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Köln: Kleine Tierfreunde im Sammelfieber

Köln : Kleine Tierfreunde im Sammelfieber

Krokodile, Tiger und blaue Pfeilgiftfrösche sind zurzeit die begehrteste Ware, die in den Filialen der Supermarkt-Kette Rewe über die Kasse geht. Die bunten, visitenkartengroßen Tierbildchen sind bei Kindern ein absoluter Renner.

„Neulich haben einige Mädchen sogar mit einem selbst gemalten Plakat versucht, von unseren Kunden Sammelbilder zu ergattern”, erzählt Mohamed Hafi, Manager eines Rewe-Marktes in Köln-Braunsfeld. Eltern bemühen sich, an der Kasse hinter kinderlosen Singles zu stehen, um noch mehr Bilder für ihre Sprösslinge abzustauben. Das Sammelfieber ist ausgebrochen.

„Wir sind von der Resonanz überwältigt”, sagt Raimund Esser, Sprecher der Kölner Rewe-Gruppe. Seit Anfang Mai gibt es bei jedem Einkauf ab zehn Euro ein Tütchen mit fünf Bildern dazu. Das Sammelalbum, in das man die Sticker einkleben kann, kostet 2,50 Euro. Die 1,5 Millionen Exemplare waren schnell vergriffen, Rewe ließ flugs 200.000 Alben nachdrucken. „Auch die werden wohl nicht reichen”, sagt Patricia Graf vom Worldwide Fund For Nature (WWF).

Die Naturschutzorganisation ist Kooperationspartner der Aktion. Sie gibt ihr Panda-Logo für die Sammelbildchen her und erhält dafür 50 Cent pro verkauftem Album. „Außerdem wollen wir spielerisch unser Anliegen des Artenschutzes vermitteln”, erklärt Graf. Offenbar mit Erfolg: „Zum Teil lesen Eltern anstelle einer Gute-Nacht-Geschichte die Tier-Steckbriefe aus dem Album vor”, berichtet sie. Auch in Grundschulen werde das Heft schon verwendet.

„Das Tolle an den Bildchen ist, dass sie so schön sind und dass man sie einkleben kann. Das macht einfach Spaß”, sagt der neunjährige Joshua aus Köln. Er und seine Schwester Marilena (7) haben fast ein Dutzend Nachbarn animiert, bei ihren Einkäufen für sie nach den Bildern zu fragen. Der neue Klassenstar an ihrer Schule ist ein Junge, dessen Onkel bei Rewe arbeitet und ihn mit Hunderten Bildchen versorgt hat.

Dass Werbung derart auf Kinder abzielt, sei keine Seltenheit, sagt der Sprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Georg Tryba. „Das kann schon die Fleischwurst beim Metzger sein.” Für bedenklich hält er die Aktion jedoch nicht - zumal die Bildchen kein Geld kosten. „Natürlich sind die Kunden selbst gefordert, ihr Einkaufsverhalten nicht auf Druck ihrer Kinder völlig umzustellen.”

Nach Angaben von Rewe ist seit Beginn der Aktion kein großes Umsatz-Wachstum zu verzeichnen. Dafür schießen in manchen Märkten Tauschbörsen aus dem Boden, heute werden sich viele Filialen in ganz Deutschland an einem Tauschtag beteiligen. Immerhin gibt es 180 verschiedene Tier-Motive, die zu ergattern sind.

Selbst bei Ebay sind die Bildchen bereits eine gefragte Ware. Für 3,83 Euro erhielt ein Kunde gestern den Zuschlag für Sticker Nr. 136, einen Tiger mit der seltenen Glitzer-Umrandung. Für 20 ungeöffnete Tütchen zahlte ein Nutzer sogar zwölf Euro. Wer lieber im Supermarkt sein Glück versucht, hat noch zwei Wochen Zeit: Am 25. Juni endet die Aktion.