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Münster: Künstler aus Münster arbeitet an feindlicher Übernahme von BP

Münster : Künstler aus Münster arbeitet an feindlicher Übernahme von BP

Der Künstler Ruppe Koselleck hat sich die feindliche Übernahme des britischen Mineralölkonzerns BP zum Ziel gesetzt. Von seinem sogenannten Übernahmebüro in Münster aus verkauft der 43-Jährige seine Kunstwerke, die er aus Ölklumpen von den Stränden dieser Welt fertigt und finanziert so den Ankauf von BP-Aktien.

Am 1. Oktober soll Robert Dudley neuer Chef des wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko in die Kritik geratenen Mineralölkonzerns BP werden und den noch amtierenden Firmenboss Tony Hayward beerben. Eine Übergangslösung, ginge es nach Ruppe Koselleck.

Der Künstler aus Münster sieht sich selbst als zukünftigen Mann an der Spitze des britischen Unternehmens. Durch den Verkauf seiner Kunstwerke, die er aus Ölklumpen von den Stränden dieser Welt fertigt, finanziert der 43-Jährige den Ankauf von BP-Aktien - mit dem Ziel einer feindlichen Übernahme und der anschließenden Zerschlagung des Konzerns.

Wie ein Spinner wirkt Ruppe Koselleck hinter seinem Schreibtisch im sogenannten Übernahmebüro in einem alten Speicher im Hafen von Münster nicht. Sein Anliegen, möglichst viele Anteile von BP zu übernehmen, ist durchaus ernst gemeint, auch wenn er es mit einem gewissen Augenzwinkern verfolgt. Und wenn der Konzeptkünstler mit Hang zum Umweltschutz so mit verschränkten Armen dasitzt, sieht es aus, als übe er für die Zeit als Chef.

Noch erinnert er mit seiner ölverschmierten, grünen Jacke aus alten BP-Beständen allerdings eher an einen Tankwart. Auf seiner Brust prangt ein altes BP-Firmen-Logo. Das neue, einer Sonne oder Blume nachempfundene Markenzeichen ist ein Grund für Kosellecks Kampf. Es zeige das Bemühen von BP, sich ein „grünes Image” zu verpassen, sagt er und deutet auf eine Werbebroschüre des Konzerns aus dem Jahr 2002 mit romantischen Naturaufnahmen und dem Titel: „Wer die Natur betrachtet, sieht die Welt mit anderen Augen”. Hätte Koselleck noch Haare, er würde sie raufen. „Der Grund, warum ich BP übernehme, ist diese Werbung”, sagt er.

Alles fing damit an, dass er vor neun Jahren seiner Tochter beim Strandurlaub in Holland angespültes Öl vom Fuß kratzen musste. Seither treibt ihn „eine Mischung aus Wut und Ohnmacht” an, gegen die globale Verschmutzung der Meere durch Ölfirmen zu kämpfen.

Aber warum ausgerechnet BP und nicht Shell oder Exxon Mobil? Das Marketing des britischen Konzerns sei einfach noch „geschickter” als das der übrigen Wettbewerber. Und die Umweltkatastrophe nach der Explosion der im Auftrag von BP betriebenen Bohrinsel Deepwater Horizon habe seine Wut noch gesteigert. Eines seiner jüngeren Werke hat Koselleck daher „Deephorizontale Impressionen in Öl” genannt.

Kunsthistoriker Stephan Trescher sagt über die Arbeit Kosellecks, sie bestehe aus „unterschiedlich ausgefeilten Bildern”. Manchmal seien sie nur „eine spontane Geste, die nicht viel mehr als eine Spur hinterlässt”. Etwa wenn der Künstler mit weichen Ölklumpen aus dem US-Bundesstaat Alabama oder solchen aus St. Peter-Ording über ein Blatt Papier, BP-Werbeprospekte oder Tüten aus alten Tankstellen-Shops schmiert. „Aber es gibt auch Bilder, die in ihrer Gestaltung formal viel strenger durchorganisiert sind”, betont der Kunstexperte.

So gebe es auch „bildhafte Werke”, für die Sammler mehr als Tausend Euro hinlegten. „Bei diesen Bildern gehört dann aber eine Geschichte dazu”, erklärt Koselleck und verweist auf Werke, die er direkt am Strand von Florida angefertigt hat. Trescher beschreibt es so: „Mit einer künstlerischen Idee zu kommen und das zurückzubinden an gesellschaftliche Realitäten, das zeichnet ihn aus.”

Den Preis seiner übrigen Kunstwerke hat Koselleck an den Aktienkurs von BP gekoppelt. Viel Geld spült die Kunst daher bei dem aktuell schwächelnden Wert von drei bis vier Euro pro Aktie nicht in die Kasse. Das schmerzt den Künstler wenig, investiert er die Verkaufserlöse zur Hälfte doch umgehend in neue Aktien des Konzerns.

1.047 besitzt er bereits. Rund neun Milliarden, so Kosellecks Schätzungen, bräuchte er für eine feindliche Übernahme. Um seinen ungewöhnlichen Kampf voranzutreiben, begleiten Ausstellungen seiner Werke meist auch temporäre Übernahmebüros. Das nächste eröffnet am 2. Oktober in Freiburg.

Dass sein Unterfangen dennoch aussichtslos ist und er, der David, den Goliath BP nicht besiegen kann, weiß Koselleck. Es sei „so vergeblich wie vergnüglich”. Deshalb ist auch nicht die „reale Umsetzung” der Übernahme sein Ziel. Aber: „Jeder Ölfund ist real!”

Einen Boykott von BP zu fordern, gehe ihm, der selbst bei der BP-Tochter Aral tankt, allerdings zu weit. Der Konzern ist dennoch wenig „amused” und verweigerte auf Anfrage jeden Kommentar zu Kosellecks Arbeiten.

Dabei hat der Künstler nach eigenen Angaben schon positive Erfahrungen mit BP-Mitarbeitern gemacht. Eine Abteilung des Konzerns habe den Künstler auf einem Betriebsausflug besucht. Öl-Kunst hätten sie zwar nicht gekauft, aber alle hätten eine Postkarte mitgenommen, auf denen stand: „Das Leben ist zu kurz für den falschen Job.”