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Göttingen: „Nicht alle Untertassen im Schrank”: Dem UFO-Mythos auf der Spur

Göttingen : „Nicht alle Untertassen im Schrank”: Dem UFO-Mythos auf der Spur

Seit vor fast 60 Jahren der amerikanische Pilot Kenneth Arnold als erster ein nicht identifiziertes Flugobjekt (UFO) meldete, sorgen derartige Beobachtungen immer wieder für Spekulationen. Arnolds Meldung habe 1947 eine ganze „Welle von Sichtungen” ausgelöst, sagt der Göttinger Religionswissenschaftler Andreas Grünschloß. Das müsse allerdings auch vor dem Hintergrund des damals beginnenden Kalten Kriegs betrachtet werden, durch den sich die Menschen bedroht gefühlt hätten, so der Professor. Schon bald darauf aber habe die UFO-Thematik gleichsam religiöse Züge bekommen.

„1952 behauptete der Amerikaner George Adamski als erster, mit außerirdischen Raumfahrern in Kontakt zu stehen”, sagt Grünschloß. Nach Darstellung Adamskis machten sich die Aliens Sorgen um die Menschheit, die sich selbst zu zerstören drohe. Der Göttinger Wissenschaftler deutet diese Schilderungen des Amerikaners und „anderer Kontaktler” als weitestgehend religiöse Erlebnisse - Stimmungszustände also, in denen die betreffenden Personen etwa über stimmliche oder visuelle Wahrnehmungen berichten.

Anders bewertet der Wissenschaftler Berichte über angebliche Verschleppungen von Menschen in Raumschiffe. „Solchen Schilderungen, die in den 60er Jahren aufkamen, liegen zum Teil echte traumatische Erlebnisse zugrunde”, erläutert Grünschloß. So sei aus früheren Zeiten bekannt, dass Opfer, die nicht in der Lage seien, offen über erlittene Traumata zu sprechen, die Täterrolle stattdessen auf fiktive Personen, etwa böse Kobolde projizierten. Heutzutage würden in diese Projektionen auch vermeintliche Außerirdische gesetzt.

„Der UFO-Glauben fand sogar Eingang in die Lehren von verschiedenen religiösen Gruppen”, erläutert Grünschloß. So stamme zum Beispiel nach Vorstellung der umstrittenen Scientology-Gemeinschaft der unsterbliche Teil der Menschen von einem weit entfernten Planeten. Von dort seien die so genannten Thetanen auf Geheiß des bösen Alien Xenu in Raumschiffen auf die Erde verschleppt worden.

„UFOs spielen auch bei Gruppen wie Heaven´s Gate, den Raelianern oder dem Universellen Leben eine Rolle”, sagt der Religionswissenschaftler. Solche modernen Elemente machten die Gemeinschaften für Menschen attraktiv, denen herkömmliche Religionen nicht mehr zeitgemäß erschienen.

Nüchterne Skeptiker wie Werner Walter vom ufologiekritischen Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene in Mannheim gehören indes nicht dazu. Für ihn haben Menschen, welche die mutmaßlichen Brüder und Schwestern im All herbeisehnten, schlichtweg „nicht alle Untertassen im Schrank”.

Walter, der sich nach eigenem Bekunden als der „harsche Bariton im UFO-Kasperletheater” sieht, geht seit 1973 den immer wieder vorkommenden Sichtungen nach. Sein Interesse an der Materie sei durch eine rubinrote Erscheinung am Himmel geweckt worden, sagt der 49-jährige Hobbyastronom. Heute gehe er davon aus, dass Soldaten auf einem benachbarten Truppenübungsplatz seinerzeit Laser eingesetzt hätten.

Der gelernte Einzelhändler hat in den zurückliegenden Jahren viele solcher Sichtungen in detektivischer Kleinarbeit aufgeklärt. „Oft handelte es sich bei den vermeintlichen Raumschiffen um Wetterballons”, sagt Walter. Eindrucksvoll seien die „Feuerball-Boliden” - Meteoriten, die beim Eintritt in die Atmosphäre verglühten. Träten sie auf, stehe sein Telefon die Nacht über nicht still. Auch die am Sternenhimmel sich deutlich abzeichnenden Planeten Venus und Jupiter würden immer wieder für UFOs gehalten.