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Berlin/Calw: Letzte Männer-Bastion der Bundeswehr fällt

Berlin/Calw : Letzte Männer-Bastion der Bundeswehr fällt

Für die Frauen heißt jetzt die Parole: Auf zur härtesten Truppe der Bundeswehr. Zum ersten Mal will das streng geheime Kommando Spezialkräfte (KSK) Soldatinnen auch als harte Kämpferinnen - als „Kommando-Soldatinnen” - in seine Reihen aufnehmen.

Bislang hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin noch keine Frau die harten Anforderungen des KSK erfüllen können. Ein extra Trainingsprogramm soll mittelfristig Abhilfe schaffen.

Im Unterstützungsbereich kann das KSK schon seit längerem auf Soldatinnen zurückgreifen. Frauen seien mittlerweile „unverzichtbar”, sagte der Inspekteur des Heeres, General Hans-Otto Budde, am Dienstag. Doch sei auch das KSK insbesondere bei Auslandseinsätzen auf weibliche Soldaten angewiesen.

Der Kommandeur der KSK, General Hans-Christoph Ammon, hatte vor Kurzem zu verstehen geben, dass in einigen Jahren auch KSK-Soldatinnen an vorderster Front in Afghanistan eingesetzt werden können. Die Bundeswehr ist zuversichtlich, dass Frauen durch gezielte Vorbereitungen und Trainingsmethoden die harten Bedingungen für kämpferische Einsätze bald erfüllen können.

Bewerberinnen für den Einsatz als Kommando-Soldatinnen gibt es nach Aussage eines Bundeswehrsprechers bereits seit einiger Zeit. Zahlen wollte er nicht nennen. Wenn die Frauen als Kommando-Soldatinnen eingesetzt werden können, ist die letzte Bastion im „Männerclub” der Bundeswehr gefallen.

Frauen sind schon seit Jahren in allen anderen Bereichen der Streitkräfte vertreten. Sie fliegen beispielsweise Kampfmaschinen und steuern Kampfpanzer. Als einzige Generalin leitet Frau Dr. med. Erika Franke das Krankenhaus der Bundeswehr in Ulm.

Die Überlegungen zum harten Einsatz der Soldatinnen bei der KSK werden seit längerem angestellt. Sie sollen dazu beitragen, das Bewerberpotenzial zu erhöhen. Denn in Calw im Schwarzwald stationierte Eliteeinheit ist seit ihrer Gründung 1996 unterbesetzt, weil die Anforderungen stets extrem hart waren. Die Sollstärke von 400 „Kämpfern” plus 600 Unterstützungskräften wurde nie erreicht.

Allerdings sind Frauen in Unterstützungskompanien schon vertreten. Die KSK-Soldaten sind vor allem in Afghanistan im Einsatz. Bereits Ende 2001 waren sie bei der Erstürmung der Bergfeste Tora Bora des Al-Qaida-Anführers Osama Bin Laden dabei. Der Terrorchef konnte damals in letzter Minute entkommen.

Heute sind KSK-Kommandosoldaten vor allem zum Schutz der Bundeswehrcamps in Nordafghanistan eingesetzt. Sie sollen ihre Kameraden vor Angriffen der Taliban schützen. Allerdings ist im ISAF-Hauptquartier in Kabul nach ddp-Informationen zwischen den alliierten Kommandeuren eine heftige Diskussion entstanden, nachdem KSK-Soldaten nicht auf einen flüchtenden Taliban-Führer geschossen haben.

Amerikanische und britische Offiziere hätten klar gemacht, dass „sie grundsätzlich auf Taliban-Kämpfer schießen - unter allen Umständen”. Die deutschen Soldaten aber haben strikte Anweisung, nicht gegen flüchtende Personen, die erkennbar von ihrem Angriff abgelassen haben, von der Schusswaffe Gebrauch zu machen.