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Monaco beweint das Ende einer Ära

Monaco beweint das Ende einer Ära

Monte Carlo. Die Trauer und das Leid in Monaco sind echt. Verwaist fühlen sich die Bewohner des kleinen Fürstentums am Mittelmeerrand seit gestern, dem Todestag von Rainier III.. Europas dienstältester Staatschef und einziger absoluter Monarch in Personalunion, der am 31. Mai 82 Jahre alt geworden wäre, erfreute sich bei seinen Untertan einer großen und unverfälschten Beliebtheit.

Dabei war Rainier ein diskreter Mann. Das verstorbene Oberhaupt des Grimaldi-Geschlechts hat nie Wert auf Glanz und Rummel gelegt und seine Repräsentationsaufgaben erledigte er eher aus Pflichtbewusstsein denn aus Neigung. Eine Tendenz, die sich nach dem tragischen Unfalltod seiner Frau, dem Ex-Hollywood-Star Grace Kelly, noch verstärkt hatte. Denn von dem schweren Schicksalsschlag, der das Traumpaar am 14. September 1982 auseinandergerissen hatte, erholte sich der Fürst nie mehr richtig.

Gracia Patricia verunglückte in ihrer Limousine mit Stéphanie auf dem Nebensitz in einer gefährlichen Kurve auf dem Weg zum Felsen-Palast. Die Fürstin starb im Hospital, ihre Tochter kam mit erheblichen Verletzungen davon. Grace Kelly und Rainier hatten am 18. April 1956 geheiratet. Über 30 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten damals die Märchenzeremonie.

Auch wenn Prinz Louis Henri Maxence Betrand Rainier zur Zurückhaltung neigte, so wusste er doch, dass eine geschickte Selbstinszenierung die beste Werbung für sein stark vom Tourismus abhängiges Zwei-Quadratkilometer-Reich war. Zur Welt kam „Seine Durchlauchtigste Hoheit” am 31. Mai 1923 in Monaco als Sohn der Erbprinzessin Charlotte von Monaco und des Grafen Pierre de Polignac. Seine Jugend verbrachte Rainier in Schweizer und in englischen Internaten. Danach besuchte er die Universität von Montpellier und die renommierte Ecole de Sciences Politiques in Paris. Als sein Großvater Fürst Louis II. am 9. Mai 1949 starb, trat Rainier knapp 26-jährig die Herrschaft an. Feierlich inthronisiert wurde der neue Herrscher am 11. April 1950.

Beeindruckende Bilanz

Er konnte eine beeindruckende Regierungsbilanz vorweisen. Einst lebte das Steuerparadies Monaco hauptsächlich von seinem weltberühmten Spielkasino. Doch Rainier führte den Ministaat in die Moderne. Konsequent lockte er Unternehmer ins Land, heute geben Chemie, Pharmazie, Kosmetik und Feinmechanik den Ton an. Monaco, das 33.000 Menschen, darunter lediglich 6000 gebürtige Monegassen, Arbeit bietet, weist eine Arbeitslosenquote von Null vor. Darauf war der Fürst ebenso stolz wie auf die Tatsache, als einziger Staatsmann sein Land ohne Krieg vergrößert zu haben. 40 der 195 monegassischen Hektar nämlich wurden dem Meer abgetrotzt.

Diese stille Entwicklung zum Modellstaat prägt jedoch keineswegs das Image des Fürstentums. Vor allem für die Franzosen ist Monaco nicht mehr als ein Felsen am malerischen Ufer des Mittelmeers. Ein Felsen des Luxus freilich, der den Reichen und Schönen ein irdisches Paradies ist. Rainier leitete seinen kleinen Küstenstreifen wie ein Unternehmer. Das Verhältnis zur „Schutzmacht” Frankreich blieb weitgehend intakt.

US-Kapital, betuchte Spieler, schwerreiche Rentner und Investoren machten den Liliputstaat zu einer Oase des Jetsets und der Supervermögenden. Französische Abgeordneten kritisierten in einem Bericht undurchsichtige Bankgeschäfte und äußerten den Verdacht von Geldwäsche größten Stils. Rainier dementierte verärgert. Er habe sich nichts vorzuwerfen. Doch die OECD erwartet noch immer, dass Monaco seine Finanztransaktionen transparent macht.

Monaco und die Skandale: Vor allem Rainiers Kinder haben stets dafür gesorgt, dass das Fürstenhaus der Grimaldis in den Schlagzeilen blieb. Europas Boulevardpresse wäre in Nöten ohne die Eskapaden von Caroline (48), Stéphanie (40) sowie Erbprinz Albert (47). Am tollsten trieb und treibt es Nesthäkchen Stéphanie.

Obwohl er seit zehn Jahren an Herz- und Lungenerkrankungen litt, hielt Rainier das Zepter fest in der Hand, bis er am 7. März mit einer Lungenentzündung in die Klinik kam. Die vergangenen zwei Wochen wurde er auf der Intensivstation künstlich beatmet, auch Herz und Nieren mussten technisch unterstützt werden. Am Donnerstag übernahm dann Albert offiziell die Regentschaft, da sein Vater die Amtsgeschäfte nicht mehr wahrnehmen konnte.