitzernden, weißen Kristallen. Der Architekt ist der einzige Iglu-Baumeister in Deutschland.

„Übernachten im Iglu ist ein unwahrscheinlich faszinierendes Erlebnis, wenn eine flackernde Kerze den Raum beleuchtet und Millionen Eiskristalle an der Decke glitzern”, schwärmt der 42-Jährige aus Esslingen in Baden- Württemberg. Der gebürtige Tiroler baut seit vier Jahren mit seinem zwölfköpfigen Team Iglu-Hotels in den österreichischen Alpen.

Im Dezember beginnt die „heiße Phase” des Iglu-Baus für Reitbauer. Innerhalb von vier Wochen soll mitten im Skigebiet von Kitzbühel ein Iglu-Dorf entstehen, das bis zum Saisonende im März 2008 betrieben wird. Eine Nacht im Iglu-Hotel in über 1700 Metern Höhe sei „ein unwahrscheinlicher Hype derzeit”, meint der Iglu-Experte. „Für diesen Winter gibt es zahlreiche Buchungen.”

Über die Nachfrage freut sich Reitbauer, der für seinen Eistraum hart kämpfen musste. „Als ich die Idee vor fünf Jahren bei den ersten Bergstationen vorstellte, wurde ich als Spinner ausgelacht”, sagt der Tiroler. „Aber aufgeben darf man nur einen Brief - sonst nichts.” Im vergangenen Winter erlebte er einen wahren Iglu-Boom. „Wir hatten Anfragen für 25 Iglu-Dörfer in 25 Wintersportorten.” Vier Dörfer wurden schließlich realisiert.

Die eiskalte Idee war bei einer Übernachtung in einem Iglu-Hotel 2000 in Finnland entstanden. „Eine Nacht im Iglu zu verbringen und das mit Komfort und hochwertigen Schlafsäcken hat mich völlig begeistert.” Von erfahrenen Iglu-Baumeistern ließ er sich in Finnland in die Kunst des Iglu-Baus einführen. Mit Hilfe eines riesigen Luftballons wird das Iglu errichtet. Zunächst wird der Schnee um und über den Ballon aufgeschüttet. Wird die Luft herausgelassen, ist das Schneehaus fertig.

Im Iglu-Hotel von Kitzbühel bleiben die meisten der 25 Hotelgäste eine Nacht. Sie schlafen auf Betten aus Eis. Dicke Rentierfelle und Isomatten sorgen für Wärme, Spezial-Schlafsäcke für eine angenehme Nachtruhe bei Temperaturen zwischen zwei und vier Grad unter null. „Man zieht sich komplett aus. Pyjama oder Jogginghose reichen aus”, erzählt Reitbauer. Die Kälte werde oft überbewertet, das ärgert ihn. „Das Problem vieler Großstädter aus Berlin oder Hamburg, die bei uns übernachten, ist nicht die Kälte, sondern die absolute Stille. Das sind sie nicht gewohnt.”

Zu den Iglu-Dörfern von Benno Reitbauer gehören neben dem Hotel auch ein Restaurant, eine Lounge, eine Kirche oder Animations-Iglus für Kinder. Events wie Fackelwanderungen durch den Schnee mit anschließendem Lagerfeuer runden das Erlebnis ab. „Das ist Abenteuer mit Luxus gepaart”, meint Reitbauer, der selbst Nervenkitzel und einen gelegentlichen Adrenalinkick braucht.

Als Halbprofi fuhr Reitbauer in den 90er Jahren sechsmal die legendäre Wüstenrallye Paris-Dakar auf dem Motorrad, durchquerte Simbabwe im Auto oder organisierte Touren durch die Sahara. Heute plant er im Sommer Abenteuer-Events für große Firmen, im Winter ist er Iglu-Hotelier in den Alpen. Das ist auch der Ort an dem Reitbauer mit seiner Familie bald wieder leben möchte. „Ich bin ein Wintermensch und brauche einfach die Berge.”