Institut für Textiltechnik der RWTH forscht an alternativen Garnen

Zwei Forscher der RWTH im Interview : Ein T-Shirt aus nachwachsenden Rohstoffen

Pavan Manvi und Sascha Schriever forschen am Institut für Textiltechnik an der RWTH in der Gruppe für Biopolymere unter anderem an der Herstellung von Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen. Ihr Vorzeigeprodukt: ein T-Shirt aus Mais.

Herr Manvi, aus welchem Teil des Maises kann man Kleidung herstellen?

Pavan Manvi: Wir verwenden die Stärke aus dem Maiskolben. Bevorzugt aus Teilen, die nicht als Nahrungs- oder Futtermittel genutzt werden.

Wieso ausgerechnet Mais?

Manvi: Aktuell wird in der Textilindustrie hauptsächlich mit drei unterschiedlichen nachwachsenden Rohstoffen gearbeitet: mit der Stärke aus Mais, Weizenstärke und der Stärke aus Kartoffeln. Die Rohstoffe eignen sich für unterschiedliche Anwendungsbereiche – Mais besonders für Herstellung von PLA (Polylactide) und damit für die Bekleidungsindstrie.

Wie wird aus der Maisstärke ein T-Shirt?

Manvi: Mithilfe chemischer Verfahren wird Milchsäure aus den Maiskolben extrahiert, per Synthese wird daraus Polymilchsäure (PLA) hergestellt. Dann kommt die Textilindustrie ins Spiel: Aus den Polymeren werden Garne hergestellt, aus denen dann wiederum Textilien hergestellt werden können.

Eignet sich der Maisstoff für alle Kleidungsstücke?

Manvi: Das Garn eignet sich besonders für T-shirts und Pullover. Für andere Teile müsste man die Haptik des Stoffs noch durch zusätzliche Verfahren verändern. Das ist aber ähnlich wie bei Polyester.

Pavan Manvi forscht am Institut für Textiltechnik der RWTH an Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen. Foto: ITA Rwth

Gibt es noch andere Anwendungsbereiche?

Manvi: Garne aus Mais können auch bei der Produktion von zum Beispiel Zurrgurten, Gardinen und Vliesstoffen verwendet werden.

Sascha Schriever: In den USA wird auch Bettwäsche aus PLA angeboten. In Deutschland hat man die wieder vom Markt genommen, weil sie beim Bügeln geschrumpft ist. Das lässt sich in der Produktion aber auch vermeiden. In der Verpackungsindustrie ist PLA schon sehr viel weiter verbreitet.

Was sind die Vorteile von PLA?

Manvi: Biobasierte Materialien brauchen weniger Anbaufläche und weniger Wasser. Um ein Kilo PLA-Polymer herzustellen, werden zwischen 1215 und 6468 Liter Wasser benötigt – für ein Kilo Baumwollfasern im weltweiten Schnitt 11.000 Liter. Außerdem wachsen biobasierte Fasern nach. Synthetische Polyester werden dagegen aus Erdöl hergestellt.

Sascha Schriever forscht am Institut für Textiltechnik der RWTH an Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen. Foto: ITA Rwth

Wieso ist PLA in der Textilindustrie dann noch nicht verbreiteter?

Manvi: Es gibt schon Interesse, und es wäre auch möglich, an den vorhandenen Standorten mit geringen Anpassungen an den vorhandenen Maschinen zu produzieren. Das Problem ist aber der Preis. Zurzeit ist der Erdölpreis noch stabil. Konventionelles ­Polyester kostet daher 1,50 Euro pro Kilogramm in der Produktion. PLA dagegen kostet 2,40 Euro pro Kilo.

Schriever: Außerdem kann man PLA aktuell nicht so schnell spinnen wie andere Rohstoffe. Die Textilindustrie ist eher konservativ. Viele verschiedene Akteure sind an der Produktionskette beteiligt, und alle sind an ihren Margen interessiert.

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