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Düsseldorf: Importierter Brauch: An Halloween scheiden sich die Geister

Düsseldorf : Importierter Brauch: An Halloween scheiden sich die Geister

Ein irritiertes „Hallo - was?” wäre vor einem guten Dutzend Jahren die wahrscheinlichste Antwort auf die Frage nach der Halloween-Party gewesen. Heute hat das Geister- und Kürbisfest, über dessen Ursprung nach wie vor unermüdlich spekuliert wird, in Deutschland zwischen sommerlichen Grillfesten und St. Martin einen festen Platz im Kalender aller Feierwilligen erobert.

Tradition spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Entscheidend für Amüsierwütige ist am „all hallows eve”, dem Abend vor Allerheiligen, das Angebot an Gänsehaut und Nervenkitzel aller Art.

„Eine verkommerzialisierte Form von Spektakel und Vegnügen”, sagt Christoph Heckeley vom Erzbistum Köln klipp und klar. Der Sprecher der größten Diözese Deutschlands ist aber auch selbstkritisch: „Diese ungewöhnliche Art von Karneval wird einfach gut vermarktet und wir müssen uns an die eigene Nase fassen, wenn wir mit unseren Anliegen nicht so gehört werden”, meint er.

Erhebliche Umsatzsprünge durch Halloween sieht der Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen dagegen nicht. „Das spielt nur in bestimmten Läden wie Lebensmittel- und Dekogeschäften eine Rolle”, sagt Verbandssprecherin Waltraud Loose. „Und die Kaufhäuser stellen dafür Flächen bereit.” Wer hier nicht fündig wird, kann auch im Internet einkaufen, um seinen Partykeller mittels Spinnwebentapete und Totenkopfleuchten für eine Nacht in eine heimelige Gruft zu verwandeln.

Einen anderen Erwerbszweig haben Bauern im Münsterland entdeckt. Wegen der großen Nachfrage nach Kürbissen zum Halloween-Fest vergrößern immer mehr Landwirte die Anbauflächen und schaffen sich damit ein neues Standbein. Aus dem kugeligen Großgemüse werden mit Vorliebe schaurige Masken geschnitzt, die mit einer Leuchte versehen Gärten oder Fenster erhellen.

Das ist das Stichwort für Jens Peter Iven: „Gegen hohle Kürbisse setzen wir einen klugen Kopf”, erinnert der Sprecher des Landeskirchenamtes in Düsseldorf an Martin Luther, der am 31. Oktober 1517 mit seinem Thesenanschlag die evangelische Kirche begründete. „Die Auseinandersetzung mit ihm erfordert mehr Grips und Halloween ist wesentlich einfacher zu vermitteln als der Reformationstag”, sagt der Kirchenmann. „Aber das müssen wir aushalten.” Kinder und Jugendliche, die bei ihm klingeln und nach dem neuen Brauch „Süßes oder Saures” einfordern, werden mit „Lutherbonbons” beschenkt und aufgefordert, zum Martinssingen wiederzukommen.

Eine sehr weltliche Sicht auf nächtliche Geistererscheinungen haben die Ordnungshüter: „Bis vor zehn Jahren kannte kein Mensch Halloween”, meint Pressesprecher Gustav Heyer vom Polizeipräsidium Wuppertal. „Natürlich kommt es inzwischen manchmal zu Ruhestörungen oder Sachbeschädigungen, aber man sollte das nicht zu hoch hängen. Wir schreiten ein, wenn wir müssen.”

Dass Halloween in Deutschland immer bekannter wird, führt Alois Döring vor allem auf geschickte Marketingstrategien zurück. Der Volkskundler beim Landschaftsverband Rheinland erläutert den Weg des gar nicht so neuen Brauchs: „Eigentlich stammt Halloween von den Britíschen Inseln und wurde dort seit Jahrhunderten von den Iren gefeiert. Auswanderer brachten ihn im 19. Jahrhundert in die neue Welt. Und jetzt kehrt er als amerikanischer Brauch nach Europa zurück.”