1. Panorama

Hamburg: Mit Helm und Gummistiefeln über die Elbphilharmonie-Baustelle

Hamburg : Mit Helm und Gummistiefeln über die Elbphilharmonie-Baustelle

Wenn man die kleine Treppe hochsteigt und seinen Kopf durch die Öffnung steckt, dann kann man ihn schon erleben: den Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie, das Herzstück des spektakulären Gebäudes auf einem ehemaligen Speicher in der Hafencity, das im Frühjahr 2012 eröffnet werden soll.

Im Pavillon Elbphilharmonie - in Sichtweise der Großbaustelle - können die Besucher schon einmal das 1:10-Modell des japanischen Akustikers Yasuhisa Toyota bestaunen - eine Mischung aus Mailänder Scala und Berliner Philharmonie. Monatelang hat der Japaner, der zu den weltweit führenden Akustikern zählt, an dem Modell gearbeitet, um herauszufinden, wie Schall und Echo in dem Saal klingen, damit der Konzertsaal einmal zu den Besten der Welt gehört.

Hier, am Info-Pavillon an den Magellan-Terrassen, beginnen auch die kostenlosen, sonntäglichen Führungen über die zurzeit „anspruchsvollste Hochbaustelle Europas”. Im Umkleideraum erhalten die rund 20 Teilnehmer einen weißen Bauhelm mit Elbphilharmonie- Emblem und knallgelbe Gummistiefel.

„Das ist für mich der schönste Weg zur Elbphilharmonie - zu Fuß entlang am Grasbrookhafen”, sagt Karl Olaf Petters von der Hamburger Kulturbehörde, der die Gruppe heute über die Baustelle führt. Wenn die neue U-Bahnlinie U4 fertig ist, werden die Besucher denselben Weg gehen können - oder mit dem Schiff am Anleger Elbphilharmonie aussteigen. Wer mit dem Auto kommt, kann direkt ins Parkhaus im ehemaligen Kakaospeicher fahren.

Von dort führen dann 20 Aufzüge nach oben - oder man fährt mit einer spektakulären gebogenen Rolltreppe bis zur Plaza - einer Aussichtsplattform in 37 Metern Höhe, die allen Hamburgern und Touristen offensteht - nicht nur den Konzertbesuchern. „Die Rolltreppe ist eine Weltneuheit, die noch nie gebaut wurde”, erklärt Petters, der die Gruppe nun durch das Treppenhaus der Baustelle nach oben führt. Ursprünglich sollte der gesamte Kakaospeicher als Parkhaus genutzt werden, jetzt sind im hinteren Bereich Gastronomie, Backstage und ein dritter Konzertsaal mit 170 Plätzen untergebracht. „Hier wird einmal der Chor des NDR-Sinfonieorchesters proben oder Kinder an Musik herangeführt”, erklärt der 41-Jährige.

„Wow, ist das ein Ausblick!”, entfährt es einer Teilnehmerin, als die Besichtigungsgruppe an der Plaza angekommen ist. Von hier oben haben die Besucher einen traumhaften Rundumblick über die Elbe und den Hafen mit seinen Containerterminals, die Hamburger Innenstadt mit Michel und Rathausturm. „Ich bin mir total sicher, dass das einmal der Ort sein wird, an den alle Hamburger ihre Besucher führen werden”, meint Petters. Hier, wo jetzt noch tausende Stützpfähle die Aussicht behindern, wird einmal eine 1,10 Meter hohe Glaswand die Besucher vor Wind und Wetter schützen, ein Café wird zum Verweilen einladen. Im vorderen Bereich liegt die Lobby des Luxushotel, in der Mitte die Eingänge zum kleinen und großen Konzertsaal und im hinteren Bereich der Zugang zu den Privatwohnungen.

Im Moment arbeiten die Handwerker am 14. von insgesamt 26 Stockwerken. 110 Meter hoch wird sich der Glaspalast von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron einmal in den Hamburger Himmel erheben - mit einer Dachterrasse in 75 Metern Höhe für die Konzertbesucher. Vier Kräne rahmen die Baustelle ein, deren Ausleger sich in etwa 90 Metern Höhe drehen. Blaue Windschutzwände schützen die Arbeiter, die mittlerweile beim Großen Saal, dem Herzstück des gesamten Gebäudes, angelangt sind. Die Bühne befindet sich in der Mitte des Raumes. Hier soll ein komplettes Orchester nebst Chor Platz finden. Das Publikum gruppiert sich um die Bühne. Für die optimale Akustik sorgt ein Reflektor von 15 Metern Durchmesser an der Decke - sollten die Berechnungen von Herrn Toyota stimmen.