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Nürburg: Kreislaufkollaps und Liebeskummer: Hilfe bei „Rock am Ring”

Nürburg : Kreislaufkollaps und Liebeskummer: Hilfe bei „Rock am Ring”

Mit bebenden Lippen liegt die junge Frau auf einer Liege. Ein Sanitäter gibt ihr Tropfen, damit sie wieder auf die Beine kommt. Schwächeanfälle gehören zu den Problemen, mit denen es die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) beim größten deutschen Musikfestival „Rock am Ring” in der Eifel häufiger zu tun haben.

Hinzu kommen gebrochene Knochen, Prellungen, Schnittwunden und diverse Folgen von zu viel Alkohol. Rund 80.000 Fans haben Karten für das dreitägige Festival ergattert, das in diesem Jahr erstmals schon vor dem Start ausverkauft war. Um ihr körperliches und geistiges Wohl kümmern sich rund 770 Sanitäter, Ärzte und einige Seelsorger.

Seit etwa fünf Stunden ist der Arzt Klaus Hindrichs (49) im Einsatz. In der Zeit hat er nach eigenen Angaben „das gesamte medizinische Spektrum” erlebt. Zwei Patienten mussten mit Hubschraubern ins Krankenhaus geflogen werden. In einem Fall war ein angetrunkener Fan abseits des Festivalgeländes auf einen Jagdhochsitz geklettert und hinuntergefallen. Bei einem anderen Besucher bestand der Verdacht auf einen Magendurchbruch. „Das hat mit dem Fest nichts zu tun. Das war reiner Zufall”, meint Hindrichs, der Chefarzt der Chirurgie im Krankenhaus Adenau (Rheinland-Pfalz) ist.

Im „Medical Center” stehen die Fans vor allem abends und nachts mit ihren kleinen und großen Problemen Schlange. Einer hat unfreiwillig einen Schneidezahn verloren, einer hat sich den Knöchel verstaucht. Drogen spielen auch eine Rolle, wenn auch eine untergeordnete, wie Hindrichs sagt. Der Arzt hält jedoch keine Moralpredigten. „So lange es Menschen gibt, gibt es Feste.” Und auf allen Festen gebe es Leute, die über die Stränge schlügen. „Das haben die Römer schon gemacht, das hat es in den 60er Jahren bei Woodstock gegeben, und das gibt es heute bei „Rock am Ring"”, meint Hindrichs.

Bei seelischem Leid helfen ein paar Meter weiter haupt- und ehrenamtliche Seelsorger. Zu ihnen gehört auch der Bürgermeister der nahen Verbandsgemeinde Kelberg, Karl Häfner (55). Er berichtet von Fans, die nach tagelangem Alkoholrausch von Depressionen übermannt werden und von Pärchen, die sich auf dem Festival kräftig in die Haare geraten.

Zu tun haben es die Helfer aber auch mit Fans, die in der Dunkelheit der Nacht völlig die Orientierung verloren haben und ihren Zeltplatz nur noch mit Worten wie „da war viel Wald” beschreiben können. Manche Einsätze berühren auch die Seelsorger sehr stark. „Wir hatten einen Fall, da mussten wir eine Todesnachricht überbringen, weil zu Hause jemand gestorben war”, erzählt die ehrenamtliche Mitarbeiterin Annegret Koch (47).

Dass es heute Seelsorger bei „Rock am Ring” gibt, geht auf eine Elterninitiative zurück: Die Kinder der Ehrenamtlichen aus Kelberg vergnügen sich oft selbst bei dem Festival. „Wenn bei denen was wäre und man weiß, es ist jemand vor Ort, an den sie sich wenden können, ist das beruhigend”, meint Koch.