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Brüssel: Neue Chance für die Ex-Frau von Kindermörder Dutroux

Brüssel : Neue Chance für die Ex-Frau von Kindermörder Dutroux

Er entführte, vergewaltigte und tötete. Seine Opfer waren Mädchen und zwei junge Frauen. Der Name des Kindermörders Marc Dutroux brachte in den 1990er Jahren nicht nur Belgien zum Schaudern. Nun darf seine Komplizin wohl ein neues Leben beginnen.

Nach 16 Jahren soll seine Ex-Frau, die Mutter ihrer drei gemeinsamen Kinder, die Gefängniszelle gegen Räume eines Klosters tauschen. Die Entscheidung, die ein Gericht in Mons am Dienstag traf, löste eine heftige politische Debatte über das Recht von Schwerverbrechern auf vorzeitige Entlassung und Resozialisierung aus. Die Frau war 2004 als Komplizin von Dutroux verurteilt worden. Sie hat mehr als die Hälfte ihrer 30-jährigen Haft abgesessen.

Nun soll die Frau, die den Fahndern damals erzählte, Dutroux sei „ihr Gott”, ins Kloster umziehen. Die Gemeinschaft der Klarissen in Malonne nahe der belgischen Stadt Namur wird sie aufnehmen. Die Entscheidung sei den Schwestern nicht leicht gefallen, schreibt die Äbtissin. Da die Verurteilte jedoch keinen anderen Zufluchtsort habe finden können, hätten sie den Bitten der Anwälte nachgegeben. „Wir haben gedacht, dass niemand in unserer Gesellschaft gewänne, wenn man Gewalt auf Gewalt antworten ließe und so einen Schnellball(-Effekt) erzeugen würde”, schreibt die Äbtissin. „Frau M. ist ein menschliches Wesen und wie wir alle des Schlimmsten und des Besten fähig.”

Seine Mandantin sei „nicht mehr die gleiche Frau, die 96 ins Gefängnis gekommen ist”, glaubt ihr Anwalt Thierry Moreau. „Sie hat sich verändert, sie schämt sich, und sie will keinesfalls mit ihrer Freilassung provozieren. Sie will ihr Ansehen wieder herstellen.”

Für die Angehörigen der Opfer geht mit der Freilassung jedoch das Trauma weiter. Der Vater eines der Opfer ging am Dienstag an die Öffentlichkeit: Dutroux Ex-Frau sei „genauso schuldig wie Dutroux, und ich glaube, dass sie ihre Strafe bis zum Ende hätte abbüßen müssen”, sagte er der Nachrichtenagentur Belga. Der Anwalt der Opferfamilien, Georges-Henri Beauthier, legte den Angaben zufolge Berufung ein. Auch die Staatsanwaltschaft des Ortes Mons geht dagegen vor. Bis das Berufungsgericht entscheidet, bleibt die Frau in Haft.

Dutroux Helferin habe ihre Chance verspielt, als sie ein zweites Mal straffällig geworden sei, sagte die Politikerin Sophie De Wit, Abgeordnete der Mitte-Rechts-Partei N-VA, Belga. „Sie hatte diese Chance schon nach ihrer ersten Verurteilung, aber sie hat sie vergeudet.” Bereits 1989 hatten die Richter die Frau der Taten ihres Partners mitschuldig gefunden - schon damals hatte Dutroux minderjährige Mädchen entführt und vergewaltigt, und ging dafür ebenso wie seine Frau hinter Gitter. Statt ihre Haftstrafen abzusitzen, kamen er und seine Partnerin jedoch früher wieder frei - das Morden ging weiter.

Jahre später sagte seine Frau laut Belga den Ermittlern, sie sei „Gefangene ihrer Beziehung mit Dutroux gewesen. Es ist wie eine Droge ohne Gegengift”. Doch die Beziehung ist angeblich Geschichte. Dutroux bleibt hinter Gittern - und seine Ex-Frau erhält wohl ein Stückchen Freiheit.