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Unna: Schneller als der Rettungsdienst? NRW-Kreise nutzen Ersthelfer-App

Unna : Schneller als der Rettungsdienst? NRW-Kreise nutzen Ersthelfer-App

Bis der Rettungswagen da ist, vergeht oft wertvolle Zeit. Für manchen Notfallpatienten kommt die Hilfe zu spät. Ein Arzt hat deshalb eine Smartphone-App erfunden, die geschulte Ersthelfer im Umkreis alarmiert. In vielen Fällen sind sie in weniger als fünf Minuten vor Ort.

Die Idee für die App „Mobile Retter” hatte der Arzt Ralf Stroop im ländlich gelegenen Halle in Westfalen. „Ich saß nach Feierabend zu Hause, das Handy vor mir auf dem Tisch, und hörte in der Nachbarschaft den Rettungswagen”, erzählt er. „Ich wohnte damals am Dorfrand und wusste, der braucht seine zehn Minuten hierher. Und ich dachte, dass ich am Einsatzort viel schneller Erste-Hilfe-Maßnahmen hätte einleiten können, wenn ich informiert gewesen wäre.” Heute bilanziert er: „Wir können Menschen benennen, die ohne den Einsatz der Mobilen Retter nicht überlebt hätten.”

Im Kreis Gütersloh, wo das 2015 das Pilotprojekt startete, gibt es nach Angaben des Trägervereins inzwischen über 500 Freiwillige aus Gesundheits- und Rettungsberufen, die zu über 650 Einsätzen gekommen sind. Im Kreis Unna läuft das Projekt seit Oktober 2016. Nach Kreis-Angaben gab es bis zum Jahresende bereits 211 Alarmierungen. 132 Mal waren Freiwillige daraufhin im Einsatz.

In 60 Prozent der Fälle seien sie in weniger als fünf Minuten vor Ort gewesen, berichtet Kreis-Ordnungsdezernent Dirk Wigant. Das Fünf-Minuten-Zeitfenster ist gerade bei Herz-Kreislauf-Stillständen wichtig, weil es schon nach wenigen Minuten ohne Sauerstoff zu irreparablen Hirnschäden kommen kann.

Im Kreis Unna gibt es inzwischen an die 400 mobilen Retter, ein großer Teil davon freiwillige Feuerwehrleute wie Jörg Buhrau. Der Müllwagen-Fahrer berichtet, wie einer seiner Kollegen ohne ausreichende Erste-Hilfe-Kenntnisse einmal hilflos habe dastehen müssen, als ein Mann vor seinem Wagen auf der Straße zusammenbrach. Trotz des Notrufs und der Hilfe der Rettungskräfte sei der Mann noch auf der Straße gestorben. „Für mich war klar, dass ich bei den Mobilen Rettern mitmachen will”, sagt Buhrau. „Um meinen Mitmenschen möglichst adäquat zu helfen.”

Das Projekt gibt es nach Angaben des Trägervereins neben Gütersloh und Unna inzwischen auch im bayerischen Ingolstadt, im niedersächsischen Bentheim und im pfälzischen Germersheim. Als sechster Standort ist laut Stroop Kleve geplant.

Ungeachtet der freiwilligen Ersthelfer und der beruflichen Retter solle sich aber jeder selbst zuständig fühlen zu helfen, betont ein Sprecher der Hilfsorganisation Malteser: „Wir sind sehr daran interessiert, dass jeder helfen kann. Das Falscheste ist, wenn man nichts macht.”

(dpa)