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Essen: Nervenkitzel in 15 Metern Höhe: Klettergärten werden immer beliebter

Essen : Nervenkitzel in 15 Metern Höhe: Klettergärten werden immer beliebter

Schon der Aufstieg über eine Hängeleiter kostet Überwindung. In 15 Metern Höhe angekommen, steht der Freizeitkletterer mit Angstschweiß auf der Stirn auf einer offenen, nur einen Meter breiten Holzplattform direkt am Baum. Mit weichen Knie geht es weiter über dünne Stahlseile und wackelige Brücken.

Bei der rasanten Fahrt per Seilbahn hinunter zur nächsten Station schießt Adrenalin in den Körper - ein berauschendes Gefühl. Das Klettern in Hochseilgärten gleicht einer Achterbahn der Emotionen. Der Freizeitsport wird in Nordrhein-Westfalen immer beliebter. Nach Schätzungen des Hochseilgarten-Verbandes gibt es landesweit rund 50 dieser „Abenteuerspielplätze” für Erwachsene, bundesweit sind es etwa 400.

Ungefähr die Hälfte aller Hochseilgärten sei erst in den letzen drei bis vier Jahren entstanden, sagt der Verbandsvorsitzende Valentin Kern. „Das Interesse hat in letzter Zeit stark zugenommen.” Erst im April eröffnete im sauerländischen Arnsberg der „Naturklettergarten Wildwald”. Hier kann man nicht nur klettern, sondern auch gleich Wildtiere beobachten und einiges über das Ökosystem lernen.

Ob im Münsterland oder in Westfalen - mittlerweile kann man fast überall den Boden unter den Füßen verlieren. In allen Seilgärten klettern die Besucher in luftiger Höhe, doch es gibt auch Unterschiede. Manche Gärten sind eher auf den individuellen Spaß ausgerichtet, andere haben ihren Schwerpunkt in der Gruppenpädagogik, sagt Kern.

Das macht sich auch im Preis bemerkbar. In einem auf Funsport spezialisierten Seilgarten kostet ein ganzer Tag um die 20 Euro. Ein Hochseilgarten-Training in der Gruppe mit Trainer kommt dagegen auf 45 Euro bis 85 Euro pro Person. So ist zum Beispiel die „Erlebniswelt Seillandschaft” in Ratingen bei Düsseldorf speziell auf Kommunikation und Kooperation in der Gruppe ausgelegt. „Die Aufgaben im Kletterparcours lassen sich nur im Team lösen”, erklärt Trainerin Marion Schindler. „Besonders große Firmen, deren Mitarbeiter sich kaum kennen, nutzen die Programme.”

Aber auch für Schulklassen biete sich ein solches Teamtraining an. Hier werden die Kletterer durch den ganzen Parcours von einen Trainer begleitet. Außerdem werden Reflektionsgespräche angeboten. Ganz anders sieht das im Hochseilgarten „Tree to Tree” in Oberhausen aus. Hier geht es in erster Linie um Spaß und um Eigenverantwortung. Kleine und große Besucher können nach einer kurzen Einführung direkt selber los legen. Inhaber Martin Bürgers: „Wer die Erfahrung macht, schwierige Situationen allein zu überwinden, der stärkt sein Selbstbewusstsein enorm.”

Seit der Park im März 2006 eröffnet habe, seien die Besucherzahlen stetig angestiegen. „Der Hochseilgarten kommt sehr gut an. An einem Wochenende haben wir etwa 300 Besucher.” Wagemutige aus ganz NRW kommen in die Revier-Stadt, um im Park Bäume zu erklimmen. Für Vera Hahner und Matthias Rott aus Bonn hat sich der weite Weg gelohnt. „Eine unvergessliche Erfahrung. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass es so anstrengend ist”, sagt die 22-Jährige.

Auch Christian Block und Günther Klein stehen die Schweißperlen auf der Stirn. Die beiden Kölner haben sich an den „sportlichen” Parcours in 15 Meter Höhe gewagt. „Wenn man seine Angst einmal überwunden hat, dann macht es richtig Spaß.”