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Rom: Suspendierter Vatikanprälat: „Bin in eine Falle gelaufen”

Rom : Suspendierter Vatikanprälat: „Bin in eine Falle gelaufen”

Der nach einem inkriminierenden TV-Video vom Vatikan freigestellte Kurienprälat hat die Behauptung zurückgewiesen, er sei homosexuell und habe sein Büro zu einem unsittlichen Treffen genutzt.

„Ich war in diesem Fall vielleicht naiv, ich bin in eine Falle gelaufen”, sagte der 60-jährige Bürochef der römischen Kleruskongregation am Wochenende gegenüber italienischen Medien.

Er habe Studienzwecke verfolgt und ein Komplott gegen die Kirche aufdecken wollen, erklärte der Geistliche. Dazu sei er in eine doppelte Rolle geschlüpft und habe sich auf das Treffen eingelassen, zitierte ihn die italienische Zeitung „Il Giornale”. Er habe nicht gewusst, dass das Gespräch mit dem jungen Mann des privaten TV-Senders in seinem Vatikan-Büro aufgezeichnet und ausgestrahlt würde.

Der Kanal „La Sette” hatte Anfang Oktober ein sechsminütiges Video gesendet, in dem sich ein Priester mit verdecktem Gesicht und verfremdeter Stimme als Homosexueller outet. Mitarbeiter hatten aufgrund verschiedener Details in ihm den Bürochef der Klerus-Kongregation erkannt, was der Betroffene jetzt selbst bestätigte.

Er sei seit 36 Jahren Priester, arbeite seit 25 Jahren am Vatikan und praktiziere seit 30 Jahren als offiziell anerkannter Psychologe und Psychotherapeut vor allem für Priester in Schwierigkeiten, erklärte der Geistliche. Seit einiger Zeit verfüge er über Hinweise auf eine Attacke gegen die Kirche besonders in Sachen Homosexualität. „Es gibt tatsächlich einen diabolischen Plan von satanischen Gruppen, die es auf Priester abgesehen haben”, sagte er. Dagegen habe er in Absprache mit seinem Beichtvater etwas unternehmen wollen, zitierte ihn „Il Giornale”. Zu diesem Zweck habe er den möglichen Informanten in seinem Büro empfangen und ihn gedrängt zu sagen, was er mit einem solchen Kontakt von ihm als Priester wolle.

Vatikansprecher Federico Lombardi hatte am Samstag eine Meldung der Zeitung „La Repubblica” bestätigt, dass der Heilige Stuhl gegen einen auf dem TV-Video erkannten Geistlichen eine Untersuchung eingeleitet habe. Man behandele den Vorgang „mit der gebotenen Vertraulichkeit und mit Respekt vor der betroffenen Person, auch wenn diese Person falsch gehandelt hat”.

Zuvor hatte der Präfekt der Kleruskongregation, Kardinal Claudio Hummes, den Geistlichen aufgefordert, die Behörde zu verlassen. Es handele sich um eine „Suspendierung unter Vorbehalt”, hieß es dazu im Vatikan. Zunächst werde der Vorgang untersucht.