1. Panorama

Berlin: Kreisch-Alarm im Kinderzimmer: Neues Album von Tokio Hotel

Berlin : Kreisch-Alarm im Kinderzimmer: Neues Album von Tokio Hotel

Aus Deutschlands Kinderzimmern werden bald neue und doch vertraute Töne erklingen: Am Freitag, 23.2., erscheint das zweite Album der erfolgreichen Teenie-Band Tokio Hotel. Damit scheint gesichert, dass auch weiterhin hunderte Pubertierende ihre Idole bei Konzerten hysterisch feiern werden.

Musikalisch knüpft die Platte mit dem neugierig machenden Titel „Zimmer 483” an seinen Vorgänger „Schrei” an - nur dass der mittlerweile 17 Jahre alte Sänger Bill den Stimmbruch nun hinter sich hat und deutlich tiefere Töne anschlägt.

Die zwölf Songs des neuen Albums, deren Klang auch mal an den der Bands Linkin Park oder Juli erinnern, sind ein leicht ins Ohr gehender Mix aus gitarrenlastigem Rock und energischem Gesang. Gesetzt hat man dabei wieder auf das Produzenten-Team um Peter Hoffmann, Pat Benzner, Dave Roth und David Jost.

Gitarrist Tom (17) betont aber: „Die Songs wurden nicht ausschließlich von anderen für uns geschrieben. Da steckt viel von uns selbst mit drin.” Sein Zwillingsbruder Bill besingt in melancholischer Manier erneut für Teenager relevante Themen wie Liebeskummer, Einsamkeit und Rebellion.

Ganz selbstbewusst sagt der wie stets geschminkte und mit Silberschmuck behängte Mädchenschwarm dann auch: „Wir können mit unserer Musik bei den Jugendlichen was bewegen. Die finden sich darin wieder. Aber das machen wir uns gar nicht bewusst. Wir sind einfach im gleichen Alter wie unsere Fans und uns bewegen die gleichen Sachen.”

Den Titel des Albums, „Zimmer 483”, verstehen die Jungs als eine Art humorvolle Hommage an die Finca Nr. 483 in Südspanien. Dorthin wollte sich die Band im vergangenen Jahr zurückziehen, um an ihrer neuen Platte zu arbeiten. Als die Musiker ankamen, wurde der Traum von einer Luxusbleibe in Strandnähe jedoch jäh zerstört: „Die Finca war ein kompletter Reinfall. Das war ein halber Abriss-Bungalow und der Strand war auch nicht zu sehen”, erinnert sich Bill.

Trotz oder gerade wegen der tristen Kulisse waren die Jungs produktiv - der erste Song des Albums „Wir sterben niemals aus” entstand - und der Plattentitel war geboren.

Echo, Bambi, Comet, Eins Live Krone, World Music Award und jüngst der European Border Breakers Award - Tokio Hotel sind einem wahren Preisregen ausgesetzt. Ihr 2005 veröffentlichtes Erstlingswerk „Schrei” ging mehr als 400.000 Mal über die Ladentische und erreichte damit Doppel-Platin-Status. Die Cover von Jugendzeitschriften wie „Bravo” und „Yam” scheinen Tokio Hotel für sich gepachtet zu haben.

Auch jenseits der deutschen Grenze grassiert das Tokio-Hotel-Virus. In Russland, Polen und Frankreich konnte sich die Magdeburger Band ganz oben in den Charts platzieren. Vor allem auf den Gold- Status ihres ersten Albums in Frankreich - das internationale Künstler in der Regel nicht mit offenen Armen empfängt - sind Tom, Bill, Schlagzeuger Gustav (18) und Bassist Georg (19) stolz.

Deshalb begnügt sich die Band in diesem Jahr auch nicht mit einer Deutschland-Tour - diesmal ziehen die Jungs durch ganz Europa. Dafür wurden einige der bekannten Hits sogar ins Englische übersetzt. Schließlich soll die Tokio-Hotel-Botschaft auch im Ausland verstanden werden.

Manch einer würde nach so einem Erfolgsritt beim zweiten Album Fracksausen bekommen. Nicht so Tokio Hotel. Ganz abgeklärt erklärt Bill: „Wir machen uns den Stress nicht und zittern jetzt, dass „Zimmer 483” genauso abgeht wie „Schrei”. Unter so einem Druck hätten wir gar nicht vernünftig arbeiten können. Wir wollten einfach so weitermachen wie bisher. Und jetzt schauen wir mal, was passiert.”