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Hamburg: Knut-Effekt: Zoos profitieren

Hamburg : Knut-Effekt: Zoos profitieren

Gibt es einen Knut-Effekt? Der Rummel um das niedliche Eisbären-Baby aus dem Berliner Zoo hat auch anderen Tiergärten in Deutschland mehr Besucher beschert. „Es gibt derzeit einen Zoo-Boom in Deutschland”, bestätigte der Direktor des Landauer Zoos (Rheinland-Pfalz), Jens-Ove Heckel, in einer dpa-Umfrage.

Allerdings locken im Frühjahr generell die Jungtiere mehr Schaulustige zu den Gehegen. Auch die milden Temperaturen sorgen in vielen Zoos für einen Besucherstrom. In Duisburg will man ganz klar „einen Knut-Effekt” beobachtet haben. Besucher erkundigten sich oft, ob es hier nicht eine ähnliche Attraktion gebe, sagte ein Sprecher.

Der Direktor des Zoos im saarländischen Neunkirchen, Norbert Fritsch, sieht die Tiergärten nach den Berichten über Knut wieder auf einer Sympathiewelle. Seiner Ansicht nach hängen die Besucherzahlen aber nach wie vor stark vom Wetter ab. „In diesem Jahr liegen wir wegen der milden Temperaturen schon weit über den Vorjahreswerten.” Besonderer Sympathieträger sei in Neunkirchen das drei Monate alte Giraffenbaby „Shani” (Suaheli: wundervoll).

Das Knuddel-Bärchen ist es also nicht allein. Einen weiteren Grund für den Zulauf nannte der stellvertretende Direktor des Zoos in Neuwied (Rheinland-Pfalz), Mirko Thiel: „Wir merken hier, dass im Fernsehen derzeit viel über Zoos berichtet wird.” Gleich auf mehreren Sendern würden Zoogeschichten ausgestrahlt. Jungtiere gibt es auch in Neuwied: Seit Mitte März können Besucher eine kleine Berberlöwin bewundern. Auch bei den Emus und Kängurus gibt es Nachwuchs.

Der Rostocker Zoo, in dem seit rund 20 Jahren das internationale Zuchtbuch für Eisbären geführt wird und dessen Wappentier der Eisbär ist, bleibt beim Thema Knut ziemlich nüchtern. Es gebe keinen außergewöhnlichen Andrang, seit Knut auf den Plan getreten ist, sagte eine Sprecherin. Besucher würden im Moment vom Nachwuchs der Raubkatzen angelockt, darunter kleine Jaguare, Geparden und Löwen.

Auch die Sprecherin des Münchner Zoos, Doris Schwarzer, sieht keinen Knut-Effekt. Im Tierpark Hellabrunn Zoo seien zwar viele Besucher - am Karfreitag waren es 10 000 - dies sei aber eine normale Zahl an einem Feiertag mit schönem Wetter. „Es gibt jede Menge Jungtiere bei uns. Antilopen, Gazellen - und zum Beispiel den Gorilla mit Spitznamen Niklas, der jetzt ein halbes Jahr alt ist.” Eine Alternative zu Knut bietet seit einem Jahr der Kölner Zoo: Am 1. April 2006 wurde hier das Elefantenbaby Marlar geboren. Seitdem ist es der Star am Rhein.

Nicht nur Marlar und andere Jungtiere würden die Besucherstatistik positiv beeinflussen, sondern weitere drollige Tiere wie die Erdmännchen - und natürlich das milde Wetter. Eine erhöhte Nachfrage wegen Knut gebe es nicht. In der Stuttgarter Wilhelma gehört ein Besuch bei den drei Eisbären seit der Prominenz von Knut zum Pflichtprogramm. „Wir werden mittlerweile sehr oft nach den Eisbären gefragt”, sagte der Zoologe Günther Schleussner. Am Osterwochenende traten sich die Besucher gegenseitig auf die Füße. Grund sei das schöne Wetter gewesen.

In Berlin verzaubert der kleine Eisbär weiter die Massen: Aus allen Teilen Deutschlands machen sich Knut-Fans teils in Sonderbussen auf den Weg in die Hauptstadt. Knuts erster öffentlicher Auftritt war am 23. März. Seitdem sind zahlreiche Menschen zusätzlich in den Zoo zum neuen Volkssport „Knut gucken” gekommen.