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Essen: Mietnomaden verursachen hohe Schäden

Essen : Mietnomaden verursachen hohe Schäden

Der Schock sitzt bei Renate Ostmann (Name geändert) tief. All ihr Geld hatte die Essenerin in ihr Häuschen gesteckt, um es schließlich vermieten und als Altersvorsorge nutzen zu können. Doch statt Geld bringen ihr die Mieter nun nur Ärger.

„Im ersten Monat ging die Miete noch bei mir ein, danach habe ich meist vergeblich darauf gewartet”, erzählt Ostmann. Für den Eigentümerverband Haus und Grund ist die Sache klar: Bei der Essenerin haben sich sogenannte Mietnomaden eingenistet, Menschen, die ihre Miete nicht zahlen, irgendwann nach einem langen Rechtsstreit die Wohnung verlassen und sich in einer neuen Wohnung einnisten - wieder, ohne ans Zahlen zu denken.

Rund 15.000 solcher Mietschuldner sind nach Schätzungen des Eigentümerverbands derzeit in Deutschland unterwegs. Wie viele sich davon aktuell in Nordrhein-Westfalen niedergelassen haben, ist unklar. Der Bundesverband Haus und Grund in Berlin geht davon aus, dass jeder Mietnomade durch Mietausfälle, Gerichtskosten und Räumungen einen Schaden in Höhe von 30.000 Euro verursacht.

Auf den Kosten bleiben meist die Vermieter sitzen, ebenso auf den Säuberungs- und Renovierungsarbeiten, die oft nötig sind, wenn die Mieter ihre nicht selten vermüllte und beschädigte Wohnung verlassen haben.

Dabei handelten die Mietschuldner nicht unbedingt aus wirtschaftlicher Not, sondern mit kriminellem Vorsatz, sagt Werner Weskamp, Verbandsdirektor von Haus und Grund Ruhr. „Sie wissen schon bei der Vertragsunterzeichnung, dass sie nicht zahlen werden. Vielleicht kommt noch die erste Miete, danach aber nichts mehr”, berichtet Weskamp.

Besonders oft betroffen seien Privatvermieter. „Privatleute vertrauen häufiger darauf, dass ein Handschlag ein Handschlag ist. Wohnungsgesellschaften sind da misstrauischer und überprüfen ihre potenziellen Mieter besser”, sagt der Verbandsdirektor. Viele, die auf einen Mietnomaden reingefallen seien, schämten sich später, so gutgläubig gewesen zu sein.

Er empfiehlt daher auch Privatleuten, sich vorab über zukünftige Mieter zu informieren, etwa Auskünfte bei der Schufa oder anderen Auskunfteien zu einholen. Das sei allerdings nur möglich, wenn der Mieter auch zustimme. Von Auskünften über eine der Datenbanken im Internet, in denen angebliche Mietnomaden verzeichnet sein sollen, rät Weskamp jedoch ab. „Wir haben da datenschutzrechtliche Bedenken”, sagt er.

Der Mieterschutzbund NRW wird noch deutlicher: „Solche Datenbanken sind diskriminierend”, sagt Mirco Theiner, der Geschäftsführer der Mieterschutzvereinigung. Bei den meisten könne jeder einfach einen Namen in die Datenbank eintragen lassen. Ein rechtskräftiges Urteil, dass es sich bei der Person tatsächlich um einen mutwilligen Mietschuldner handle, werde von den Betreibern oft nicht verlangt.

Überhaupt hält Theiner die Diskussion über sogenannte Mietnomaden für übertrieben. Das Problem sei weit weniger dramatisch als oft dargestellt. „Natürlich gibt es überall Betrüger”, sagt Theiner. Die meisten Mieter kämen ihren Verpflichtungen aber pünktlich nach.

Für Renate Ostmann ist das allerdings kein Trost. Gleich die ersten Mieter, die sie in ihr Haus ließ, nachdem sie selbst 2007 ausgezogen war, zahlten ihre Miete eben nicht - und das, obwohl sie sich zuvor sogar über die dreiköpfige Familie informiert hatte. „Die Auskunft war positiv”, berichtet die Essenerin. Was sie damals jedoch nicht wusste: Die neuen Mieter hatten für die Überprüfung eine Briefkastenadresse in Düsseldorf angegeben, wo sie nie gewohnt hatten.

Nun hat Ostmann den Schaden: Auf rund 13.000 Euro belaufen sich inzwischen die Mietrückstände. Hinzu kommt der nun schon über ein Jahr andauernde Rechtsstreit mit den Mietern, der an den Nerven zehrt. „Man hat den Eindruck, der andere ruiniere die ganze Existenz”, sagt Ostmann resigniert. Ihr Haus jedenfalls will die Essenerin nicht mehr vermieten, wenn der Rechtsstreit einmal beendet ist. „Lieber lasse ich es leerstehen, dann habe ich wenigstens keinen Ärger.”