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Passau: Passauer Universität dokumentiert die Heldentaten des Alltags

Passau : Passauer Universität dokumentiert die Heldentaten des Alltags

Sie haben keine überirdischen Kräfte wie Supermann und sind auch keine unnahbaren Popstars. Dennoch haben sie Taten vollbracht, die ihnen einen Platz in der Heldendatenbank der Passauer Universität beschert.

Es geht um Menschen wie den Neunjährigen, der ein anderes Kind vor dem Ertrinken rettete. Oder die Schülerin, die leukämiekranken Kindern hilft. Oder auch der Fußballer, der absichtlich ein Eigentor schoss, um das unfaire Tor der eigenen Mannschaft auszugleichen.

Der Theologieprofessor Hans Mendl hat vor acht Jahren angefangen, eine Datenbank mit Helden quasi aus der Nachbarschaft aufzubauen - „Local Heroes” genannt. „Große Heilige sind heutzutage uncool und wirken oft so unnahbar wie die Rolling Stones”, meint Mendl. Ihm geht es deshalb um Männer, Frauen, Kinder, die in ganz alltäglichen Lebenssituationen etwas Besonderes geleistet haben.

Die Idee dazu kam dem Hochschullehrer schon im September 1997 nach dem Tod von Lady Diana und Mutter Teresa. „Da habe ich mir die Frage gestellt, welche Menschen sich als Vorbilder eignen”, erklärt der 48- Jährige. Dem Religionspädagogen war aus eigener Erfahrung klar, dass dies eben meist nicht die großen katholischen Heiligen sind. Mendl hat sich früher selbst eher für Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer begeistert statt für die Heilige Elisabeth, die sich vor fast 800 Jahren für Bedürftige und Kranke aufopferte.

Deshalb fing er an, Zeitungen nach Menschen mit Heldenpotenzial zu durchforsten. Einige Helden wurden ihm auch von anderen vorgeschlagen oder haben sich selbst nominiert. „Bei solchen Eigenbewerbungen bin ich jedoch sehr vorsichtig”, betont Mendl.

Denn schließlich gelte in Deutschland das Prinzip: „Tue Gutes und rede nicht darüber.” Deshalb reagieren nach Angaben des Professors die meisten „Helden” auch zurückhaltend und schüchtern auf ihre Aufnahme in die Datenbank, sie empfinden ihre Taten meist als selbstverständlich.

Etwa 400 „Local Heroes” hat Mendl inzwischen zusammen, kategorisiert nach Themengebieten wie Tugend, Zivilcourage und Barmherzigkeit. Die Datenbank soll den Blick schärfen für beispielhafte Menschen in der direkten Umgebung. „Vor allem soll sie Jugendliche ansprechen”, erklärt der Initiator. Mendl will insbesondere Anregungen liefern, um das Thema im Schulunterricht zu behandeln.

So nutzt auch die Lehrerin Vera Küppers aus Bad Münstereifel in Nordrhein-Westfalen seine Datenbank. Die 30-Jährige hat zuerst während ihrer Ausbildung von dem Passauer Projekt erfahren. „Die Favoriten der Schüler sind meist Menschen, die etwas ganz Außergewöhnliches geleistet haben”, erklärt Küppers ihre Erfahrungen mit dem Helden-Verzeichnis. Als Vorbild suchten sich die Kinder hingegen meist jemanden aus, der etwas weniger Ungewöhnliches geleistet hat - jemanden, dem die Kinder nacheifern können.

So geht es auch ihrem Schüler Moritz Raitz von Frentz. „Ich finde es spannend, von Menschen zu hören, die keine Heiligen sind und trotzdem tolle Taten vollbracht haben”, sagt der Zwölfjährige. Moritz erzählt, ihm sei klar geworden, dass fast jeder viel verändern kann: „Ich möchte jetzt in Zukunft auch versuchen, selbst mehr darauf zu achten und zu helfen.”