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Aachen: Sanftes Training statt Körperkult: Die neuen Fitnessangebote

Aachen : Sanftes Training statt Körperkult: Die neuen Fitnessangebote

Was ist eigentlich das beste Rezept gegen Kalorienattacken von Weihnachtsgans und Christstollen? Diese Frage stellt sich Sandra Vogl aus Leipzig schon seit einigen Wochen. Die 28-Jährige hat sich für einen Sportkurs mit Flexi-Bars entschieden - einem der neuen Fitnessangebote in diesem Jahr. Zunächst habe sie ein wenig schmunzeln müssen, als sie die Kursteilnehmer mit den langen, wippenden Stangen - den Flexi-Bars sah, erzählt Vogl.

„Doch als ich am nächsten Morgen meine Muskeln gespürt habe, war ich erstaunt.” Ziel der schwingenden Flexi-Bars sei, die Tiefenmuskulatur zu stärken.

Flexi-Bar ist einer der neuen Fitnesstrends, die den Traum von einer schlanken Figur und gesteigerter Kondition ein Stückchen realer werden lassen sollen. Die wichtigste Entwicklung heiße jedoch Medical Wellness und bezeichne eine Mischung aus medizinisch orientierter Fitness und Wellness, erklärt Personal Trainer Cyrus Rahman aus Hamburg, der gemeinsam mit Frank Lemmermann die Internetseite www.personalfitness.de betreibt.

„Wir sehen eine eindeutige Abkehr von leistungsorientiertem Training und Körperkult hin zu Work Life Balance”, sagt Lemmermann. Ein Beispiel für diese medizinisch orientierte Fitness sei, nicht einfach loszujoggen, sondern die eigenen Fähigkeiten und körperlichen Voraussetzungen zu analysieren und auch während des Trainings immer auf den Puls zu achten. Seine Prognose: Fitness 2007 ist eine Mischung aus fundierten medizinischen Grundlagen, gründlicher Vorbereitung und gesundheitsfördernder Bewegung.

„Viele der Studios gehen immer mehr in den Gesundheitsbereich und wollen auch Leute mit Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck ansprechen”, bestätigt Thomas Niewöhner, Geschäftsführer der Deutschen Fitnesslehrer Vereinigung in Baunatal (Hessen). Weiter im Programm seien auch Yoga-, Entspannungs- und Bauch-Beine-Po-Kurse. Fun-Kurse wie Aerobic und Step seien dagegen weiter rückläufig. „Die Leute wollen sich nicht mehr so auspowern.”

Sanfter Sport liegt auch nach Ansicht von Gabi Pfeifer weiter im Trend. Für sie ist und bleibt Nordic Walking eine der beliebtesten Sportarten. Es fördert die Gesundheit auf sanfte Art und Weise und bietet Bewegung an der frischen Luft, sagt die Referentin für Gesundheit und Fitness beim Deutschen Olympischen Sportbund in Frankfurt/Main. Daneben blieben auch Pilates, Yoga und die traditionellen Sportarten gut besucht.

Dome Workout, auch als Balance Pad Training bekannt, heißt der neue Trend im Studio A.J.9s Health and Fitness in München. „In diesen Workouts wird die Koordination geschult, das Gleichgewicht verbessert und die Tiefenmuskulatur trainiert”, erklärt Mel Krauss, Bereichsleiterin Fitness, das Training auf dem halbkugelförmigen, weichen Plastikkissen. Durch die Übungen auf der ungeraden Unterlage würden Nervenbahnen geschult und die Muskulatur gekräftigt. Dies verbessere die Haltung und straffe das Bindegewebe.

Vor allem Frauen besuchten Gruppenangebote wie das Dome Workout oder Yoga. „Männer trainieren hingegen überwiegend an den Maschinen und Ausdauergeräten”, sagt Krauss. Doch egal ob hipper Trend oder nicht: „Die gesunde Mischung macht´s. Wer Körper und Geist in Einklang bringen möchte, sollte sowohl Yogastunden besuchen als auch Kraft und Ausdauer trainieren.”

Individualisten, die sich keiner Gruppe anschließen möchten, rät Rahmann, sich selbst Strukturen zu schaffen. „Man kann sich zum Beispiel einen Sportpartner suchen, mit dem man sich fest und regelmäßig verabredet. Wenn einer nicht kommt, muss er den anderen abends einladen. Das steigert die Motivation.”