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Düsseldorf: „Pauline, laß das Reiben sein”

Düsseldorf : „Pauline, laß das Reiben sein”

Bis vor 100 Jahren war das Säubern schmutziger Wäsche ein knochenharter und ungesunder Job. Millionen Frauen rubbelten und wrangen tagtäglich am Waschzuber, umnebelt von ätzenden Dämpfen. Eine Zeitungsannonce, erschienen am 6. Juni 1907 in Düsseldorf, versprach Erlösung von der Schinderei.

Nicht weniger als das „erste selbsttätige Waschmittel” der Welt wurde da angekündigt - chlorfrei. Das Kochen der Wäsche für eine halbe Stunde sollte künftig reichen. Eine Revolution. In diesem Jahr feiert der Henkel-Konzern das 100. Jubiläum seines Saubermachers.

Dessen Name steht seit vielen Jahren sogar im Duden: Wer bei der Entnazifizierung nach dem Zweiten Weltkrieg mit weißer Weste dastehen wollte, ließ sich einen „Persilschein” ausstellen - so taufte der Volksmund spöttisch die entlastenden Bescheinigungen.

Aus den Hauptbestandteilen Perborat und Silikat schuf der hessische Lehrersohn Fritz Henkel nicht nur das Pulver, sondern aus den ersten Silben auch den Namen „Persil”, der noch vor dem Ersten Weltkrieg zu einer Weltmarke wurde. Das kleine grüne 250-Gramm-Paket für 35 Pfennig war mehr als doppelt so teuer wie die herkömmlichen Waschmittel und dennoch bald in jedem Ladenregal zu finden. „Pauline, laß das Reiben sein”, frohlockte die Reklame.

Schon 1908 produzierte Henkel 4700 Tonnen Persil, zwei Jahre später mehr als doppelt so viel und im Kriegsjahr 1915 bereits 32.446 Tonnen. Im ersten Weltkrieg war jedoch erst einmal Schluss: 1916 gab es nur noch ein „Kriegs-Persil” ohne Seifenzusatz. 1918 wurde die Produktion eingestellt. Zwei Jahre später kam Persil wieder auf den Markt - in „Friedensqualität”. Drei Jahre später gab es einen Rekord zu vermelden, und zwar das teuerste Persil. Am 26. November 1923, dem Höhepunkt der Inflation, kosteten 500 Gramm des Waschmittels 1,25 Billionen Mark.

Um den enormen Fettbedarf für die Waschmittel-Herstellung zu sichern, unterhielt Henkel in den 30er Jahren eine eigene Walfangflotte. Der Zweite Weltkrieg brachte die Produktion aber erneut zum Erliegen, das Hitler-Regime verordnete Einheits-Waschmittel. Das Wiedererscheinen von „Persil” 1950 nach elf Jahren wurde als Rückkehr in die Normalität gefeiert. Persil-Plakate an den Wänden, Fähnchen an den Straßenbahnen und Spruchbänder verkündeten: „Aus Düsseldorf kommt wieder Persil”.

Mit großem Werbeaufwand wurde die Marke von Anfang an gepflegt. Der erste Werbespot im Fernsehen flimmerte 1956 über die noch wenigen Mattscheiben. Mit dem Wirtschaftswunder verdiente auch Henkel mit Persil viel Geld.

Der verschärften Konkurrenz begegnete der „Persil-Mann” in den 80er Jahren im Fernsehen ganz konservativ: „Persil - da weiß man, was man hat”. Der bieder wirkende Slogan war in Wirklichkeit frech, denn Rezeptur und Form (Perlen, Gel) des Waschmittels wurden ständig verändert, um es zu verbessern oder neuen Kunstfasern und Waschmaschinen anzupassen - und auch dem wachsenden Umweltbewusstsein: Seit 1986 ist Persil phosphatfrei.

Den No-Name-Produkten der Discounter hat Henkel bislang trotzen können und seine Marktführerschaft in Deutschland mit einem Drittel Umsatzanteil zäh verteidigt. 1,3 Milliarden Maschinenladungen Wäsche werden im Jahr in Deutschland mit Persil gewaschen. Im Henkel-Konzern ist das Flaggschiff heute neben Klebstoffen und Kosmetik eine von drei tragenden Säulen. Mehr als 50.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr 12,7 Milliarden Euro Umsatz.