1. Panorama

Frankfurt a.M: Renaissance der Karteikarte

Frankfurt a.M : Renaissance der Karteikarte

Die Karteikarte - der Klassiker aus dem vorelektronischen Büro - erlebt eine Renaissance.

Immer mehr Menschen sind von der elektronischen Informationsverarbeitung enttäuscht und kehren zu den Vorzügen von Stift und Papier zurück. Wer nicht ständig seinen Laptop rumschleppen oder den elektronischen Organizer aus der Tasche kramen will, kann sein Leben offenbar sehr gut mit Karteikarten organisieren - vielleicht sogar besser. Vor allem aus den USA schwappt zurzeit eine Welle von neuen Organisationsmethoden nach Deutschland, die sich auf altbewährte Tugenden berufen.

Selbstorganisation bestehe nicht nur darin, einen elektronischen Kalender mit Terminen zu füllen, gibt das Edelversandhaus „Manufactum” in seinem Katalog zu bedenken - der Anbieter hat sich zum Ziel gesetzt, die „guten Dinge” früherer Zeiten wie Telefone mit Kabelanschluss oder mechanische Schreibmaschinen vor dem Vergessen zu bewahren.

Kreativität sei ein mit Nachdenken, Assoziationsbildung, Schreiben, Anstreichen - oder auch Männchenmalen - verbundener Prozess. Technik störe hier oft nur, „weil sie Aufmerksamkeit, Konzentration und Kreativität frisst.”

Für „24 Dinge, die Sie mit Karteikarten machen können” wirbt eine Internet-Seite (http://webworkerdaily.com): Möglich sind eine To-Do-Liste zum Merken von Aufgaben, man kann Notizen schreiben, darauf herumkritzeln oder Projekte nachverfolgen. Wer will, kann ganze Roman skizzieren, eine Liste mit den Lebenszielen erstellen oder schlicht Rezepte festhalten. Karteikarten dienen auch als Lernkarten zum Vokabeln pauken, als Einkaufszettel oder Buchliste - oder zur Organisation des gesamten Haushalts.

Wer mit solch einem System arbeitet, verzichtet auf teure, repräsentative Leder-Organizer oder Manager-Mappen: Es reicht ein Stapel bunter, preisgünstiger und stets austauschbarer Karteikarten, etwa im Format DIN-A-6 oder DIN-A-7, die mit sogenannten Foldback-Clips zusammengehalten werden, nur wenige Cent kostende Allzweck-Stahlklammern. Diese Loseblatt-Sammlung nennt sich „Hipster PDA” - PDA steht eigentlich für Personal Digital Assistant - und ist in den USA inzwischen Kult. Mittlerweile gibt es in den Staaten, aber auch in Europa eine regelrechte Bewegung, die in Internetforen Ratschläge zur Selbstorganisation und Terminplanung austauscht.

„Guru” der Szene ist der US-amerikanische Organisationsberater David Allen (Wie ich die Dinge geregelt kriege: Selbstmanagement für den Alltag. Piper-Taschenbuch). Auf seiner Homepage http://davidco.com fasst der kalifornische Management-Berater sein Erfolgskonzept zusammen. Allen zufolge muss der Kopf für die wirklich wichtigen Dinge im Leben konsequent entlastet werden.

Dies tut man, indem man alles - aber auch wirklich alles - in einem schriftlichen Ordnungssystem lückenlos erfasst. So wird der „Zwischenspeicher” des Gehirns geleert. In der Folge, verspricht Allen, stellen sich Kreativität, Tatendrang und Energie wie von selbst ein. Allerdings dürfe man die Dinge nicht auf die lange Bank schieben.

„Das Aufschreiben und Organisieren kostet anfangs natürlich ein wenig Zeit”, heißt es auf einer deutschen Webseite (http://zeitzuleben.de), dem nach eigenen Angaben größten deutschsprachigen Angebot für Lebensgestaltung. Aber mit etwas Routine stelle sich die „Erinnerungsmaschine Hirn” darauf ein, dass die„externe Erinnerungshilfe” - wie etwa Memos auf Karteikarten - funktioniere. Ab diesem Zeitpunkt wird man nicht mehr in unpassenden Momenten an unwichtige Dinge erinnert. „Die Folge: Sie arbeiten organisierter, konzentrierter und stressfreier und gewinnen damit Zeit und vor allem Gelassenheit.”