In Aachen weltbekannt geworden: Prinzessin Haya flieht aus dem Palast

Kostenpflichtiger Inhalt: Prinzessin Haya flieht aus Dubai : „Mir ist egal, ob du tot bist oder lebst“

Die mit Aachen eng verbundene frühere Präsidentin des Weltreiterverbandes FEI ist aus dem Palast ihres Mannes geflüchtet. Das könnte mit der gescheiterten Flucht zweier anderer Frauen zusammenhängen. Freunde fürchten nun um Hayas Leben.

In einem Interview mit dem Magazin „Emirates Woman“ hob Prinzessin Haya ihren Mann noch 2016 mit bewundernden Worten in den Himmel. „Jeden Tag“, sagte sie damals, „versetzt er mich in Erstaunen, jeden Tag danke ich Gott, dass ich das Glück habe, in seiner Nähe sein zu dürfen.“ Sie sprach von einer glücklichen Ehe, sie sprach so, wie ihr Mann, Scheich Mohammed Al Maktum, das wohl von ihr erwartet.

In den vergangenen Tagen oder Wochen aber, so ganz genau wissen es wohl nur sehr wenige, tat sie etwas, das ihr Mann ganz sicher nicht von ihr erwartet: Haya, Tochter des früheren jordanischen Königs Hussein I. und von 2006 bis 2014 Präsidentin des Weltreiterverbandes FEI, floh aus dem Palast des Scheichs in Dubai und setzte sich nach England ab.

Wie Romy Schneider in „Sissi“

Schon seit Wochen zirkulieren Gerüchte, nachdem die Prinzessin nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen wurde und auch ihr Twitter-Account verstummt war. Die begeisterte Springreiterin war ein regelmäßiger Gast von Queen Elizabeth II. bei den Pferderennen in Ascot gewesen, doch als ein Pferd ihres Mannes dort letzte Woche gewann, fehlte die Prinzessin bei der Preisübergabe. Sie habe, berichteten englische Medien, zuerst Unterschlupf in Deutschland gefunden, bevor sie schließlich nach London gelangte, wo sie jetzt in einer Villa im Stadtteil Kensington wohnen soll. Gerüchte, denen zufolge ein deutscher Diplomat Haya bei der Flucht geholfen hat, wurden vom Auswärtigen Amt nicht bestätigt.

Prinzessin Haya besuchte in England die Schule und studierte Politikwissenschaften in Oxford. Sie gilt als Pferdenärrin und nahm als Springreiterin an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney teil. 2004 wurde sie die sechste Frau von Scheich Al Maktum, Emir von Dubai, Vizepräsident, Premier- und Verteidigungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Milliardär, Pferdebesitzer und international erfolgreicher Distanzreiter.

Wenige Wochen, nachdem Haya 2006 mit 32 Jahren zur FEI-Präsidentin gewählt worden war, begannen die Weltreiterspiele in Aachen. Es waren ihre ersten Auftritte vor einer Weltöffentlichkeit, und sie gerieten zu einem so nicht erwarteten Triumph. Wohin sie kam, flogen ihr, wie man so sagt, die Herzen zu, zu jedem Anlass gab sie sich entsprechend. Weltgewandt und diplomatisch hier, nahbar, lachend, scherzend dort, vor allem aber so herzlich und einnehmend wie Romy Schneider als Prinzessin Sissi in den gleichnamigen 50er-Jahre-Filmen.

Der verlassene Ehemann: Scheich Mohammed Al Maktum. Im Hintergrund Prinzessin Haya. Foto: imago stock&people

Als sie am Abend des 3. September 2006 im Aachener Reitstadion vor mehr als 45.000 Zuschauern im roten Kleid ans Mikro trat, um die Weltreiterspiele zu beenden, jagten Sturmböen über den Platz, ein Unwetter stand unmittelbar bevor. Haya ließ sich nicht beirren und überschüttete das Aachener Publikum mit Liebe, Dank und Lob. Sie sprach von den besten Weltreiterspielen aller Zeiten, brach unter tosendem Jubel und minutenlangem Applaus vor lauter Rührung in Tränen aus und brachte ihre Rede schluchzend zu Ende. Ein Moment, der in die Geschichte des deutschen Reitsports einging.

Im Frühjahr 2009 stand sie zum ersten Mal vor der schwierigen Aufgabe, als FEI-Präsidentin ihren eigenen Mann wegen eines Dopingverdachts suspendieren zu müssen. Es blieb nicht dass letzte Mal, dass während ihrer Amtszeit Pferde ihres Mannes positiv auf verbotene Substanzen getestet wurden. Als sie 2014 auf eine dritte Amtszeit als FEI-Präsidentin verzichtete, wurde es ruhiger um sie – bis die ersten Gerüchte über ihre Flucht aus Dubai öffentlich wurden.

Haya (45) ist nicht die erste Frau, die Scheich Mohammed (69) verlassen wollte, zwei Töchter des Scheichs aus anderen Ehen haben es bislang vergeblich versucht. Shamsa floh 2010 von einem Gut des Scheichs in der englischen Grafschaft Surrey. Sie wurde kurz darauf von einer Straße in Cambridge aus entführt und offenbar zurück nach Dubai gebracht, wo sie unter Drogen gesetzt worden sein und die nächsten acht Jahre im Gefängnis gesessen haben soll. Offizielle Stellungnahmen gibt es dazu nicht.

Shamsas Schwester Latifa organisierte im Frühjahr 2018 eine Flucht per Jet-Ski, mit dem sie zur Jacht eines befreundeten französischen Geheimdienstlers in den Oman gelangte und von dort aus nach Indien aufbrach. Doch die indische Küstenwache stoppte das Schiff und brachte Latifa zurück nach Dubai. In einem vor der Flucht aufgenommenen und nach der Flucht veröffentlichen Youtube-Video berichtete Latifa, zuvor drei Jahre eingesperrt und gefoltert worden zu sein. Ihren Vater, Scheich Mohammed, bezeichnete sie darin als „pure evil“, das „reine Böse“. Um seinen Ruf zu schützen, würde er sogar morden. Das Video wurde bis heute fast 3,5 Millionen Mal angeschaut.

Haya versuchte offenbar, im Streit zwischen Latifa und dem Scheich zu vermitteln, als sie im vergangenen Herbst die ehemalige Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte Mary Robinson nach Dubai einlud, um bei „einem Familien-Dilemma auszuhelfen“, wie Robinson damals sagte. Doch kurz danach muss Haya etwas erfahren haben, das einen Sinneswandel bewirkte. Sie wisse von „verstörenden Fakten“ über Latifas Schicksal, meldete die BBC, und sei von Mitgliedern der Familie ihres Mannes unter Druck gesetzt worden, „bis sie sich nicht mehr sicher gefühlt habe“.

Affäre mit dem Bodyguard?

Die „London Times“ berichtete am Freitag unter Berufung auf Quellen im Nahen Osten, dass Prinzessin Haya ein Verhältnis mit ihrem britischen Bodyguard gehabt haben soll. „Hochrangige Mitglieder des Königlichen Hofes“, schreibt die Zeitung, „sind besorgt über die ‚unangemessene Intimität‘ zwischen der Prinzessin und dem Offizier.“ Haya habe den Bodyguard, der selbst verheiratet ist, mit Geschenken überhäuft.

Scheich Mohammed hat, wie mehrere Medien berichten, offenbar mit Lyrik auf seine Ehekrise reagiert. Er dichtet gern, hat Poesie-Bände publiziert und auf seinem Instagram-Account kürzlich ein Gedicht veröffentlicht, das Haya Angst machen könnte. Unter dem Titel „Du hast gelebt und bist gestorben“ heißt es dort: „Dein teuflisches Verhalten wird dir nichts nützen / Mir ist egal, ob du tot bist oder lebst.“ Freunde von Haya interpretieren die Worte als Drohung und fürchten um ihr Leben. Oder halten es laut BBC-Korrespondent Frank Gardner zumindest für möglich, dass sie entführt und nach Dubai verschleppt werden könnte, wie die beiden Töchter des Scheichs zuvor offenbar auch.

Laut britischen Medien hat Haya auf der Flucht ihre beiden Kinder Zalila (11) und Zayed (7) und etwa 34 Millionen Euro dabei. In London wolle sie Asyl beantragen, die Scheidung einreichen und das Sorgerecht für ihre Kinder erstreiten, berichtet die „New York Times“. Im Interview mit unserer Zeitung hatte sie während der Weltreiterspiele 2006 gesagt: „Ich weiß, wer ich bin und was ich will. Wenn man sich selbst treu bleibt, ist alles im Leben einfach.“

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