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Dülmen: Schwitzen bis zum Umfallen: 100 Hitzefans bei Saunameisterschaft

Dülmen : Schwitzen bis zum Umfallen: 100 Hitzefans bei Saunameisterschaft

Bruno Tangermann und Christian Kania bewegen sich kaum. Dennoch sind ihre Körper von Schweiß überströmt. Die beiden Männer befinden sich gerade mitten im Abschlusstraining. Ihr Ziel: Am kommenden Wochenende in Stralsund wollen sie Deutsche Meister im Extremschwitzen werden.

Zum 4. Mal treffen sich Sauna-Fans, um die bizarre Meisterschaft auszutragen: Wer es am längsten in der Hitze aushält, hat gewonnen. Außer den beiden Männern aus Dülmen in Nordrhein-Westfalen nehmen noch rund 100 Männer, Frauen und - in zwei Altersklassen - sogar Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren teil.

Der Deutsche Sauna-Bund mit Sitz in Bielefeld steht dem Treiben skeptisch gegenüber. „Mit unserer Philosophie von Sauna hat das nicht viel zu tun”, sagt Hans-Jürgen Gensow vom Sauna-Bund. Der Jux kommt - ebenso wie das klassische Saunieren - aus dem Sauna-Mutterland Finnland. Gensow vergleicht das Wettkampf-Schwitzen mit anderen aus Finnland stammenden Skurrilitäten, etwa dem Wettstreit im Handy- Weitwurf.

Für Tangermann und Kania ist es viel ernster. Sie wollen gewinnen. „Der Titel geht nach Dülmen”, sagen sie siegessicher. Dafür fließt seit Wochen jeden Mittwoch und Freitag ihr Schweiß in eine eigens aufgebaute Wettkampfsauna. Die sechseckige Schwitzkammer wird auf 120 Grad erhitzt. Alle 30 Sekunden wird - den Wettkampfregeln entsprechend - ein halber Liter Wasser auf den Ofen gekippt. „Das erhöht Luftfeuchtigkeit und Temperatur”, sagt Tangermann.

Die Wettkämpfer müssen in einer vorgeschriebenen bestimmten Haltung sitzen, dürfen sich nicht den Schweiß abwischen, nicht reden und vor allem ihre Kontrahenten nicht stören. Badekleidung ist vorgeschrieben - und zwar genau. Sogar die Trägerbreite der Badeanzüge für die Damen und die Schenkellänge der Badehosen für die Herren ist reglementiert. Mehr Stoff wäre schweißtreibend und käme einer Art unerlaubten Dopings gleich.

Wer kein ärztliches Attest vorlegt, dass er den Strapazen auch gewachsen ist, darf bei den Deutschen Meisterschaften gar nicht erst starten. Wer die Sauna nicht mehr „selbstständig und ohne fremde Hilfe” verlassen kann, wird disqualifiziert, heißt es in der Ausschreibung. Im vergangenen Jahr hatte Detlev Schneider aus Mecklenburg-Vorpommern den buchstäblich längsten Atem. Zwölf Minuten und 43 Sekunden lang hielt er es in der brütenden Hitze aus.