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Hamburg: Sommer-Sporttrends: Kitesurfen im Meer - Hindernisläufe in der Stadt

Hamburg : Sommer-Sporttrends: Kitesurfen im Meer - Hindernisläufe in der Stadt

Kitesurfen im Meer, Hindernisläufe durch die Stadt oder Yoga in der Luft: Wer die Sporttrends des Sommers ausprobieren möchte, muss schon ein bisschen Mut mitbringen. „Sport in ungewöhnlichen oder extremen Umgebungen ist angesagt. Der Trend geht nicht zur Bewegung in vorgegeben Bahnen, sondern in so genannten off- off-locations”, sagt Peter Wippermann, Chef des Hamburger Trendbüros.

Abseits vom Abseitigen trimmen sich die Trendsetter. Sie biken im Matsch, spielen Fußball im Watt oder turnen über Brückengeländer und Papierkörbe - je außergewöhnlicher umso besser. Wem beispielsweise das nötige Kleingeld für ein eigenes Flugzeug fehlt, der könnte sich den Traum vom Fliegen beim Kitesurfen erfüllen.

Viel Wasser und eine steife Brise reichen, um mit Surfbrett und Lenkdrachen (Kite) mal so richtig abzuheben. Das Gefühl, wenn der Wind die Stoffbahnen bläht, das Wellenbrett beschleunigt und den Surfer, der über Lenkstange und Leinen mit dem Drachen verbunden ist, in die Luft reißt, beschreibt die zweifache Weltmeisterin Kristin Boese einfach nur mit „Freiheit”.

Die 30 Jahre alte Potsdamerin ist immer braun gebrannt, gut gelaunt, und sie lebt sogar von ihrem Hobby. „Man braucht ja nicht viel als Kitesurferin - außer Luft und Liebe”, sagt sie. Sie beherrscht wenigstens 30 Sprünge und Drehungen, ihr „hang time” - Rekord - die Zeit mit dem Board in der Luft - liegt bei 9,4 Sekunden. 345 Tage im Jahr ist Kristin Boese zwischen Hawaii und Australien unterwegs.

Vom 18. bis 26. August werden sie und andere Topsurfer beim Weltcup in St. Peter-Ording an der Nordsee zu bestaunen sein. Für Zuschauer gibt es ein „Schnupper-Kiten” am Strand. Im vergangenen Jahr machten allein beim Verband Deutscher Windsurfing und Wassersportschulen (VDWS) 6765 Kitesurfer einen Grundschein - die Zahlen haben sich nach Verbandsangaben seit 2002 mehr als verdoppelt. Ein Kurs vor dem ersten Start ist Pflicht, denn ganz ungefährlich ist das Spiel mit den Elementen nicht. Zwei, drei Tage mit einem Kite-Lehrer kosten um die 200 Euro.

Kristin Boese organisiert jedes Jahr in Wustrow bei Rostock ein „Girls Camp” für Nachwuchs-Kiterinnen. Und sie hat ein Buch geschrieben über ihren Traum vom Fliegen ( „Kitesurfen mit Kristin Boese” ). Nicht vom Fliegen, dafür vom Wände hoch laufen und über Häuserschluchten springen träumen Traceure (französisch: den Weg ebnen).

Bei dem vom Franzosen David Belle erfundenen Trendsport Parkour geht es darum, Hindernisse rennend, springend, kletternd und balancierend zu überwinden - ganz gleich, ob Mauern, Baumstämme oder Mülltonnen im Weg stehen. Einige Traceure haben sich zusammengeschlossen, doch die meisten gehen eigene Wege. „Wir schätzen, dass es in Deutschland 1500 Aktive gibt”, sagt Marcus Hess von der Parkour Association in Auerbach (Sachsen). Der Action-Faktor, der in Musikvideos und Werbespots vermittelt wird, reizt vor allem Jugendliche.

Der Sportlehrer Marcus Lüpke von der Alfred-Teves-Schule in Gifhorn (Niedersachsen) hat bei Projekttagen zum Thema Parkour jedoch nicht nur die Sehnsucht nach Grenzerfahrungen ausgemacht, sondern auch den Wunsch nach medialer Präsenz. Die 12- bis 17-Jährigen schrieben Artikel für die Schülerzeitung und stellten spektakuläre Videoszenen ins Internet. „Die Resonanz war großartig. Bei mir meldeten sich Schüler aus Hessen, Lehrer von anderen Schulen und Sportstudenten”, erzählt Lüpke.

Über seine Erfahrungen soll er nun auch in der Fachzeitschrift „Sportpädagogik” berichten. In Sachsen laufen nach Angaben von Marcus Hess Gespräche zwischen Verband, Uni Leipzig und Kultusministerium, wie Parkour in den Schulsport integriert werden kann. Wer nicht auf Stunt-Techniken steht, und wer bei Yoga-Übungen nicht unbedingt in Trapezschlingen an der Decke baumeln will, der macht auch mit traditionellen Sportarten alles richtig.

So ist Barfußlaufen am Strand für den Hamburger Mediziner, Laufexperten und Buchautor Matthias Marquardt immer noch der „Goldstandard” und „ohne Einschränkung das Beste, was man für die Füße tun kann”.

Die Trendforscher beobachten zwar eine Individualisierung der Sportarten. „Doch Massenevents prägen nach wie vor das Stadtbild”, sagt Peter Wippermann. So werden beim Berlin-Marathon am 30. September 40.000 Menschen durch die Hauptstadt rennen, 22.000 Radler starten bei den Cyclassic am 19. August in Hamburg und knapp 5500 Freizeit-Triathleten nehmen am ersten September-Wochenende den Schwimm-Rad-Lauf-Dreikampf beim Hamburger Cityman in Angriff.